Streiflichter von einer Studienfahrt auf den Spuren des Barons Samuel von Brukenthal
Ausgabe Nr. 2932

Gruppenbild im Park der Sommerresidenz in Freck. Foto: privat
Zu einer Studienfahrt auf den Spuren des Barons Samuel von Brukenthal (1721-1803) hatte die evangelische Kirchengemeinde A. B. am Vortag dessen 304. Geburtstags Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Brukenthalmuseums sowie Mitglieder der Gemeindevertretung eingeladen. Lesen Sie im Folgenden den Bericht der beiden Museografinnen Alexandra Poponea (Sammlung Europäische Grafik) und Ecaterina Natea (Münzensammlung):
Die Reise, die auf Initiative von Gemeindekuratorin Ilse Philippi von der Hermannstädter evangelischen Kirchengemeinde mit Unterstützung des Departements für interethnische Beziehungen organisiert wurde, war eine echte Zeitreise, dank der wir viele wertvolle Erkenntnisse gewonnen haben.
Die erste Station war die Sommerresidenz des Barons in Hermannstadt, und obwohl der Zugang aus Sicherheitsgründen eingeschränkt war, gelang es zwei Personen aus unserer Gruppe, sich ins Innere zu schleusen. Unsere Kolleginnen erzählten uns, dass das Gebäude zwar teilweise bewohnt ist und viele Räume beschädigt sind, aber auf den Decken noch immer die gut erhaltene, farbenfrohe Originalfreske zu sehen ist – ein beeindruckender Beweis für die einstige Pracht. Leider sind die weitläufigen Gärten, in denen der Baron einst exotische Pflanzen wie Ananas anbauen ließ, heute von modernen Wohnhäusern verbaut. An diesem Ort hatten wir das Gefühl, dass die Geschichte darum zu kämpfen versucht, sichtbar zu bleiben.
Wir ließen Hermannstadt hinter uns und machten uns auf den Weg Richtung Kronstadt, wo unser nächstes Ziel das Brukenthal-Schloss in Sâmbăta de Jos war. Als wir dort ankamen, waren wir beeindruckt von dem imposanten Schloss, das sich zwischen den Tannen des weitläufigen dendrologischen Parks versteckt. Zum Schloss gingen wir über eine Allee, an deren Ende sich ein elegantes Tor zum Ehrenhof befindet. Dieser Hof wird von Nebengebäuden flankiert: einem Stall, einer Kantine und weiteren Lager- und Schlafsälen – Zeichen des einstigen geschäftigen Lebens. Errichtet auf einem Grundstück, das dem Baron Brukenthal von Kaiserin Maria Theresia persönlich geschenkt worden war, erstreckte sich die Bauzeit über mehrere Etappen, beginnend in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Leider waren Zeit und Geschichte mit diesem Ort nicht gerade gnädig. Von der dortigen Reiseführerin erfuhren wir, dass das Innere stark beschädigt wurde und nur noch wenige originale Elemente erhalten sind. Obwohl das Schloss seit 2002 im Besitz der Romsilva AG ist, befindet es sich in einem kritischen Zustand: Die Holzbalken sind morsch und an vielen Stellen sind die Decken eingestürzt. Hier verspürten wir alle eine bedrückende Stille, als wir die Ruine betrachteten, die ehemals eine adelige Residenz gewesen war. In der Nähe des Schlosses befindet sich eine weitere Sehenswürdigkeit: das Lipizzaner-Gestüt. Das 1874 gegründete Gestüt besitzt Pferde der Lipizzaner-Rasse, die aus dem Gestüt Lipica in Slowenien stammen, wo der Zuchtprozess für diese Tierart bereits 1580 begann. In Sâmbăta de Jos handelt es sich um eines der bedeutendsten Gestüte für Lipizzaner weltweit. Es umfasst Stallungen, eine Trainingsbahn, eine Wettkampfstätte für Gespanne, eine Freizeitanlage, Verwaltungsgebäude und landwirtschaftliche Flächen. Nachdem wir die Eleganz der Pferde bewundern durften, setzten wir unseren Weg zur Dorfkirche Mariä Himmelfahrt in Sâmbăta de Jos fort. Wir hatten Glück – die Kirche wurde auf Wunsch der Organisatoren speziell für uns geöffnet. Über die Kirche, die heute dem orthodoxen Ritus angehört, erzählten uns die Einheimischen, dass der Grundstein auf Geheiß des Barons im Jahr 1796 gelegt worden sei. Dieses unerwartete Detail ließ uns über den Einfluss nachdenken, den der Baron auf die Gemeinde hier hatte.
Von Sâmbăta de Jos fuhren wir nach Freck/Avrig, zur Sommerresidenz des Barons. Hier wurden wir von dem Betreiber der Anlage Arnold Klingeis gastfreundlich empfangen und genossen ein leckeres Mittagessen mit Speisen, die nach traditionellen siebenbürgisch-sächsischen Rezepten zubereitet wurden. Nach dem Essen widmeten wir uns der Besichtigung des Schlosses und vor allem des Parks. Im Schloss erkundeten wir drei Räume, in denen zwei Ausstellungen zu sehen waren: eine mit Objekten aus der stillgelegten Frecker Glasfabrik und eine andere, in der drei Räume im siebenbürgisch-sächsischen Stil nachgebildet waren. Was uns jedoch am meisten beeindruckt hat, war die schiere Größe des terrassenförmigen Parks, der in kleinerem Maßstab nach dem Vorbild des Schönbrunn-Schlosses angelegt wurde. Zu Brukenthals Zeiten wuchsen hier neben einheimischen Obstbäumen auch Zitronen, Orangen und Ananas. Ein wertvolles, leider wenig bekanntes Detail ist die Einzigartigkeit dieses Ensembles: Die ehemalige Sommerresidenz mit ihren Gärten bildet den einzigen vollständig erhaltenen Barockpark auf dem Gebiet Rumäniens.
Wir verließen Freck in der Hoffnung, dass das Erbe Brukenthals in guten Händen sei und setzten unsere Reise nach Leschkirch/Nocrich fort, dem Geburtsort des Barons. Unser erster Halt dort war die Kirchenburg. Hier erfuhren wir ein beeindruckendes Detail über die Großzügigkeit des Barons, der 1.000 Gulden (von den Gesamtkosten in Höhe von 8.950 Gulden) für den Bau der Kirche spendete. Leider starb Samuel von Brukenthal 1803, in dem Jahr, in dem die Arbeiten begannen, ohne die Fertigestellung erleben zu können. Als Zeichen der Ehrerbietung wurde seiner Familie jedoch ein besonderes Kirchengestühl zugewiesen, das bis heute noch im Chorraum der Kirche erhalten ist.
Gegenüber der Kirchenburg steht ein hellgrün gestrichenes Haus aus dem frühen 18. Jahrhundert, von dem gemunkelt wird, dass es das Geburtshaus von Samuel von Brukenthal sei. Leider gibt es keine Dokumente oder eindeutigen Beweise, um dieses Gerücht zu bestätigen; nur die Aussagen der älteren Dorfbewohner, die dieses Gebäude (oder zumindest eines in seiner Nähe) als Besitz der Familie des Barons kennen. Egal ob es sich nun tatsächlich um das Wohnhaus des Barons handelte oder nicht, war es schmerzlich, ein fast 300 Jahre altes Haus in einem Zustand des Zerfalls zu sehen. Wie auch die Sommerresidenz in Hermannstadt und das Schloss in Sâmbăta de Jos erzählt auch das Haus in Leschkirch dieselbe Geschichte: die der Gleichgültigkeit und des drohenden Vergessens der Vergangenheit und ihrer Werte.
Etwas bedrückt von den traurigen Bildern, die wir während unserer Reise gesehen hatten, machten wir uns schweigend auf den Rückweg nach Hermannstadt. In der evangelischen Stadtpfarrkirche war der letzte und ernsteste Halt: eine Hommage an den Baron, der hier bestattet wurde. Es war eine selbstverständliche Geste, zumal dies kurz vor seinem Geburtstag, dem 26. Juli, geschah. Ein bewegender Moment für uns alle war das Niederlegen dreier Rosen am Grab des Barons durch die Gemeindekuratorin Ilse Philippi. Die Symbolik dieses Augenblicks war klar: ein diskretes, aber sicheres Versprechen, das von ihm hinterlassene kulturelle Erbe weiterzuführen. Und so beendeten wir unsere Reise in seriöser Stimmung, aber hoffnungsvoll.
„Auf den Spuren von Brukenthal” war für uns eine Gelegenheit, die visionären Werte und die kulturelle Komplexität der Persönlichkeit des Barons wiederzuentdecken. Obwohl uns die stille Geschichte des Vergessens, die wir während unseres Ausfluges entdeckt hatten, bedrückte, erinnerte uns die diskrete Geste am Grab von Brukenthal daran, dass sein Erbe nicht verloren ist und unsere ganze Aufmerksamkeit verdient.
(Deutsche Fassung: Tudor MAHL)