Streiflichter vom 59. Töpfermarkt auf dem Großen Ring in Hermannstadt
Ausgabe Nr. 2927

Ion Rătezeanu aus Târgu Jiu, Kreis Gorj, ist einer der treuesten Teilnehmer am Hermannstädter Töpfermarkt und er hat auch in diesem Jahr an einer echten Töpferscheibe Schautöpfern angeboten. Unser Bild: Ion Rătezeanu und seine Gattin Ionica präsentieren stolz das Diplom der Jury für hervorragende Leistungen. Foto: CJCPCT „Cindrelul-Junii”
Der 59. Töpfermarkt fand wie jedes Jahr um diese Zeit am ersten Wochenende im September jeweils zwischen 8 und 22 Uhr statt. Sowohl Samstag als auch Sonntag, den 6. bzw. 7. September, stellten mehr als 100 Töpfer aus dem ganzen Land ihre Kreationen auf dem Großen Ring aus. Daneben gab es aber auch Töpfer aus der Republik Moldova und einen aus Südkorea. Die traditionellen Keramikkünstler hatten ihre Stände auf dem äußeren Ring, die modernen auf dem inneren Ring.
Der seit Jahrzehnten regelmäßig stattfindende Töpfermarkt bot auch für jemanden, der ihn das erste Mal besuchte, eine große Vielfalt an faszinierenden Töpferwaren, die man als Neuling so noch nicht gesehen hat.
Der Markt startete mit dem perfekten Wetter – vielleicht ein wenig zu perfekt. Die Temperaturen schraubten sich im Laufe des Tages auf bis zu 30 Grad Celsius hoch. Keine Wolken am Himmel. Und mitten auf dem Großen Ring unzählige Keramik- und Tonwaren. Wer hier länger bleiben wollte, brauchte einen Sonnenhut. Doch von der brüllenden Hitze ließen sich die Besucher – und auch die Händler – nicht abhalten. Unter Sonnenschirmen und an überdachten Ständen boten die Töpfer ihre traditionsreichen Waren an. Natürlich gab es Töpfe mit den verschiedensten Farben und Mustern: Weiße mit blauen Verzierungen, kitschige braune Töpfe mit knallbunten Blumenmustern, welche in grün, Einfarbige, Mehrfarbige und und und… Doch es gab – anders als der Name vermuten lässt – auch andere Tonwaren. Darunter auch Pfeifen, die dank ihres Aussehens großen Anklang bei den Kindern fanden: Hunde, bunte Vögel und andere Tiermotive waren bei mehr als nur einem Stand ausgestellt. Das charakteristische Pfeifen – oder eher Zwitschern – war auf dem ganzen Platz zu vernehmen.

Gut vertreten war das Töpferzentrum Korund.
Foto: Mădălina IOSIF
Wer als Neuling zu Besuch war, den mochte das vielleicht noch zum Schmunzeln bringen, doch alteingesessene Hermannstädter wussten: Diese Geräuschkulisse gehörte mittlerweile zum Markt wie die Luft zum Atmen.
Aber auch für die Erwachsenen gab es einiges zu holen: Kleine daumengroße Bierkrüge, Gefäße, die anmuteten wie hübsch verzierte Flachmänner, Tassen, Teekannen, Küchenutensilien oder Blumenanstecker. Von traditionell bis modern war für jede und jeden etwas dabei.
Man konnte aber auch an Workshops teilnehmen oder aber beim Schautöpfern zuschauen. Dabei erstaunte einen doch der Gedanke, dass dieser Markt bereits in seine 59. Runde ging. Ob es hier wohl auch Töpfer – oder gar treue Besucher – gab, die schon den ersten Töpfermarkt im Jahr 1967 miterlebt haben, den damals Horst Klusch aus der Wiege gehoben hatte? Die beobachten konnten, wie sich der Markt über Jahrzehnte hinweg entwickelte, veränderte und in Hermannstadt etablierte? Mit dem Ziel, authentische Ware darzubieten und eine Tradition zu erhalten, die schon so viele Jahrhunderte besteht. Als ein Zeugnis der kulturellen Identität der Region verbindet der Töpfermarkt seit bald sechs Jahrzehnten Generationen und hält das Erbe der Keramikkunst in Rumänien lebendig. Und die Jury hatte es auch in diesem Jahr nicht leicht. Wer Preise erhalten hat und wer zur Jury gehörte, erfahren Sie im Kasten links.
Veranstalter des traditionellen Hermannstädter Töpfermarktes waren auch in diesem Jahr der Kreisrat Hermannstadt, das Kreiszentrum für die Erhaltung und Förderung der traditionellen Kultur „Cindrelul-Junii Sibiului” und das ASTRA-Museum.
Lena KANTERT
Preisträger 2025
Diplom der Jury für hervorragende Leistungen: Páll Árpád, Korund, Kreis Harghita; Angela und Daniel Sitar, Baia Mare, Kreis Maramureş; Aida und Florin Frigură, Horezu, Kreis Vâlcea; Constantin und Georgeta Popa, Horezu, Kreis Vâlcea; Ion und Ionica Rătezeanu, Târgu Jiu, Kreis Gorj; Violetta und Adrian Triboi, Chișinău, Republik Moldova; Gheorghe und Carmina Țambrea, Horezu, Kreis Vâlcea.
Preis für die Rekonstruktion historischer Töpferwaren: Ionel Cococi, Vădastra, Kreis Olt; Nicoleta und Ion Mitroi, Măldăieni, Kreis Teleorman.
Preis für die Treue zum Töpfermarkt: Dénes und Carolina Máthé, Korond/Corund, Kreis Harghita.
Preis für die Förderung der figurativen Keramik: Daniel Ionescu, Râmnicu Vâlcea, Kreis Vâlcea; Raul Bocșe, Leheceni, Kreis Bihor.
Preis für die Förderung von Gebrauchskeramik: Sanyika und Renata Kiss, Korund, Kreis Harghita.
Preis für die Pflege der traditionellen Töpferkunst durch die jüngsten Keramikkünstler: Carina Frigură, Horezu, Kreis Vâlcea; Mihaela Pleșea, Braniștea, Kreis Galați.
Preis für die Pflege traditioneller Techniken: Ionuț Bîscu, Horezu, jud. Vâlcea; Ștefania Neamțu, Hermannstadt; Cristina Morariu, Hermannstadt; Ovidiu Boitor, Hermannstadt.
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Jurymitglieder waren in diesem Jahr: der Ethnologe Prof. Dr. Ilie Moise, Forschungsinstitut für Geisteswissenschaften der Rumänischen Akademie in Hermannstadt, Dr. Mirela Crețu, Direktorin für das Management der Sammlungen des ASTRA-Museums, Cozmina Aneta Costiniuc und Gabriela Negru, künstlerische Beraterinnen im Kreiszentrum für die Erhaltung und Förderung der traditionellen Kultur „Cindrelul-Junii” Sibiu.