Lustig, makaber, aber vor allem emotional

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Erste Premiere der neuen Spielzeit am ,,Radu Stanca“-Nationaltheater

Ausgabe Nr. 2927

Szenenfoto mit Ofelia Popii und Ciprian Scurtea.                                          Foto: Cynthia PINTER

Ofelia kann immer noch überraschen. Und das im positiven Sinne. An der Seite ihres Ehemanns Ciprian Scurtea hat Ofelia Popii erneut auf der Bühne brilliert. Die beiden spielten am 5. September im Studiosaal des TNRS in der ersten Premiere der neuen Spielzeit des „Radu Stanca“-Nationaltheaters „Aici nu se simte“ („Hier spürt man nichts“) unter der Regie von Lia Bugnar. Das Stück hat die Regisseurin selber geschrieben und man könnte es als schwarze Komödie mit Wurzeln im absurden Theater beschreiben. Die Koproduktion mit dem Bukarester Theater „Green Hours“ feierte seine Uraufführung im ausverkauften Studiosaal am Freitag, dem 5. September und wird nochmal am 21. September im großen Theatersaal des „Radu Stanca“-Nationaltheaters gezeigt. Die Aufführung ist jetzt schon ausverkauft.

„Hier stinkt es grauenvoll!“ prustet er, der Schauspieler Ciprian Scurtea, auf der Bühne hin und her laufend, bis er sich auf einen etwa zwei Meter hohen schwarzen Kubus in Sicherheit hievt. Dort liegt sie schon, die Schauspielerin Ofelia Popii, die genauso „spürt“ wie er. Es stinkt vor allem aus den Knien, den Ohren und den Handflächen.

Doch verrückt sind sie nicht, denn wenn zwei Menschen gleich „spüren“, dann schließt das die Verrücktheit aus. Sie müsste eigentlich zu einem Arzttermin, um ihre Brüste vergrößern zu lassen, für ihren Geliebten. Doch der Gestank kommt dazwischen. Er müsste den von seinen Arbeitskollegen zum Geburtstag geschenkt bekommenen Chihuahua entlaufen lassen. Denn seine Frau Edith kann Hunde nicht leiden. Er war gerade auf dem Weg zu Edith und dem Hund – der lustigerweise „Hund“ heißt – als der Gestank kam.

In der zweiten und dritten Szene sind die beiden Hauptdarsteller separat zu sehen. Er ist schon über 80 Jahre alt und will seine Grabsteuer bezahlen. Dabei kann er nicht umhin sich zu fragen, was mit der Steuer passiert, wenn er einmal tot ist und im Grab liegt.

Sie ist in der dritten Szene ebenfalls eine 80-jährige Frau, die erzählt, dass sie immer zu ihrem Geburtstag ein vierblättriges Kleeblatt gefunden hat und nun alle Kleeblätter an krebskranke Kinder verschenken will, damit die auch so viel Glück haben im Leben wie sie.

In der vierten und letzten Szene treffen er und sie einander und erkennen sich wieder. Das Ende des Stücks, auf das die Zuschauer gespannt sein können, ist sowohl lustig als auch makaber, aber vor allem emotional. Eines kann verraten werden, es gibt ein Happy End.

Die Natürlichkeit, mit der Popii ihre Rolle interpretiert, ist fesselnd. Und die gute Chemie und die Vertrautheit, die sie mit Scurtea im Privaten teilt, sind auf der Bühne deutlich zu sehen und zu spüren.

Die Autorin und Regisseurin des Stücks, Lia Bugnar, sagt dazu: „’Hier spürt man nichts‘ ist ein Stück, in dem man – welch ein Wunder! – viel und schmerzhaft spürt, obwohl wir hier vielleicht die kleinste Liebesgeschichte der Welt haben. Es ist schwer zu sagen, ob die Liebe in dem Stück erfüllt ist oder nicht, das müssen die Zuschauer entscheiden. Wir brauchen die Zuschauer… im Gegenzug bieten wir ihnen Emotionen und paradoxerweise Komik. Denn das Traurige, das wir lieben, ist, was uns laut lachen lässt, bevor wir heimlich eine Träne wegwischen“.

„Aici nu se simte“ ist ein emotionsreiches Theaterstück, in dem man als Zuschauer viel lachen kann, in dem man über Begebenheiten staunen aber auch traurig sein kann. Auf alle Fälle schaffen es die beiden Schauspieler, ihre Rollen so glaubhaft zu interpretieren, dass man alles mitfühlt. Da kann man einfach nur sagen: Hut ab! Großes Theater! Einfach sehenswert.

Cynthia PINTER

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Theater.