Beim 21. ProEtnica-Festival in Schäßburg
Ausgabe Nr. 2927

Unter tosendem Applaus des Publikums betrat am ersten Abend die Schauspielerin und Sängerin Maia Morgenstern die Bühne am Schäßburger Burgplatz und begeisterte gemeinsam mit der Bucharest Klezmer Band mit einem energiegeladenen Auftritt. Foto: Tobias JARITZ
Mit Tänzen, Musik und einem mitreißenden Klezmer-Konzert hatte am Mittwoch, den 27. August, in Schäßburg die 21. Auflage des ProEtnica-Festivals begonnen. Fünf Tage lang präsentierten 22 Volksgruppen aus ganz Rumänien ihre Kultur in der historischen Altstadt und setzten ein starkes Zeichen für Vielfalt und Dialog.
Rumänien ist ein Land der kulturellen Vielfalt. Nach der Volkszählung von 2021 stellen Rumänen knapp 90 Prozent der Bevölkerung, gefolgt von den Ungarn mit rund sechs Prozent und den Roma mit gut drei Prozent, während Ukrainer (0,3 %) und Deutsche (0,1 %) kleinere Minderheiten darstellen. Alle weiteren Volksgruppen zusammen machen etwa 1 % aus. Dass diese Zahlen mehr sind als bloße Statistik, zeigte sich einmal mehr beim diesjährigen ProEtnica-Festival in Schäßburg, wo 22 Volksgruppen (Albaner, Armenier, Bulgaren, Tschechen, Kroaten, Juden, Deutsche, Griechen, Italiener, Mazedonier, Ungarn, Polen, Roma, lipowaner Russen, Ruthener, Serben, Slowaken, Tataren, Türken, Ukrainer, Rumänen und Aromunen) ihre Musik, Tänze und Traditionen präsentierten.
Eröffnet wurde die 21. Auflage des Festivals am Mittwoch, den 27. August, um 16 Uhr auf dem Burgplatz durch Festivalsdirektor Volker Reiter, Präsident des Vereins „Interethnisches Bildungszentrum für Jugendliche – Sighișoara“. Noch war der Platz überschaubar gefüllt, doch mit jeder Darbietung zog es mehr Menschen in die historische Altstadt. Schon am Nachmittag verliehen die kroatische Tanzgruppe Karaševska Zora und mehrere ukrainische Ensembles, darunter Yasnytsya aus Galați, Rebalka aus Crișan und Kozaciok aus Bălcăuți, dem Programm ein buntes, folkloristisches Gepräge. Auch das ukrainische Nationaltheater „Ivan Franko“ sorgte mit der Inszenierung „București–Ciulnița“ für Aufmerksamkeit, während die Mazedonier mit dem Ensemble „Soarele–Sonțe” ihre Tänze präsentierten.

Der USR-Abgeordnete Adrian Giurgiu (links) und der Initiator und Festivalsdirektor Volker Reiter bei dem Diskussionspanel im Barocksaal im Rathaus.
Foto: Tobias JARITZ
Für musikalische Akzente sorgte die Jugendblaskapelle Kronstadt zusammen mit der Music Lab Big Band des Deutschen Forums aus Kronstadt, beide unter der Leitung von Matthias Roos. Die traditionellen Klänge der Roma, dargeboten vom Ensemble „Taraf” des Kulturzentrums Romano Kher, ließen schließlich die Tanzfläche vor der Bühne pulsieren und brachten das Publikum in Schwung.
Der Höhepunkt des Abends folgte gegen 21.30 Uhr. Die „Bucharest Klezmer Band” betrat gemeinsam mit der Schauspielerin und Sängerin Maia Morgenstern die Bühne. Mit ausdrucksstarkem Gesang und spürbarer Energie riss sie das Publikum mit und setzte ein glänzendes Schlusslicht unter den ersten Festivaltag.
Doch ProEtnica ist mehr als Musik und Tanz. Parallel zum Bühnenprogramm wurde im Barocksaal des Rathauses ein Diskussionspanel abgehalten. Unter der Leitung von Professor Radu Carp von der Universität Bukarest diskutierten Vertreter von Ministerien und Institutionen über die Förderung nationaler Minderheiten in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen. Mit dabei waren, neben Volker Reiter, Irina Cajal-Marin, Staatssekretärin im Kulturministerium, Thomas Șindilariu, Unterstaatssekretär im Departement für Interethnische Beziehungen, MP Adrian Giurgiu vom Kreis Mureș und Vertreter verschiedener Minderheiten.
Der erste Tag von ProEtnica 2025 war damit mehr als ein gelungener Auftakt in ein buntes Kulturfestival. Er verband tänzerische Leichtigkeit mit nachdenklichen Momenten, Folklore mit Jazz und Klezmer, ausgelassenes Feiern mit gesellschaftspolitischem Dialog. Ein lebendiger Auftakt, der die Vielfalt Rumäniens sichtbar machte und zugleich den Ton für die kommenden vier Festivaltage angab.
Finanzielle Unterstützung erhielten die Organisatoren der 21. Auflage des Festivals in diesem Jahr vom Departement für Interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der Rumänischen Regierung und vom Kulturministerium. Partner der Veranstaltung waren der Kreisrat Muresch, die Stadt Schäßburg, die Landesagentur für Roma und das Nationale Kulturzentrum Romano-Kher.
Tobias JARITZ