Konzerte an weniger bekannten Orten

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Der Cantores Vivaces-Chor auf Festkonzertreise durch Siebenbürgen

Ausgabe Nr. 2929

Der Cantores Vivaces-Chor und seine Dirigentin Marianne Seiwerth-Galbács (1. v. l.) bei dem Abschlusskonzert in der Johanniskirche in Hermannstadt.                                                                   Foto: Beatrice UNGAR

Anlässlich seines 45-jährigen Bestehens begab sich der Cantores Vivaces-Chor, der von deutschsprachigen Studenten aus Klausenburg gegründet wurde, zu einer Festkonzertreihe durch Siebenbürgen. Nach dem erfolgreichen Jubiläumskonzert in Gundelsheim am 30. November 2024 hatte sich der Chor eine Rundreise durch Rumänien gewünscht, so, wie dies auch in den vergangenen Jubiläumsjahren umgesetzt wurde.

Im Unterschied zu den vorigen Jubiläumsreisen mit Auftritten in Orten der Siebenbürger Sachsen wie Hermannstadt, Michelsberg, Kronstadt, Tartlau, Schäßburg oder Bistritz, hatte unser Mitsänger Stefan Koch diesmal eine Reise an weniger bekannte Orte – wie Temeswar, Großwardein, Sighetul Marmației und Oberwischau geplant, wobei Klausenburg und Hermannstadt natürlich nicht fehlen durften.

 

Der Treffpunkt und der Beginn der Proben war der 9. August in der Evangelischen Akademie Siebenbürgen Neppendorf/Hermannstadt.

Mit einem Kleinbus samt Anhänger startete am nächsten Morgen unsere Fahrt nach Temeswar. Radu Alboiu, unser hilfsbereiter, freundlicher Chauffeur, trug wesentlich zum Gelingen unserer Reise bei.

Die Fahrt durch die Hügellandschaft Siebenbürgens war ein Genuss: immer wieder ein sehnsüchtiger Blick auf unsere bekannten Gipfel wie Götzenberg, Muma, Prejbe und Cindrel werfend, mit dem heimlichen Wunsch, bei der nächsten Reise auch hierfür Zeit zu haben.

Die Burg von Deva sahen wir schon von weitem. Beherzt starteten die Meisten den Aufstieg zu Fuß, die Mittagshitze des Tages konnte uns nicht ausbremsen.

Der Ausblick auf die Stadt und die umliegenden Berge war unbeschreiblich! Die Burg war mit EU-Unterstützung sehr aufwändig restauriert worden und spontan erklang unser erster gemeinsamer Gesang in diesen stattlichen Mauern…

In Temeswar wurden wir im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus vom Chor des Forums der Banater Schwaben unter der Leitung unseres Chorfreundes Arthur Funk herzlich empfangen und mit kühlen Getränken und leckerem Salzgebäck verwöhnt.

Nach dem gemütlichen Beisammensein begannen wir unsere Chorprobe – diesmal mit Arthurs Unterstützung im Tenor; er sollte die ganze Chorreise über in unserer Mitte bleiben.

Am nächsten Tag genossen wir eine exzellente zweieinhalbstündige Stadtführung durch das Temeswarer Stadtzentrum. Es folgte unser erstes Konzert im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus und wir waren angenehm überrascht, dass, trotz extremer Hitze, so viele Zuhörer gekommen waren, in erster Linie Mitglieder des Forums der Banater Schwaben.

Unser Konzert in der Evangelischen Kirche in Großwardein war – trotz des sehr anstrengenden Tages und der Hitzewelle – sehr gelungen. Den nächsten Tag brachen wir früh nach Marmaroschsiget (Sighetul Marmației) auf, denn es stand einiges auf dem Programm: Frühstück in Großkarol (Carei), Besichtigung des berühmten Heiteren Friedhofs in Săpânța.

In Konzertkleidung werden wir zur Reformierten Kirche gefahren und wieder singen wir für ein begeistertes Publikum.

Nach einem schnellen Frühstück brechen wir zum Gottesdienst nach Oberwischau auf. Wir werden mit unseren Liedern in die Lithurgie der zweisprachig gehaltenen Festmesse eingebunden. Der einheimische Zipser Chor singt die rituellen Gesänge ebenfalls zweisprachig und zuletzt erklingt unser gemeinsames Lied das bekannte Lied: Möge die Straße uns zusammenführen.

Nun folgt ein steiler Aufstieg zur Marienkapelle am Berg Tschunka, auf steinigem Weg. Oben ist ein typischer Zipser Bergbauernhof, der für den Empfang einer größeren Gemeinschaft vorbereitet wurde.

Vor der kleinen Marienkapelle hält der Pfarrer einen Mariengottesdienst, den wir mit unseren Liedern ergänzen. Anschließend werden wir alle fürstlich bewirtet: mit Krautwickeln die hier „Halupzi“ heißen, mit Fleisch oder ,,de post“- vegetarisch und frischem Brot. Als Nachtisch gibt es riesige frische Krapfen.

Die Hitze hat unseren weiteren Unternehmungsgeist ein wenig gedämpft und so fahren wir zurück nach Siebenbürgen.

Nach einem kurzen Halt beim Geburtshaus des Schriftstellers George Coșbuc fahren wir weiter, während Ilse das Gedicht „Iarna pe Uliță“ vorliest. Unterwegs besuchen wir die Armenierstadt Gherla, wo wir das Glück hatten, einen halbarmenischen Kirchenführer anzutreffen, der uns die Geschichte der Armenier und der armenischen Großkirche erzählen konnte.

In Klausenburg sangen wir in der Unitarischen Kirche. Viele Bekannte und Freunde haben sich hier, am Entstehungsort unseres Chores eingefunden. Die Wiedersehensfreude ist groß und unsere Darbietungen werden mit herzlicher Begeisterung aufgenommen

Am Sonntagmorgen – fahren wir zurück nach Hermannstadt, mit spontanem Halt in Großau (Cristian). Wieder daheim in der Evangelischen Akademie, bereiten wir uns für unser Abschlusskonzert in der Johanniskirche vor; draußen stürmt und hagelt es – und das gerade jetzt, nach Tagen sengender Hitze – das rettende Taxi bringt uns heil zur Kirche.

Für die Hermannstädter Seele ist die Johanniskirche ein besonderer Ort, der wehmütig-schöne Kindheitserinnerungen aufkommen läßt. Hier fanden sich einst unsere Familien zu den feierlichen Gottesdiensten ein.

Trotz des heftigen Gewitters kommt ein zahlreiches Publikum, welches uns für unsere Lieder begeistert dankt. Gewaltig erklingt der große Gemeindechor beim gemeinsam angestimmten Gaudeamus igitur und der Zugabe: Dona nobis pacem.

Im Publikum saßen viele bekannte Persönlichkeiten – ehemalige Lehrkräfte, Freunde, Kollegen. Sogar unser Chauffeur – der aus Rășinari stammende Radu – kam mit Frau und seinen drei Kindern.

Natürlich war dieses Konzert der Höhepunkt unserer Reise, dem wir alle entgegengefiebert haben. Wir hatten das Gefühl, dass die Freude und Hingabe in unserem Gesang von unserer lieben Dirigentin Marianne Seiwerth Galbács hier noch stärker beflügelt wurde und unser Publikum erfasste.

Eine Cantora

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Musik.