Teufelsmusiker reiten wieder

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Fanfare Ciocărlia mit neuer CD

Ausgabe Nr. 2920

Fanfare Ciocărlia feat. Adrian Raso: THE DEVIL RIDES AGAIN. Näheres, Hörbeispiele und Bestellungen unter: https://orcd.co/the devilridesagain oder www.asphalt-tango.de

„The Devil Rides Again” (Der Teufel reitet wieder), nennt sich die neue CD der längst nicht nur bei Insidern bekannten Roma-Blechbläser von Fanfare Ciocărlia. Unterstützt wurden die aus einem kleinen Dorf in Nordostrumänien Stammenden dabei von dem kanadischen Musiker Adrian Raso. Und tatsächlich entsteht durch diese interkulturelle Liaison zwischen dem unüberhörbaren Spirit des Balkans mit der filigranen Art der Moderne des Rockjazzers ein pittoresk-explosiver Klangteppich. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den Umstand, dass alle Titel instrumental sind.

Oftmals wirken die Melodien melancholisch verträumt. Ja, als ultimative Einladung, um ausgedehnte Reisen ohne konkreten Zielpunkt anzutreten. Klar, gefühlsbeladen ist das seit Anfang Mai vorliegende Angebot durch und durch. Irgendwie wirkt alles aber auch als tönende Vision über eine recht prickelnde plus pulsierende Welt, wo man Probleme mithilfe des Sounds erst einmal hinter sich lassen kann. Als Gesamtkunstwerk ist es so eine Art Worldmusik, welche aufmuntert und fast überall einsetzbar ist. Wir als Konsumenten begegnen beispielsweise – nachdem sich zuvor die eher urbanen folkgetränkten Töne verdichteten – plötzlich der Erbmasse von Steve Winwood.

Fanfare Ciocărlia feat. Adrian Raso: THE DEVIL RIDES AGAIN. Näheres, Hörbeispiele und Bestellungen unter: https://orcd.co/the devilridesagain oder www.asphalt-tango.de

Der langjährige Frontmann von der Spencer Davis Group kreierte einst „I`m a Man“. Die hier zu entdeckende Version wirkt frisch wie ehedem. Geeignet als unausgesprochene musikalische Einladung zum Verweilen. Trotzdem entpuppt sich der Ausflug in die Rockgeschichte doch nur als kurze Rast. Voller Hingabe wird nämlich gefühlte dreieinhalb Sekunden danach mit mehreren Titeln das Lebensgefühl Süditaliens (beispielhaft der Song „Tarantella Noir“) regelrecht zelebriert. Besondere Akzente setzt das kurz zuvor auf der CD geparkte „Blue Drag“, ursprünglich eine Kreation von Django Reinhardt. Besonders jetzt spürt der hörende Betrachter kulturelle Überschneidungen. Wuchs doch dieser Musiker unter prekären Verhältnissen am Rande von Paris auf und gehörte nicht zur Mehrheitsgesellschaft. Spätestens beim „Transylvania Twist“ erreichen wir den Ausgangspunkt unserer Fahrt durch die Welten des Balkanblues, Jazz und Rockabilly. Endlich sind wir allesamt in einem verschlafenen balkanischen Ort angekommen. Angeblich weit weg von allem, was wirklich Spaß bereitet. Aber genau hier wurden die Aufführenden vor fast 30 Jahren entdeckt und enterten dann ungeniert plus hochmotiviert en masse Konzertbühnen fast aller Kontinente unseres Planeten. Nebenbei traf die Crew irgendwann einen Kanadier, der bei dieser Produktion weit mehr als nur kurze Zwischenspiele lieferte. An all das darf man gern denken, wenn die Titel loshüpfen, um mentale Nähe zu den Fans zu suchen… Die CD ist bei Asphalt Tango erschienen.

In Hermannstadt konzertiert die Fanfare Ciocărlia am 28. August im Erlenpark im Rahmen des Focus in the Park-Festivals.

Roland BARWINSKY

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Musik.