Streiflichter vom Kronenfest am Peter-und-Paulstag in Kerz
Ausgabe Nr. 2918

Vier Jugendliche aus Kerz trugen die mit Labkraut und Eichenblättern geschmückte Krone bei dem Umzug durch die Gemeinde. Foto Beatrice Ungar
„Johannisblumen gibt es nicht, ich habe auf Google nur Gelbes Waldstroh oder Echtes Labkraut als deutsche Bezeichnung für die im Rumänischen sânziene genannte Blume gefunden”, sagte eine der fleißigen Frauen vom Kerzer Handarbeitskreis beim Herrichten der Krone im Festzelt neben der Ruine der Zisterzienserabtei. Während sie Johannisblumen und Eichenlaub in die Krone flochten, sprachen sie auch über die notwendigen Vorbereitungen für das 24. Kronenfest, das als Bezirksgemeindefest vom Kirchenbezirk Hermannstadt der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien in Zusammenarbeit mit dem Demokratischen Forum der Deutschen in Hermannstadt und der evangelischen Kirchengemeinde Kerz am 29. Juni organisiert wurde und knapp 450 Besucherinnen und Besucher angezogen hat.

Die Jugendlichen aus Kerz stellten den Kronenbaum im Park in der Ortsmitte fast ohne Hilfe selbst auf.
Zum Thema Bezeichnung für die beliebten sânziene, kann man im Ethnobotanischen Wörterbuch (Dicționar etnobotanic) der Rumänischen Akademie nachlesen: Hier werden als deutsche Entsprechungen u. a. angeführt: Gelbes Labkraut, Johannisblume, Johannisgürtel, Unser Frauen Bettstroh, Johannisgekräutig. Tatsache ist, dass der Name Johannisblume mit der Blütezeit dieser Pflanze zusammenhängt. Sie blüht nämlich um den Johannistag, dem Tag von Johannes dem Täufer, herum. Im Rumänischen gibt es auch die Bezeichnung Floarea lui Sînion (die Blume des Heiligen Johannes).

Kronenbezwinger Radu Pop begrüßt alle aus der Krone.
Das diesjährige Kronenfest fiel allerdings auf den Tag von Peter und Paul. Dementsprechend gab es im Gottesdienst, der pünktlich um 12 Uhr begann, eine Überraschung. Zunächst begrüßte wie gewöhnlich mit viel Witz und Charme Ortspfarrer Michael Reger alle Anwesenden. Die Schriftlesung übernahmen Dechant Dietrich Galter und der Heltauer Stadtpfarrer Zorán Lásló Kézdi.

Warten auf den Bonbonregen. Fotos: die Verfasserin
Die beiden Geistlichen führten sodann, wahrscheinlich auch inspiriert von dem in Hermannstadt an diesem Tag schließenden Internationalen Theaterfestival, eine dialogische Predigt auf. Galter verkörperte Petrus, Kézdi Paulus. Passend hatten sie sich jeweils unter die entsprechenden Kleinplastiken aufgestellt, die am Altar in Kerz die beiden Apostel darstellen.

Dechant Dietrich Galter (links) und Stadtpfarrer Zorán Lászlo Kézdi bei der dialogischen Predigt. Links im Gestühl sitzt Pfarrer Michael Reger.
Zum Schluss gab es Applaus. Schließlich war das ja ein Rollenspiel gewesen und dementsprechend ein Theaterstück, bei dem geklatscht werden muss. Der Beifall war eine spontane Reaktion auf den Dialog, bei dem die Apostel, wie Pfarrer Reger in seiner humorvollen Art feststellte, sich gegenseitig beweihräucherten. Das gehöre bei den Siebenbürger Sachsen einfach dazu, schlussfolgerte Reger. Für die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes sorgte der Heltauer Kirchenchor unter der Leitung der Stadtkantorin Cosmina Barna, die auch den Gemeindegesang an der Orgel begleitete. Beifall gab es auch für die Träger der Krone und die Neppendorfer Blaskapelle, für den flinken Kronenbezwinger Radu Pop. Die Kinder freuten sich besonders über die Süßigkeiten, die anschließend aus der Krone geworfen wurden. Bestens vorbereitet waren die Viertklässlerinnen von der erstmals bei diesem Fest anwesenden Agnethler Tanzgruppe Tanzfreude (Leitung Anamaria Socea), die ihre Schürzen hielten, um die Bonbons aufzufangen.

Vor der malerischen Kulisse des ehemaligen Zisterzienserklosters traten die Tanzgruppe der Lehrerinnen und die Tanzgruppe der Brukenthalschule auf.
Im Anschluss boten diese Tanzgruppe gemeinsam mit der Lehrerinnentanzgruppe (Leitung: Laura Părăian und Bianke Grecu) und die der Brukenthalschule (Leitung: Bianke Grecu) zunächst einen Aufmarsch und danach separat oder gemeinsam siebenbürgisch-sächsische Volkstänze.
Beatrice UNGAR