Tanz und Musik für aktive Friedensförderung

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Organisator Volker Reiter über die 20. Auflage des ProEtnica-Festivals in Schäßburg
Ausgabe Nr. 2882

Volker Reiter am Mikrofon der 20. ProEtnica-Auflage. Foto: ProEtnica

Alle 20 nationalen Minderheiten aus Rumänien waren auf dem interkulturellen Festival ProEtnica vom 28. August bis 1. September d. J. in Schäßburg vertreten – und das nun zum 20. Mal seit der ersten Auflage im Jahr 2000. Fünf Tage voller Spaß mit unterschiedlicher Musik, Volkstänzen, Trachten, Sprachen, aber auch Diskussionsrunden. Die ethnische und kulturelle Vielfalt Rumäniens konnte man hier hautnah und authentisch erfahren. Volker Reiter, der Leiter des dortigen Interethnischen Kultur- und Jugendbildungszentrums und Organisator des Festivals zieht in einem Interview mit HZ-Praktikant Andreas S i e n z Bilanz – über die diesjährige Ausgabe und generell.

 

Was ist als Organisator Ihre Bilanz der diesjährigen Ausgabe?

Dieses Jahr hat das Festival fünf statt wie sonst vier Tage gedauert. Es gab dementsprechend ein sehr großes Programmangebot und es verlief wunderbar harmonisch. Soweit ich mitbekommen habe, waren alle sehr zufrieden.

Gab es außer der Verlängerung sonst noch Extras zur 20. Auflage?

Es war ja die 20. Auflage im 24. Jahr. Wie schon zuvor war Staatspräsident Klaus Johannis Schirmherr des Festivals. Sonst war es wieder eine großartige Atmosphäre – wie immer eigentlich. Es gab jetzt eigentlich kein außerordentliches Programm, ein 20. Hochzeitstag zum Beispiel ist ja auch nicht unbedingt besonders.

Zurück in die Vergangenheit: Wie haben Sie damals im Jahre 2000 das ProEtnica-Festival aus der Taufe gehoben?

Ich bin ja 1998 als Kulturassistent des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) nach Schäßburg gekommen. Danach hat das Auswärtige Amt Gelder des Stabilitätspakts Südosteuropa auch für Projekte in Rumänien freigegeben. Ich habe das Festival als Vorschlag eingereicht und in der Antwort hieß es, das Projekt sei „teuer, aber gut“. Angefangen hat alles unter dem Namen „Festival der nationalen Minderheiten Rumäniens“. Der Name wurde im Laufe der Jahre immer wieder verändert – bis zum heutigen Namen ProEtnica.

Was hat Sie damals motiviert? Oder was motiviert Sie immer noch?

Es geht primär nicht unbedingt darum, das Brauchtum der nationalen Minderheiten zu bewahren, das können sie auch selbst machen. Vielmehr sollen die Minderheiten in den gemeinsamen Dialog und zu einer Interaktion kommen. Darin sehe ich ein großes Potential zur Vermeidung von Konflikten. Mit den 20 anerkannten Minderheiten in Rumänien haben wir die Ressourcen, um aktive Friedensförderung zu betreiben. Diese Ressourcen wollen wir auf dem Festival nutzen.

Wie sieht die rumänische Mehrheitsgesellschaft das Festival?

Ich habe nur sehr sehr selten negative Äußerungen zu hören bekommen. Ich meine, das Festival findet jetzt seit über 20 Jahren statt und es wird auch von den Rumänen sehr gut angenommen. Zumindest ausgehend von dem, was ich mitbekomme.

Wie kommen Sie mit den vielen Minderheiten in Kontakt?

Nach der langen Zeit, in der das Festival existier, haben wir viele Kontakte in einer Datenbank – mittlerweile koordinieren wir das sogar über eine App und schreiben den Minderheitsverbänden direkt. Wichtig ist, dass von unserer Seite keine Zensur stattfindet: Jeder kann das machen, was er will. So gab es dieses Jahr ganze 19 Tanzgruppen, und wir haben für 750 Teilnehmer 1.400 Abendessen organisiert, nur um mal ein paar Zahlen zu nennen.

Das Festival besteht ja nicht nur aus Tanz, Musik und Kunst. Was hat es mit den Diskussionsrunden auf sich?

Es gibt neben dem Festival immer einen wissenschaftlichen Teil, die interkulturelle Akademie, als eigenen Part. Das hat in diesem Jahr auch das Departement für interethnische Beziehungen der rumänischen Regierung gefördert. Dabei wollen wir besonders auf die Themen der jugendlichen Minderheitsangehörigen eingehen.

Wie können sowohl die Diskussionen als auch die lockeren Veranstaltungen Vorurteile abbauen?

Da ist das Festival eine wichtige Komponente, denn die Besucher kommen meistens für das Programm, wir haben aber eben auch die Akademie, Kunstausstellungen und vieles mehr. Wir wollen damit zeigen, wie wir die Gegenwart, oder vielmehr die Zukunft, friedlich gestalten können. Mit unserem Medienecho sind wir damit auch ziemlich erfolgreich: Sehr viele Medien berichten darüber, das rumänische Fernsehen war da und hat einen 75-minütigen Beitrag gemacht. Die Bilder werden im Fernsehprogramm der Minderheiten das ganze Jahr über verwendet. So erreichen wir eine noch viel größere Zielgruppe als mit dem Festival selbst.

Wie sieht es nächstes Jahr aus? Laufen die Planungen schon?

Natürlich, nach dem Spiel ist ja bekanntlich vor dem Spiel. Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr alles ein bisschen früher schaffen. Das Programm soll zwei Monate vorher stehen, nicht wie in diesem Jahr einen Monat. Dadurch können wir noch mehr Werbung machen. Das Programm wird wahrscheinlich ähnlich bleiben, da sind die Minderheiten nicht allzu progressiv. Wir werden versuchen, da mehr in die Tiefe zu gehen als in die Breite – also die bestehenden Programmpunkte weiter verbessern.

Vielen Dank für das Gespräch!

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Gesellschaft, Persönlichkeiten.