Autofrei ist der Schillerplatz attraktiver

Das Street Delivery-Festival feierte am Wochenende seine dritte Auflage 

Ausgabe Nr. 2681

Das Festival Street Delivery feierte am Wochenende seine dritte Auflage. Unser Bild: Eine  tolle Atmosphäre herrschte trotz Schutzmaske am Samstagabend beim Konzert der Hermannstädter Band „Suburbia 11“.                  Foto: Cynthia PINTER

Was können uns die Straßen der Stadt bieten? Sind es bloß Abstellplätze für unsere Autos? Immer mehr Städte drängen das Auto zurück, um wieder mehr Platz für die Menschen zu schaffen. Das passiert auch in Hermannstadt Schritt für Schritt, Meter für Meter. Der Große Ring, die Heltauergasse und seit fast einem Jahr ist auch der Huetplatz eine autofreie Zone. Dafür kämpft nicht nur das Bürgermeisteramt Hermannstadt sondern auch verschiedene NGO’s und Festivals. Eines davon ist Street Delivery, das heuer zum dritten Mal unter dem Motto „ReSolutii“ am Wochenende vom 10. bis 12. Juli am Schillerplatz und an der Kreuzung Armbrustergasse/Str. Arhivelor und Wintergasse/Str. Timotei Popovici stattfand.

 

Anstelle der Autos wurden Sitzgelegenheiten und Tische aus Paletten, sowie Sitz-Polster aufgestellt. Ziel sei es, mehr Platz für Fußgänger und Fußgängerinnen, Radfahrer und Radfahrerinnen zu schaffen und den öffentlichen Raum attraktiver zu gestalten.

Die Musik von ,,Suburbia 11″ lud viele Jugendliche zum Tanzen ein.                                Foto: Cynthia PINTER

Das Festival, das schon etwas länger in Bukarest erfolgreich stattfindet, zog auch in Hermannstadt einige Besucher und Besucherinnen an. Alle Grundregeln des Covid 19-Alarmzustandes wurden eingehalten: Beim Eingang wurde die Temperatur gemessen und Name, sowie Telefonnummer aller Teilnehmer notiert. Schutzmasken auf dem Festivalgelände waren natürlich ein Muss. Die Jugendlichen hielten sich auch erstaunlich gut dran. Herunter kam die Maske nur zum Trinken, was einem ein Gefühl der Sicherheit gab.

Am Rand der abgesperrten Straßen luden Sitzgelegenheiten zum Plaudern ein, jedoch mit Einhaltung der Regel, nur vier Personen auf einmal. Bei einem Besuch auf dem Areal des Festivalgeländes fiel die Installationskunst auf.

Schon im Generalloch  hingen von dem Gewölbe die als Wunderbaum bekannten Lufterfrischer, die symbolisch für frische, saubere, abgasfreie Luft standen. Street Art gab es auch zu bewundern. Die Künstler Alexandra Stoica und Andrei Popa bastelten ein buntes Herz aus Papierstückchen, in der Art der „Street Invaders“-Straßenkunst und befestigten es an eine Hauswand.

Von den Bäumen und Straßenschildern am Schillerplatz hingen motivierende Sprechblasen aus Pappe. Darauf stand zum Beispiel „Totul va fi așa și așa“, deutsch „Alles wird so und so sein“. Einen ständigen Protest hielt der Verein „Fridays For Future“ unter dem Motto „Klimanotstand“ (Urgența climatică) und hängte Plakate mit „Solution Not Pollution“ oder „There Is No Planet B“ aus. Als Zeichen für die Naturverbundenheit bekam man auch beim Verlassen des Festivals ein kleines Körbchen mit einem Basilikumpflänzchen geschenkt. Am Nebentisch konnte man für das Projekt „Grădina Urbană“ verschiedene Samen pflanzen.

Das Organisatorenteam um Monika Tompos (auf dem Klappstuhl links) beim Gruppenfoto in der Armbrustergasse.

Hauptattraktionen waren die zeitlich festgelegten Programmpunkte, die auch die meisten Zuschauer anzogen. Am Freitagabend konnte man der Hermannstädter Staatsphilharmonie unter der Stabführung von Simona Strungaru lauschen, die Filmmusik und nicht nur zum Besten gab. Hits wie „Under The Bridge“ von den Red Hot Chili Peppers, „The Pink Panther Theme“ von Henry Mancini, „Game Of Thrones Theme“ von Ramin Djawadi oder zu Ehren des vor kurzem verstorbenen Ennio Morricone das Lied „Chi Mai“. Die Dirigentin bat die Kinder im Publikum um Hilfe und ließ sie eine Zeit lang dirigieren, was den Kleinen großen Spaß bereitete. Im Anschluss an das Konzert wurden drei Filme projiziert: „Street Delivery ReSoluții“, „Na, totul Disney“ von George Roșu und „Casa mea“ von Jiri Stejskal.

Am Samstagabend betraten die Hermannstädter von „Suburbia 11“ die Bühne und sangen sich in die Herzen der jungen Zuschauer. Sie boten eine Mischung aus Ska, Raggae und Punk und der Frontmann Claudiu Fălămaș, heizte mit seinen Luftsprüngen und Tänzen die Atmosphäre auf. Der letzte Festivaltag ging mit klassischer Musik und einem Cello-Konzert von Makcim Fernandez Samodaiev am Sonntag, dem 12. Juli, zu Ende.

Das autofreie Wochenende am Schillerplatz und das Festival „Street Delivery“ waren ein voller Erfolg. Die Organisatoren um Monika Tompos – Mitarbeiterin bei der Zeitschift Capital Cultural und gewesene Praktikantin bei der Hermannstädter Zeitung – hoffen im nächsten Jahr ein größeres Festival ohne Covid-19-Maßnahmen und mit noch mehr Projekten und Partnern veranstalten zu können. Bis dahin wird alles „so und so“ sein.

Cynthia PINTER

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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