Das älteste Fresko Siebenbürgens?

In Heltau wird an der Freilegung eines 800 Jahre alten Freskos gearbeitet

Ausgabe Nr. 2676

Die Restaurierungsarbeiten an der Kirchenburg in der Stadtmitte von Heltau sind sowohl außen als auch innen in vollem Gange. Archäologen, Restaurateure und Bauarbeiter sind hier fleißig am Werk und lassen hoffen, dass die Kirche bald wieder für alle Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde A. B. Heltau und für Touristen geöffnet sein wird.Foto: Cynthia PINTER

Eine Überraschung folgt der anderen in der romanischen Basilika in der Heltauer Kirchenburg. Die größte Überraschung, die von den Archäologen und Restaurateuren gelüftet wurde, ist, dass sich im gesamten Innenraum der evangelischen Kirche unter dem Putz ein mittelalterliches Fresko aus dem 13. Jahrhundert befindet, das gerade unter größter Sorgfalt freigelegt wird. Das Fresko ist sowohl im Chorraum als auch im Mittelschiff der Kirche sichtbar und gilt den Fachleuten zufolge als ältestes Fresko Siebenbürgens.

Die Archäologen und Restaurateure arbeiten hier im Rahmen des EU-Projekts „Reparatur und Konservierung der Heltauer Kirchenburg und deren Einführung in das touristische Angebot der Region“. Der Finanzierungsvertrag dafür wurde Ende April 2017 unterzeichnet, der erste Spatenstich erfolgte am 3. März 2019, die Bauarbeiten am 4. März 2019.

Auf dieser freigelegten Malerei sind mit freiem Auge fünf Heiligengestalten erkennen – darunter zentral im Bild die Jungfrau Maria -, die sich über Jesus Christus beugen, der vor ihnen liegt.                      Foto: Cynthia PINTER

Eine ganz besonders schöne Malerei ist an einem der Pfeiler zu erkennen. Man kann mit freiem Auge fünf Heiligengestalten erkennen – darunter zentral im Bild ist die Jungfrau Maria – die sich über Jesus Christus beugen, der vor ihnen liegt. Der Stil, in dem die biblische Darstellung gemalt wurde, ist leicht festzustellen. Der Verzicht auf Raumtiefe, die klaren Umrisslinien, die ausdrucksstarke Gebärdensprache der Figuren und deren Proportionen lassen auf den Stil der Romanik schließen. Die Kirchenmalerei ist entstanden, indem Farbe direkt auf den noch feuchten Putz aufgetragen wurde. Beherrschte man diese Technik nicht perfekt, konnte es passieren, dass Putz beziehungsweise Farben nicht hielten. Das mag auch ein Grund dafür sein, dass weltweit relativ wenige romanische Fresken erhalten sind. Auch das Fresko in Heltau ist genau deswegen eine Rarität und von großer kunstgeschichtlichen Wichtigkeit. Während der Reformationszeit wurde die romanische Malerei übertüncht. So ist auf der Südwand des Mittelschiffes eine neuere Inschrift zu erkennen, die nach der Reformation entstanden ist. Noch wird fleißig an der Freilegung des Freskos gearbeitet. Das Team, das unter der Leitung des Freskenrestaurators Kiss Loránd arbeitet, hat noch viel zu tun. Die ersten Resultate werden wohl erst gegen Ende des Jahres bekannt gegeben, denn noch muss alles freigelegt und als Ganzes analysiert und restauriert werden. Laut Kiss Loránd könnte das Fresko in der evangelischen Kirche in Heltau das älteste in Siebenbürgen sein.

Bei den Restaurierungsarbeiten im Innenraum der Heltauer evangelischen Kirche kamen romanische Kirchenmalereien zum Vorschein. Das Fresko ist Spezialisten zufolge im 13. Jahrhundert entstanden und wurde zum ersten Mal nach der Reformation im 16. Jahrhundert übertüncht. Unser Bild: Ein Blick in die Kirche lässt wahrnehmen, wie viel Arbeit den Restaurateuren noch bevorsteht. Erst müssen die Wände freigelegt und analysiert werden und dann folgt die eigentliche Restauration, alles unter der Leitung von Kiss Loránd.Foto: Cynthia PINTER

Auch außerhalb der Kirche gehen die archäologischen Grabungen weiter. Ende August 2019 begannen die archäologischen Forschungsarbeiten.

Zum Forschungsteam gehören Prof. Dr. Ioan Marian Țiplic (Forschungsleiter), Dr. Maria Crângaci Țiplic, Dr. Corina Hopârtean, Dr. Alexandru Cioltei und Oana Dichel sowie zeitweilig Volontäre von der Lucian Blaga-Universität Hermannstadt.

Erste Ergebnisse der archäologischen Grabungen in der Heltauer Kirchenburg stellte am 26. Februar 2020 im Rahmen eines Gemeindeabends im Heltauer Kultursalon Dr. Maria Crângaci Țiplic vor. (Die Hermannstädter Zeitung berichtete darüber in der Ausgabe Nr. 2663 vom 6. März d. J. unter dem Titel „Geheimnisse der Heltauer Kirche“).

Damals schlussfolgerten die Forscher, dass es eine kleinere Kirche oder Kapelle in der Nähe der jetzigen Kirche gegeben haben muss, und dass die romanische Basilika im 13. Jahrhundert auf dem Areal eines alten Gräberfelds erbaut wurde.

Zur Zeit wird eine Mauer freigelegt, die beinahe parallel zur Grundmauer der Kirche läuft. Die Archäologen sind noch am rätseln, worum es sich dabei handeln könnte. Die Mauer besteht aus Steinen, Ziegeln und Mörtel. Fest steht, dass die genannte Mauer älter als die Kirche selbst ist. Mehr Informationen werden ans Tageslicht kommen, wenn die Archäologen einen Querschnitt zur Kirche ausgraben werden. Es bleibt weiterhin spannend, die archäologischen Grabungen in der Heltauer Kirchenburg zu verfolgen.

Cynthia PINTER

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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