Von Mauer zu Mauer hüpfen

Neue, unbekannte Sportarten (V) / Von Cynthia PINTER

Ausgabe Nr. 2669

So kann ein Hindernisparcours aussehen.                    Foto: LDA Partners

Fußball, Basketball, Box, Tennis, Schwimmen oder Eishockey. Das sind einige der bekanntesten Sportarten der Welt. Aber es entstehen immer wieder neue Sportarten. Meistens sind es Abwandlungen alter Sportarten, manchmal aber auch total neue Disziplinen. In dieser Reihe stellen wir einige der im letzten und diesen Jahrhundert erschienenen Sportarten vor. Heute geht es um Parkour.

 

Schwerelos von Mauer zu Mauer hüpfen, über Autos und Geländer springen und scheinbar mühelos Bäume und Fassaden emporklettern. Das sieht man, wenn man auf Youtube im Suchfeld das Wort „Parkour“ eingibt. „Le Parkour“ ist eine in Frankreich entstandene Bewegungskunst und Philosophie, die man auch L ́art du déplacement, also die Kunst der Fortbewegung nennt und als deren Begründer der Franzose David Belle gilt.

2013 zeigten die Jungs von „Parkour Oradea“ beim „Huet.Urban“-Festival auf dem Huetplatz in Hermannstadt,  wie Parkour-Bewegungen funktionieren.                                                          Foto: Mara ILIESCU-DĂRĂMUȘ

Das Ziel der als Traceur bezeichneten Anhänger stellt die möglichst reibungslose, schnelle und gleichzeitig flüssige Überquerung von Hindernissen bei einem Lauf von einem selbst gewählten Startpunkt zu einem selbst gewählten Ziel dar. Dabei werden Bänke, Mauern, Zäune, Garagen, Autos und Häuser übersprungen oder überklettert, immer auf der Suche nach der perfekten Linie. Hierzu setzen sie keinerlei Hilfsmittel ein, sondern überqueren alle sich ihnen in den Weg stellenden Hindernisse nur mit Schnelligkeit, Körperkraft und Geschicklichkeit. Bewegungsfluss und  -kontrolle stehen dabei im Vordergrund. Parkour wird deshalb auch als „Kunst der effizienten Fortbewegung“ bezeichnet.

Parkour ist nicht wettbewerbsfähig. Es kann auf einem Hindernisparcours durchgeführt werden oder wird in der Regel in einer kreativen Neuinterpretation eines urbanen Raumes praktiziert.

Entwickelt wurde Parkour von Raymond Belle, seinem Sohn David Belle und anderen Leuten in den späten 1980-er Jahren.

Wie bei vielen anderen Sportarten gibt es Grundtechniken, die der Traceur erlernt und für sich perfektioniert. Im Gegensatz zu vielen Trendsportarten besitzt im Parkour jedoch nicht jede Technik-Hindernis-Kombination einen eigenen Namen. Die Methode, wie das Hindernis am besten zu überwinden ist, entsteht aus der Interaktion mit dem Hindernis selbst. Die verwendeten französischen Begriffe bezeichnen dementsprechend jeweils nur eine Grundtechnik, die in der Ausführung stark an das jeweilige Hindernis angepasst wird. Wichtig dabei ist der Grundgedanke, das Hindernis so schnell und flüssig wie möglich und doch nur mit minimalem Aufwand zu überwinden, ohne dabei die Kontrolle über die Bewegung zu verlieren. Überflüssige Drehungen werden als hinderlich angesehen und eher beim „Freerunning“, einer aus dem Parkour resultierenden Sportart, genutzt.

Eine der Bewegungen ist die „Roullade“ (Rolle). Die Rolle wird nach Sprüngen eingesetzt, um die Fallenergie zu transferieren, um über Objekte zu rollen oder auch um auf oder über Objekte zu springen, wie beispielsweise bei einer Hechtrolle. „Passement“ (Überwindung) sind jene Bewegungen, die benutzt werden, um ein Hindernis zu überwinden. Eine oft genutzte Variante ist das Passement Rapide. Es können dazu nicht nur Hände, sondern auch Beine und Unterarme benutzt werden. Wichtig ist, dass das Aufsetzen der Hand auf dem Hindernis erst nach dem Absprung erfolgt, denn sie soll nicht als Drehpunkt oder zur Schubgewinnung dienen, sondern lediglich den Sprung stabilisieren und die Landung in der korrekten Position gewährleisten.

In Rumänien und auch in Hermannstadt konnte man in den vergangenen Jahren Jugendliche in manchen Parks und auch rund um den Thalia-Saal beim Parkour-Training beobachten. Im Juni 2013 führten die Jungs von „Parkour Oradea“ erstmalig im Rahmen des Festivals „Huet.Urban“ Parkour-Akrobatik auf dem Huetplatz vor (siehe Foto oben).

Auf Facebook gibt es unter „Parkour Romania“ die neuesten Informationen zu Veranstaltungen im Land.

Cynthia PINTER

 

 

 

 

 

 

 

 

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