Nicht nur für Vegetarier…

Bio-Produkte liegen langsam auch in Rumänien immer mehr im Trend

Ausgabe Nr. 2667

Der Diplom-Agronom Albert Wilhelm (im Bild in der Lagerhalle der Firma mit einer Flasche Olivenöl aus Spanien) hat die Firma Biogama Distribution vor zehn Jahren gegründet, als es in Rumänien noch keinen Markt für Bio-Produkte gab.                                              Foto: Biogama Distribution

Veganern und Vegetariern sind die Bioprodukte des deutschen Unternehmens Rapunzel Naturkost schon längst bekannt und für umweltbewusste Konsumenten inzwischen auch kein Geheimnis mehr. 1974 gründeten Joseph Wilhelm und Jennifer Vermeulen eine Selbstversorger-Gemeinschaft mit kleinem Naturkostladen auf einem Bauernhof im bayerischen Augsburg. Vor zehn Jahren gründete Albert Wilhelm – der Bruder von Joseph Wilhelm – in Michelsberg die Firma Biogama Distribution, die den Vertrieb der Rapunzel-Produkte in Rumänien übernommen hat. Zur Zeit haben – durch die Corona-Krise bedingt – die Angestellten alle Hände voll zu tun, denn Online-Käufe sind jetzt die beste Alternative.

Mit Andi Bota, dem Manager des rumänischen Unternehmens, sprach über die Firma und diesen Markt die HZ-Redakteurin Ruxandra S t ă n e s c u.

 

Sie sind zur Zeit sehr beschäftigt.

Das ist eine sehr schwierige Zeit. Wir verkaufen zwar besser, können uns aber darüber natürlich nicht freuen, denn da ist diese traurige Seite. Uns ist auch klar, nach jedem Hoch kommt auch ein Tief… Wir müssen sehen, wie es weiter geht.

Gegründet wurde Biogama Distribution vor zehn Jahren. Wie waren die Anfänge?

Albert Wilhelm, der Agronom ist und diesen Bereich sehr gut kennt, hat Biogama Distribution gegründet, als es in Rumänien noch keinen Markt für Bio-Produkte gab. Die Anfänge waren also eher schwierig, es gab sehr wenige Kunden. Die meisten waren – wie heute noch  – Vegetarier. Unsere Firma hatte ein langsames und gesundes Wachstum, die Kaufkraft in Rumänien hat zugenommen und die Menschen haben begonnen, auf ihre Gesundheit zu achten. Immer mehr Menschen hier leisten sich nicht nur teurere Urlaubsreisen, sondern achten auf die Lebensqualität.

Was für Produkte bieten Sie an?

Zur Zeit bieten wir nicht nur Lebensmittel von berühmten Bio-Produzenten aus Deutschland an, sondern auch andere Produkte, wie zum Beispiel Waschmittel und Kosmetika. Im Laufe der Jahre haben wir uns Rechenschaft gegeben, dass für diese Zielgruppe mehr anzubieten ist. Natürlich ist alles bio und umweltfreundlich, da gibt es nämlich unterschiedliche Standards, die noch nicht so bekannt sind und wir versuchen oft, diese zu erläutern. Die Waschmittel, die wir verkaufen, sind umweltfreundlich und müssen bestimmten Standards entsprechen. Kosmetika, die zur Pflege der Haut angewendet werden, haben natürlich andere Zertifizierungen, auch hier sind ein Teil der Inhaltsstoffe in Bio-Qualität. Die Zertifizierungen der Lebensmittel sind natürlich total unterschiedlich, weil wir sie essen.

Sie sagten, Ihre Firma ist gewachsen.

Ja, begonnen haben wir mit 300-400 Produkten, jetzt haben wir über 1.700 im Angebot. Wir sind übrigens eine der wenigen Gesellschaften, die nur Bio-Produkte verkauft. Wir haben uns entschieden, mit den wichtigsten Firmen in Deutschland zusammen zu arbeiten. Begonnen hat alles mit Rapunzel-Produkten, da die beiden Firmenbesitzer Brüder sind, wir sind aber hier in Rumänien lediglich die Händler der deutschen Produkte. Übrigens, Biogama Distribution ist eine rumänische Gesellschaft mit rumänischem Kapital. Aus dem Top 25 der größten Bio-Produzenten arbeiten wir mit zwölf davon.

Außerdem hat die Firma mit einem Mitarbeiter begonnen, jetzt sind es zehn.

Blick in die Lagerhalle der Firma Biogama Distribution.
Foto: Biogama Distribution

Arbeiten Sie auch mit rumänischen Produzenten? Sie bieten zum Beispiel einen rumänischen Wein an.

In Rumänien gibt es mehrere Bio-Produzenten. Als die Firma vor zehn Jahren gegründet wurde, gab es hier wenige, deswegen haben wir mit deutschen Firmen gearbeitet, die uns die gewünschte Qualität liefern konnten. Die rumänischen Produzenten waren sehr klein, hatten ein ganz kleines Portfolio. Im Laufe der Jahre hat sich in Rumänien dieses Segment entwickelt, leider verkaufen die großen Produzenten ihre Ware im Ausland, diese bleibt nicht im Inland. Der rumänische Wein-Produzent kann seine Ware noch nicht völlig in Rumänien verkaufen, weil er eine sehr große Produktion hat, deswegen wird er auch von RapunzelDeutschland verkauft und ist dementsprechend auch bei uns zu finden. Das freut uns sehr, denn dieses Produkt gefällt uns sehr gut. Der Wein entspricht nämlich den Standards und hat auch eine sehr gute Qualität, ist sehr geschmackvoll und das ist sehr wichtig für unsere Bio-Produkte.

In Rumänien gibt es aber große Produzenten für Getreide, Samen, Früchte, Gemüse, aber fast alles wird im Ausland verkauft. Zum Beispiel werden die Früchte an große Fruchtsafthersteller in Deutschland und in Österreich verkauft. Inklusive Produkte aus der freien Natur – wie zum Beispiel die Waldbeeren – werden exportiert. Einiges wird auch in Rumänien hergestellt, unter anderem gibt es einen sehr guten handgemachten Senf aus Bio-Senfkörnern, denn auch dieses Segment entwickelt sich, auch wenn es noch nicht Schritt halten kann mit den europäischen Ländern. Rumänien ist ein Land, das viel mehr Bio-Produkte anbieten könnte, in sehr guter Qualität.

Würden Sie also auch mit rumänischen Firmen arbeiten?

Ja, natürlich, so lange sie unsere Standards respektieren und beweisen, dass sie ein seriöses Unternehmen sind und unseren Werten entsprechen.

Welche Produkte verkaufen Sie in Rumänien am besten?

Das ist natürlich unterschiedlich, von Region zu Region, und außerdem natürlich auch saisonbedingt. Kurz vor den Feiertagen verkaufen wir sehr gut die Süßigkeiten. Wir haben übrigens eine sehr gute Schokolade, in der Schweiz und in Italien produziert. Die Schokolade ist vegan, ohne Milch, so dass wir auch die Vegetarier erreichen. In der Fastenzeit verkaufen wir auch sehr gut, denn die meisten unserer Produkte sind ja vegan und entsprechen sehr gut dieser Zeit. Kichererbsen, Bohnen, Mais gehen sehr gut, aber auch Säfte und die Brot-
sorten. Für jeden Bereich haben wir natürlich auch einen Top aufgestellt.

Was haben Sie jetzt in diesen letzten Wochen besser verkauft, wo die Corona-Krise so große Auswirkungen hatte?

Wir verkaufen sehr gut, was sich auch in den anderen Läden verkauft: Maismehl, Mehl, Öl, Pasta, Reis – die Basisprodukte. Auch die Kekse, die länger halten, haben wir gut verkauft. Uns hätte es gefreut, wenn die Menschen auch Produkte mit großer Energie gewählt hätten, wie die Energieriegel.

Haben Sie selber Import-Probleme?

Wir hatten natürlich einige Probleme, denn die Krise ist weltweit, sodass einige Produzenten selber vielleicht einen Engpass durchmachen und auf die Reserve zurückgreifen müssen. Wir haben aber jetzt 75-80 Prozent unseres Angebotes gedeckt. Was in zwei Wochen oder einem Monat sein wird, können wir jetzt noch nicht sagen.

Wo haben Sie die meisten Kunden?

Unsere Ware ist bio und wird importiert, deswegen sind unsere Preise natürlich ein bisschen größer. Wir bekommen Bestellungen aus dem ganzen Land, hauptsächlich kommen aber die meisten Kunden aus größeren Städten, aus Universitätszentren, mit vielen Arbeitsplätzen, wo die Lebensqualität größer ist und die Menschen mehr Geld haben, wie Temeswar, Bukarest, Kronstadt, Hermannstadt… Natürlich bekommen wir Bestellungen aus dem ganzen Land, die Städte haben aber die Nase vorn.

Verkaufen Sie nur an Endkunden oder auch an andere Firmen?

Wir sind Verteiler und haben uns  viele Jahre nur an den Reseller gewendet. Seit einigen Jahren wenden wir uns auch an Privatpersonen, durch unsere Online-Läden – www.rapunzel.ro und www.biogama.ro. Wir bedienen also beide Segmente. Zur Zeit arbeiten wir zusammen mit 250 Läden, die unsere Produkte weiter verkaufen.

Haben Sie Konkurrenz auf dem Markt?

Natürlich haben wir Konkurrenz und das ist gut so. Wir wünschen uns eine starke Konkurrenz, denn dadurch wird der Markt entwickelt und auch geschult, das kann uns nur freuen und helfen. Wir helfen uns quasi gegenseitig.

Haben Sie sich überlegt, auch einen Laden zu eröffnen? 

Ja, wir hatten diesen Plan. Wir haben aber gesehen, dass die Läden derzeit fast alle schließen mussten und wir haben diese Idee für eine Zeit beiseite gelegt. Wir sind zur Zeit darauf fokussiert, so gut wie möglich mit unserem Reseller zusammen zu arbeiten und so professionell wie möglich alle Bestellungen zu bedienen.

Haben Sie persönlich ein Lieblingsprodukt?

Ich denke, was Süßes… wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, dann würde ich einen Kokos-Riegel wählen.

Herzlichen Dank für das Gespräch..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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