,,Gedacht und gemacht worden“

Der Hamelner Journalist und Krimi-Autor Ulrich Behmann las in Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2655

 

Der Autor Ulrich Behmann (links) präsentierte gleich zwei Bücher: ,,Dezembertod“ und die von Nadia Badrus erstellte rumänische Fassung seines Erstlings ,,Novemberwut“. Die Lesung moderierte die HZ-Chefredakteurin Beatrice Ungar.                                               Foto: Gerhard DEEKEN

Der deutsche Journalist und Autor Ulrich Behmann hat kurz vor Weihnachten 2019 im Erasmus-Büchercafé im Friedrich Teutsch-Kultur- und Begegnungszentrum in Hermannstadt sein neuestes Buch „Dezembertod“ vorgestellt. Vor genau einem Jahr hatte er seinen Debüt-Roman „Novembertod“ auch in Hermannstadt vorgestellt, die Hermannstädter Zeitung berichtete in der Ausgabe Nr. 2650/15. Dezember 2018 (https://www.hermannstaedter.ro/2018/12/das-leben-schreibt-die-grausamsten-geschichten/) darüber.

Die HZ-Redakteurin Ruxandra S t ă n e s c u sprach mit dem Chefreporter der Deister- und Weserzeitung (DEWEZET).

 

Sie haben vor einem Jahr „Novemberwut“ in Hermannstadt vorgestellt, inzwischen gibt es da eine Neuigkeit…

Ja, im April 2019 ist „Novemberwut“ im Schiller-Verlag in Hermannstadt auf Rumänisch erschienen („Furie în noiembrie“, rumänische Fassung: Nadia Badrus) und die gleiche Entwicklung hat das Buch auch in Bulgarien gemacht, dort heißt es „Wut“. Mittlerweile ist also „Novemberwut“ in drei Ländern herausgekommen.

Kurz zur Erinnerung, worum geht es in „Novemberwut“?

„Novemberwut“ ist ein Doku-Krimi, also eine Nachzeichnung eines authentischen Falles, es geht um den sogenannten Schleifmordversuch von Hameln. Dort hat ein Mann versucht, weine Frau auf ganz besonders brutale und grausame Art und Weise ums Leben zu bringen, in aller Öffentlichkeit, eine Art öffentliche Hinrichtung. Diese  Tat ist mit Abscheu und Entsetzen aufgenommen worden, nicht nur in Deutschland, auch in aller Welt – die New York Times hat berichtet, sowie der New Zealand Herald.

Als Sie voriges Mal in Hermannstadt waren, ging es dem Opfer nicht so gut. Haben Sie jetzt Neuigkeiten?

Mann kann sicherlich sagen, dass die Frau auf dem Weg der Besserung ist, aber physisch und psychisch sind das doch sehr schwere Einwirkungen auf ein Opfer, das in diesem Fall überlebt hat. Sie wird noch lange damit zu tun haben und noch lange daran leiden.

Sie haben inzwischen ein zweites Buch geschrieben. Worum geht es in dem Psychothriller „Dezembertod“?

„Dezembertod“ ist ein ganz besonderes Buch, weil hier die Fiktion auf die Realität trifft, oder umgekehrt. Es geht um einen Serienmörder, einen Psychopaten, der Frauen ermordet, auf verschiedene Art und Weise. Deswegen ist es schwer, erstmals diesen Täter zu fassen. Normalerweise haben Täter gleiche Verhaltensmuster, dann ist es einfach, auf sie zu kommen. Manchmal probieren sie aber aus, und in diesem Fall ist das so, dass dieser Täter auch noch übt, um seinen Phantasien in die Tat umzusetzen. Das Besondere an diesem Buch ist, dass das, was von diesem Täter gedacht wird, wovon er träumt und was er letztendlich tut, aus den kranken Gehirnen von echten Mördern entstammt. Das ist nicht eine reine Phantasie von mir, sondern leider ist das alles schon einmal gedacht und gemacht worden.

Ulrich Behmann: Dezembertod. Psychothriller, inspiriert von wahren Kriminalfällen. CW Niemeyer Buchverlage GmbH, Hameln, 2019, 448 Seiten, ISBN 978-3-8271-9505-0.

Ist es nicht schwierig, über solche Taten und Täter zu berichten?

Ja, es ist schwierig, wenn man über solche Fälle berichtet. Am Anfang, wenn ein Mordopfer gefunden wird, das auf besonders brutale Art und Weise getötet worden ist, überlegt man sich, wer der Täter sein könnte, wie er aussehen könnte, und man kann sich leicht vorstellen, dass das ein Monster ist.  Wenn der Täter gefasst wird, dann  stellt man plötzlich fest, dass es ein Mensch wie du und ich ist, ein  Allerweltsgesicht, manchmal ein Milchbubi… Es ist sehr selten, dass ein Mörder diese Vorstellung von einem Monster verkörpert, wie man ihn sich vorgestellt hat.

Sie haben jetzt ein November- und ein Dezemberbuch geschrieben, geht es mit Januar weiter?

Es kann sein, dass es ein neues Buch gibt, wenn der Verlag es möchte. Eine Idee gibt es, eine spannende Handlung auch. Die Tathandlung wird wieder in Deutschland spielen, aber es wird auch eine Spur geben, die in Richtung Balkan geht.

Sie haben zu dem Balkan eine besondere Beziehung….

Zur Zeit sind wir mit meiner Hilfsorganisation „Interhelp“ in Bulgarien aktiv, aber auch in weiteren sechs Ländern auf drei Kontinenten, und ich kenne mich mittlerweile ganz gut aus, habe viele Freunde da. Aber auch zu Rumänien habe ich viele Verbindungen, viele Erinnerungen, denn die Revolution 1989 hat mich nach Kronstadt geführt. Dort habe ich auch für die Zeitung berichtet, habe aber auch Hilfe organisiert, über viele Jahre hinweg, und dort haben sich auch Freundschaften gebildet. Über viele Jahre war ich dann nicht mehr in Rumänien, habe dann aber 2015 als Berater für humanitäre Angelegenheiten die Innenpolitiker des Niedersächsischen Landtages auf eine Reise durch Bulgarien und Rumänien begleitet, und so bin ich nach Hermannstadt gekommen. Ich muss wirklich sagen, das ist eine sehr schöne, und feine Stadt mit sehr netten und tollen Menschen, und ich bin froh gewesen, dass ich 2018 vom Deutschen Kulturzentrum eingeladen worden  bin, mein Buch „Novemberwut“ vorstellen zu dürfen und ich freue mich sehr, dass ich jetzt im Erasmus-Büchercafé „Dezembertod“ vorstellen durfte.

Sie sind Journalist, Autor und haben auch eine humanitäre Organisation. Wie passt das zusammen?

Mein Leben ist sicherlich aufregend: Wenn ich morgens aufstehe, weiß ich nicht, was mich erwartet, und das ist auch etwas, was mein Berufsleben ausmacht. Es ist spannend ist toll, dass ich Vieles bewegen kann. Der Beruf des Journalisten ist für mich Berufung und das Schreiben von Krimis ist sicherlich auch viel Arbeit, aber auch Abwechslung von diesem Beruf, denn man schreibt als Buchautor anders als als Journalist für eine Zeitung. Gott sei Dank habe ich eine Familie, eine gute Frau und einen tollen Sohn, der mir nacheifert, und das ist es eigentlich, was mir Rückhalt gibt. Meine Frau Claudia ist für mich eine Stütze, hält mir den Rücken frei und mein Sohn Leo zeigt viel Verständnis dafür, dass ich manchmal nicht da bin.

Herzlichen Dank.

 

 

 

 

 

 

 

 

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