,,Stoppt die Vernichtung!“

Neuauflage eines Buches von August Roland von Spiess

Ausgabe Nr. 2645

Die Neuauflage (links) und die Erstausgabe des Buches (rechts). Die rumänische Ausgabe ist 1942 im Verlag Fundația Regală pentru Literatură și Artă (Königliche Stiftung für Literatur und Kunst) unter dem gleichen Titel erschienen. Das deutsche Originalmanuskript wurde 2015 in dem Melsungener Verlag Neumann-Neudamm unter dem Titel ,,Aus Siebenbürgen zum Kilimanjaro. Jagden in Afrika“ herausgegeben.
Foto: Beatrice UNGAR

,,Zwei Millionen Hektar Wald sind der menschlichen Gier und dem übertriebenen Krämergeist zum Opfer gefallen, durch die der stolze Wald zu einer öden Fläche wurde. Der leichte Humusboden des ehemaligen Waldes wird ausgewaschen, Chausseen, Äcker, Weiden werden mit Schotter bedeckt, aus dem Boden erwachsen leere Felswände, das Grün des Waldes wird Karst, wüst und traurig. Ich war entsetzt, als ich in diesem Herbst sah, wie der Fuß der Berge verschlammt, wie die Bäche sich vertiefen und wie die Gefahr von Überschwemmungen von Jahr zu Jahr wächst. Erwacht, Ihr Patrioten und Bürger, die Ihr diesem schönen Land verbunden seid! Stoppt die Vernichtung Eurer herrlichen Wälder und ihrer schönsten Zierde: der Tierwelt!“

Diese erschreckend aktuellen Zeilen hat Hofjagddirektor Oberst August Roland Spiess von Braccioforte zu Portner und Höflein (1864-1953) 1934 in der Zeitschrift ,,Die Karpaten“ veröffentlicht. Auch in dem dritten Buch, das in der Reihe ,,Vânători de odinioară/Jäger von einst“ im Honterus-Verlag erschienen ist, geht es dem Namensgeber des Jagdmuseums in Hermannstadt um den Respekt für die Natur. Diesmal jener in Afrika. 1936 erfüllte Spiess sich im Alter von 72 Jahren einen Traum: Er besuchte endlich Afrika und zwar das Tanganyika-Gebiet, das sich damals unter britischem Mandat befand. Es gefiel ihm dermaßen gut, dass er sich 1938 erneut auf die damals doch sehr beschwerliche Reise gemacht hat. Bei seinem ersten Aufenthalt in Afrika hatte er sich der Betreuung und Beratung der deutsch-britischen Farmerin Margarete Trappe (1884-1957) erfreuen dürfen und das hatte ihn wohl motiviert, es ein zweites Mal zu versuchen. 1938 ging es Spiess nicht so gut, sein englischer Guide war nämlich nur darauf aus, bedeutende Trophäen zu ergattern, von Elefanten, Nashörnern oder einem Krokodil und seine Übersetzerin machte ihm das Leben schwer, wie er in seinen Tagebuchaufzeichnungen klagt.

Alexandru Constantin Chituță, Abteilungsleiterin Rodica Vonica und die Enkelin des Autors, Dr. Helga Stein (v. l. n. r.), bei der Buchvorstellung am Donnerstag der Vorwoche im August von Spiess-Jagdmuseum.              
Foto: Beatrice UNGAR

Kurzum: Das reich bebilderte Buch des Hofjagddirektors hat es in sich und bei dessen Lektüre werden wohl nicht nur Jäger ihre Freude haben, darf man sagen. Spiess hatte ja an der Ausarbeitung des Jagdgesetzes, das 1922 in Kraft getreten war, mitgearbeitet, ebenso hatte er sich für die verschiedenen Notwendigkeiten und Möglichkeiten des Naturschutzes Rumäniens eingesetzt. So beobachtete er zum Teil erfreut, zum Teil auch kritisch die  Entwicklung in Tanganyika, wie sie das englische Game Departement ausarbeitete.

Beatrice UNGAR

 

 

 

 

 

 

 

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