Adrenalinrausch und mehr

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5 Tage Offroad Abenteuer: RedBull Romaniacs 2019

Die Freude am Mitmachen ist Leni Binder (Maschine Nr. 624) regelrecht ins Gesicht geschrieben (hier beim Prolog). Foto: Dragoș DUMITRU

Leni Binder ist die diesjährige RedBull Romaniacs in der Iron Klasse mitgefahren und hat sich damit einen großen Traum erfüllt. Sie ist die erste Hermännstädterin, die sich eine Iron-Class-Finisher Medaille hart erkämpft hat. Im Folgenden berichtet Sie von den fünf Tagen:

Inspiriert von weltweit bekannten Offroad-Motorradrennen wie der Dakar Rallye oder der Roof of Africa hat sich die RedBull Romaniacs in den letzten 16 Jahren zu einem der begehrtesten Rennen im (Hard) Endurosport etabliert. Bekannt als die weltweit schwierigste Hard Enduro Rallye, ist es der Traum eines jeden Hobbyfahrers oder Profis, mindestens ein Mal bei diesem Rennen dabei zu sein und seine/ihre Fähigkeiten auf die Probe zu stellen. 

Ende Juli/Anfang August fand somit die RedBull Romaniacs rund um Hermannstadt erneut statt. Die Rallye brachte Fahrer und Fahrerinnen aus rund 50 Ländern an den Start, die während der fünf Renntage knapp 500 Kilometer unwegsames Gelände, Forstwege, Ziehwege, Geröllhalden und ab und an Strecken querfeldein zurücklegen mussten.

Das Rennen begann mit einem künstlich angelegten Hindernisparcours im Stadtzentrum von Hermannstadt, dem so genannten Prolog, der erstmals auch live auf RedBull TV weltweit übertragen wurde. Die vier Rennkategorien (Gold, Silber, Bronze, Iron) gingen jeweils getrennt an den Start und überwanden mit ihren Maschinen Baumstämme, Lkw-Reifen, Felsbrocken, Rampen und Eisenbahnschienen: ein wahrliches Spektakel nicht nur für die Zuschauer.

Beim Endurosport geht es jedoch nicht nur um Adrenalinrausch und Motorenklang. Es bedarf weitaus mehr Fähigkeiten, als lediglich am Gashahn zu drehen. Konzentration, Ausdauer, Reaktionsfähigkeit, Kraft und das stete Lesen des Terrains, auf dem man sich bewegt sind Mindestvoraussetzung, um erfolgreich ein Rennen vom Kaliber Romaniacs ins Ziel zu fahren. 

Die größte Herausforderung hierbei ist die Natur selbst, die durch plötzliche Regenfluten aus seichten Hängen schier unpassierbare Strecken erzeugt und durch die verschiedensten Wetterverhältnisse maßgeblich den Verlauf des Rennens beeinflusst und die Nerven der Fahrer an die Grenzen bringt. Der Reiz ist dennoch da: im Mittelpunkt steht die unzähmbare und atemberaubende Natur, daneben der Mensch mit seinem Motorrad, seinem Ehrgeiz und einer gehörigen Portion Waghalsigkeit. 

Mit Geschick erklimmen die Fahrer steilste Hänge, wo es selbst für Zuschauer schwierig wird, gerade zu stehen und stellen sich danach rasanten Abfahrten, die einem die Knie zum schlottern bringen. Hard Enduro ist nicht immer ein Einzelsport: wenn es manchmal doch daneben geht helfen sich die Fahrer gegenseitig und nehmen Rücksicht aufeinander, schließlich haben alle ein gemeinsames Ziel: dieses Abenteuer unversehrt zu überstehen und ins Ziel zu fahren. 

Erstmals in der Geschichte der RedBull Romaniacs schaffte es eine Frau in der Gesamtwertung (Iron Klasse, in der ich auf Platz 58 gelandet bin) auf das Podium: die Deutsche Anna Schmölzl sicherte sich mit 21 Minuten Vorsprung vor ihren männlichen Gegnern den Sieg und brachte die Menge zum Staunen. Außerdem bewies sie zu Recht, dass es im Endurosport nicht nur um Muskelkraft geht und dass dieser Sport nicht mehr vollkommen männerdominiert ist.

Anna Schmölzl hatte in ihrer Klasse mit 110 überwiegend männlichen Konkurrenten zu kämpfen und hatte am Ende die Nase vorne! Die Siegerin der Iron Class erklärte nach dem fünften und letzten Wettkampftag: ,,Es war heute ein sehr schweres Rennen. Ich bin froh, dass ich es nach einem sehr anstrengenden und langen Tag in den Bergen ins Ziel geschafft habe. Es hat wirklich alles für mich gepasst. In drei Wochen werde ich mich einer Knieoperation unterziehen, die mich ungefähr ein halbes Jahr lang aus dem Geschehen nehmen wird. Aber wenn alles gut läuft, komme ich nächstes Jahr wieder und probiere die Bronze Class aus.“

Leni BINDER

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