Viele Gemeinsamkeiten entdeckt

Erasmus+-Projekt zur Multiethnizität für deutsche und rumänische Jugendliche

Ausgabe Nr. 2634

Theatervorführung in Kronstadt.                             
Foto: Privat

Im Rahmen des Projektes „Vielfalt erleben! Multiethnizität neu gedacht” fand eine  deutsch-rumänische Jugendbegegnung in Rumänien statt. Renate Krekeler-Koch (Ludwig Wolker e.V.  Berlin), Paul Binder (Honterus Alumni Club) und die Kulturreferentin für Siebenbürgen Heinke Fabritius begleiteten die 19 Jugendlichen aus Deutschland und Rumänien und sprachen mit der stellvertretenden HZ-Chefedakteurin Ruxandra S t ă n e s c u über das Projekt.

 

Worum geht es im Projekt?

Heinke Fabritius: Es geht hauptsächlich darum, Jugendlichen aus Rumänien und Deutschland die Vielfalt in Rumänien näher zu bringen.

Wie kam es zu diesem Projekt?

Heinke Fabritius: Das Projekt ist ein bisschen auf meine Initiative hin entstanden, ich habe mir überlegt, dass ich als Kulturreferentin für Siebenbürgen gerne Jugendprojekte fördern will und habe nach Projektpartnern gesucht und habe mich an den katholischen Ludwig Wolker-Verein e.V. Berlin gewendet.

Renate Krekeler-Koch: Frau Fabritius hat dann ihre Kontakte in Rumänien aktiviert und so sind wir an Familie Binder gekommen und haben gemeinsam das Projekt für Erasmus+ geschrieben.

Wie wurde das Projekt finanziert?

Renate Krekeler-Koch: Der größte Teil wurde durch Erasmus+ finanziert, „Jugend in Aktion“ ist ihr großes Begegnungsprogramm, es gibt aber eine Kofinanzierung von der Beauftragten für Kultur und Medien der Stadt Greifswald und die Teilnehmer haben auch einen kleinen Beitrag bezahlt.

Welches sind die Ziele?

Paul Binder: Das größte Ziel unseres Projektes war, eine Theatervorstellung vorzubereiten. Die Jugendlichen haben in Klausenburg, Kronstadt, Bukarest und Katzendorf die Vielfalt in der Stadt und auf dem Land erlebt, Eindrücke gesammelt, Theaterübungen gemacht und letztendlich am 14. Juli ein Theaterstück in Kronstadt vorgestellt.

Renate Krekeler-Koch: Ein weiteres Ziel ist es, dass die Jugendlichen sich begegnen und voneinander lernen, – meine Welt mit deinen Augen sehen – wie ich das so gerne nenne. Auch die Jugendlichen aus Rumänien werden auf dieser Reise, auch wenn es ihre Heimat ist, bestimmt viel Neues erfahren haben, dadurch, dass die deutschen Jugendlichen Fragen gestellt haben.

Heinke Fabritius: Mir ist es wichtig gewesen, dass die Jugendlichen aus Deutschland nicht dem Kreis der Siebenbürger Sachsen angehören, die durch familiäre Bindungen bereits Vorwissen über Siebenbürgen haben, sondern eher Jugendliche, die mit Rumänien nicht unbedingt in Verbindung gekommen wären.

Wie wurden die Jugendlichen ausgewählt?

Paul Binder: Hier in Kronstadt haben wir eine sehr aktive Theatergruppe, die sich „Punkt“ nennt, wir haben uns gefreut, ihnen eine Reise anbieten zu können.

Renate Krekeler-Koch:In Deutschland gab es eine freie Ausschreibung, über die Netzwerke der Katholischen Kirche und der Jugendarbeit, es war eine offene Gruppe, die sich gar nicht kannte.

Was hat den Teilnehmern am besten gefallen?

Renate Krekeler-Koch:Ich denke, am besten hat ihnen die Begegnung untereinander gefallen, dass sie wirklich von morgens bis abends zusammen gewohnt und gearbeitet haben. Diese intensive Theaterarbeit als Gruppe mit den beiden Regisseurinnen Mirona Stănescu und Tanja Freitag hat ihnen besonders gefallen. Ein i-Tüpfelchen war trotz Regen das Leben in der Kirchenburg von Katzendorf.

Wie hat Ihnen Rumänien gefallen?

Renate Krekeler-Koch: Es hat uns allen sehr gut gefallen. Die  deutschen Jugendlichen haben sich sehr herzlich aufgenommen gefühlt, sie fanden es ganz toll, in Kronstadt drei Tage bei den Gastfamilien zu wohnen, den Alltag kennen zu lernen. Von der Landschaft und der Natur sind sie auch total begeistert… von den Straßen mal abgesehen… Die Städte waren auch sehr vielfältig. Wichtig war, dass die rumänischen Teilnehmern deutsch sprechen, auch wenn es für die Deutschen dann unexotisch war.

Wie geht es weiter mit dem Projekt?

Renate Krekeler-Koch: Der zweite Teil findet im Oktober in Berlin statt. Die rumänischen Teilnehmer werden für zehn Tage nach Deutschland kommen. Dort wollen wir auch eine kleine Reise machen, von Berlin über Potsdam bis Greifswald und Stralsund.

Sind solche Projekte für die Jugendlichen wichtig?

Renate Krekeler-Koch: Diese außerschulische Bildungsarbeit, die wir machen, ist ein ganz wichtiger Faktor für uns, dass wir Theater quasi als Methode genutzt haben, um einen roten Faden durch das Treffen zu ziehen. Das war nicht nur kulturelle, sondern auch politische Bildung, und dass die Jugendlichen aus Rumänien und Deutschland die gleichen Meinungen teilen, ist ein Mehrwert. Es war sehr gut, dass es die Möglichkeit gab, durch Theater diesen „common sense“ und „common groud“ zu entdecken. Die Jugendlichen konnten sich emotional und körperlich einander näher kommen durchs Theaterspielen, und das  bei zwei wirklich hervorragenden Theaterpädagoginnen, deren  Namen ich noch einmal sagen möchte – Tanja Freitag aus Deutschland und Mirona Stănescu aus Rumänien. Ohne die beiden wäre das sehr schwer geworden, das war eine sehr schöne Kooperation.

Vielen Dank.

 

 

 

 

 

 

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