Hunderttausendfache Begeisterung für das Buch

286.000 Besucher und 3.400 Veranstaltungen auf der Leipziger Buchmesse 2019

Ausgabe Nr. 2618

Die diesjährige Leipziger Buchmesse vom 21. bis 24.März konnte einen neuen Besucherrekord melden.  
Foto: Roland BARWINSKY

Hunderttausendfache Begeisterung für das Buch, spannende Autorenlesungen und Podiumsgespräche und nicht zuletzt das 15. Jubiläum des Pop-Verlages, eines feinen Nischenanbieters konnte man auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse erleben. Besonders hervorzuheben ist im Zusammenhang mit der rumänischen Literatur, dass gleich zwei Übersetzungen von Werken rumänischer Autoren – Liviu Rebreanus Roman Wald der Gehenkten“ (Pădurea spânzuraților) in der Neuübersetzung von Georg Aescht und Gabriela Adameșteanus Verlorener Morgen“ (O dimineață pierdută) in der deutschen Fassung von Eva Ruth Wemme für den Übersetzerpreis nominiert worden waren.

Die diesjährige Leipziger Buchmesse meldete neue Rekorde. Vom 21. bis 24. März zählten die Veranstalter 286.000 Besucher. Für Faszination sorgte zugleich Europas größtes Lesefest. Auf dem Messegelände sowie in der ganzen Stadt wurden auf 3.400 Veranstaltungen die Novitäten des Frühjahrs vorgestellt. Gastland war dieses Mal Tschechien. Ein weiterer Programmschwerpunkt bildete die  Premiere des neuen Programmschwerpunktes der Bundeszentrale für politische Bildung Deutschlands unter dem Titel „The Years of Change 1989-1991. Mittel-, Ost- und Südosteuropa 30 Jahre danach.“

Eginald Schlattner zeigt dem Verfasser bei einem Besuch im Rothberger Pfarrhaus seine jüngste Veröffentlichung: „Wasserzeichen“.
Foto: Roland BARWINSKY

Unter den 2.547 Ausstellern aus 46 Ländern befand sich auch der Pop-Verlag aus Ludwigsburg. Besonderheit: Dieser literarische Anbieter feierte sein 15. Gründungsjubiläum. Der aus Rumänien stammende Verleger Traian Pop Traian legte erwartungsgemäß seine Prioritären auf die facettenreichen Entwicklungen in Mittel-und Osteuropa. Bei einer von ihm organisierten Lesung reflektierten beispielsweise Autoren aus sieben verschiedenen Ländern das Jahr 1989. Johann Lippet erwies sich dabei als detailverliebter Multiplikator des Lebens der Banater Schwaben. Er selbst stammt aus dieser Volksgruppe und konnte somit eigene unverfälschte Innenansichten statt schlecht strukturierter Distanzbeschreibungen anbieten.

„Man verlasse den Ort des Leidens nicht, sondern handle so, dass die Leiden den Ort verlassen“, wusste Eginald Schlattner. Der inzwischen 85jährige Autor aus dem siebenbürgischen Rothberg war nicht anwesend. Trotzdem wurde sein jüngstes, im Pop-Verlag erschienenes Buch „Wasserzeichen“ thematisiert. Fazit: Es eignet sich bestens als eine inhaltlich brillante Brücke zwischen Nationen, Kulturen, Sprachen und Religionen im multiethnischen Rumänien, aber auch zwischen Ost und West.

 

Die fünfte Dorfschreiberin aus Katzendorf in der Nähe von Kronstadt hatte das Privileg quasi druckfrisch ihre Aufzeichnungen über die eigene Zeit dort öffentlich zu machen. Moderiert wurde diese Präsentation nun von Gert Weisskirchen, einem langjährigen SPD-Politiker mit reichhaltiger Bundestagserfahrung. Nur einige Stunden blieben ihm vorab, um sich mit dem vorliegenden Werk näher zu beschäftigen. Wie es ihm gelang, die inhaltlichen Schwerpunkte inklusive die Rolle der Hauptpersonen herauszufiltern, war bemerkenswert. Weisskirchen befragte die Autorin Dagmar Dusil gezielt und diese benannte grundehrlich eigene Befindlichkeiten plus die persönliche Zerrissenheit und das machte als kompaktes Paket richtig Lust auf das von ihr in den letzten Monaten Niedergeschriebene. Sie sagt selbst über diese Zeit in einem ihr vorab unbekannten Teil der eigenen Heimat: „In meinem Dorfschreiberjahr fand ich in Katzendorf und der näheren und weiteren Umgebung Überbleibsel aus der k. u. k. Monarchie, Spuren zweier Weltkriege, Überreste aus dem Kommunismus, Neureiche in protzigen Häusern…“.

Roland BARWINSKY

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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