Eine „gestandene” Banaterin

Interview mit Reiseverkehrskauffrau Ramona Lambing

Ausgabe Nr. 2614

Ramona Lambing.
Foto: Werner FINK

Auf der Worschtkoschtprob“, dem Redaktionsfest der Banater Zeitung,das Mitte Februar in Busiasch stattgefunden hatte, trafen wir die Reiseverkehrskauffrau Ramona Lambing. Als eine echte Banaterin und damit eine Kennerin des hier typischen Geschmacks war sie ein anderes Mal sogar die Jurypräsidentin. Lambing ist seit mehr als 25 Jahren in der deutschen Reisebranche tätig und spezialisierte sich nun auf die Destination Rumänien. In den Büros ihrer Firma PASSAGE Travel Concepts GmbHin Saarbrücken und Temeswar entstehen maßgeschneiderte Gruppen- und Sonderreisen, vor allem für den deutschsprachigen Markt. Mit Ramona Lambing führte der HZ-Redakteur Werner F i n k folgendes Gepräch:

Inwieweit ist Hermannstadt (oder Umgebung) als ein touristisches Reiseziel interessant?

Es ist zweifellos so, dass Siebenbürgen/Transsilvanien mittlerweile auch im Ausland ein Begriff ist. Dass dem so ist, verdankt man meines Erachtens dem Zusammenwirken aller Akteure im Tourismus: Stadt, Kreis, den Kollegen von Reiseveranstaltern, Reiseleitern, aber auch der Weitsicht der Evangelischen Kirche, die Einblick in Kirchenburgen gewährt und auch mit touristischen Marketing-Mitteln zum Erhalt beiträgt. Der Internetauftritt Hermannstadts und Umgebung, gute Werbung, Präsenz auf Fachmessen, innovative Konzepte: Das sind alles Faktoren, die zur nachhaltigen touristischen und wirtschaftlichen Entwicklung beitragen. Meines Erachtens hat man das in Hermannstadt und Umgebung bestens umgesetzt. Ich betrachte dies mit Respekt und Achtung und natürlich auch mit einer gewissen Portion Neid.

Bei vielen unserer Reisen kombinieren wir Banat und Siebenbürgen, oder Banat-Siebenbürgen-Bukowina. Es kommt immer auf die jeweiligen Interessen der Gäste an, da viele unserer Reisen maßgeschneidert auf besondere Anfrage durchgeführt werden. Die Angebote Hermannstadts und Siebenbürgens passen zu vielen Interessen: Kunst und Kultur, Pilgertourismus, Informationsreisen im Agrarbereich; zur Zeit bereiten wir eine Orgelreise für die nächsten Jahre vor: Auch da geht es natürlich nach Hermannstadt.

Wie bereiten Sie sich für Temeswar Kulturhauptstadt 2021 vor?

Wenn ich mit den Tourismusbeauftragten aus Temeswar spreche, heißt es sehr oft: Ja, wir haben ja nicht so viele Sehenswürdigkeiten wie Hermannstadt und Umgebung.

Das stimmt so nicht. Temeswar und das Banat sind eben anders. Es müssen die Besonderheiten herausgestellt werden und touristische Produkte erarbeitet werden, gleichzeitig mit dem Ausbau der touristischen Infrastruktur. So kann man Temeswar und das Banat auch als Gateway to Romania“ bezeichnen und damit werben. Eine Rundreise durch Rumänien kann dort beginnen oder enden. Da habe ich eine ganze Menge an Ideen. Schauen Sie einfach mal in meine Broschüre.

Vor allem muss natürlich auch die Stadt begreifen, dass Werbung gemacht werden muss. Das ist in Temeswar noch nicht umgesetzt, noch fehlt es an einer kohärenten und gezielten Werbung.

Noch wirbt jeder Banater Reiseveranstalter für sich alleine. Ich hoffe, dass dies in Zukunft geändert werden kann, denn der Status als Kulturhauptstadt Europas 2021 muss – ebenso wie in Hermannstadt – mit wirtschaftlichem Auftrieb und nachhaltiger Entwicklung einhergehen.

Mit meinem Unternehmen bin ich in diesem Jahr auf kleineren und regionalen Messen in Deutschland präsent. Ich habe festgestellt, dass diese Präsenz wesentlich effizienter ist, als die Teilnahme an größeren internationalen Veranstaltungen. Die erste Messe fand am 12. und 13. Januar statt, wo ich dem Saarländischen Rundfunk eine Gewinnerreise zur Verfügung stellte: Die Kurzreise beginnt in Hermannstadt und endet in Temeswar.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, wieder nach Rumänien zu kommen und hier als Reiseververkehrskauffrau tätig zu werden?

Seit 1986 betrieb ich mit zwei Kollegen in Saarbrücken ein Reisebüro, das auf Gruppen- und Sonderreisen weltweit spezialisiert war. Einer dieser Kollegen gehörte dem Deutschen Bundestag und der Deutsch-Rumänischen Parlamentariergruppe an. 2006 beschlossen wir, ein Reisebüro in Rumänien zu eröffnen, und da nur ich Rumänisch sprach, musste ich mich um dieses Projekt kümmern und einen Standort wählen. Natürlich Temeswar und das Banat, bin ich doch eine „gestandene” Banaterin, die zu Hause und unter Freunden gerne und viel „schwowisch” spricht. Zuerst fast nur mit Outgoing beschäftigt, entdeckte ich Rumänien neu, und die Nachfrage aus meinem Kundenkreis in Deutschland stieg. Als ich vor der Entscheidung stand, das Büro in Saarbrücken zu übernehmen, aber Kollegen sich gegen Rumänien aussprachen, habe ich mich dagegen entschieden und statt dessen das rumänische Büro übernommen und in Deutschland ein eigenes kleines Reiseunternehmen gegründet.  Dieser Schritt war spontan, nicht ganz ohne Risiko, aber mit Sicherheit eine spannende und erfüllende Herausforderung. Ich pendle zwischen Saarbrücken und Temeswar, bin in beiden Ländern zu Hause und – unabhängig in welche Richtung ich reise – mache ich es wie die Saarländer: nix wie hemm!

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

 

 

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