Ein Spießrutenlaufen

Premiere mit „Jerusalem” am Radu Stanca-Theater

Ausgabe Nr. 2614

Szenenfoto mit (v. l. n. r.) Cătălin Pătru, Ioan Paraschiv, Florin Coșuleț und Mihai Roman.                                              Foto: Dragoș DUMITRU

Er sei bei der Inszenierung des Stückes „Ierusalim“ von Jez Butterworth „durch die Hölle gegangen“, sagte der Regisseur Bogdan Sărătean. Für die Premiere-Besucher am Samstag war es ein echtes Spießrutenlaufen wobei ihnen nahezu unentwegt deftige Flüche um die Ohren schwirrten, zweideutige Bemerkungen, sexistisches Gelaber allenthalben.

Der Autor des Stückes wollte damit einen Einblick gewähren in die britische Unterwelt, in das Reich der Ausgestoßenen, der Marginalisierten, der Gestrandeten, wo sich alles um Drogen und Sex dreht. Die Hauptgestalt ist Johnny Byron, genannt Der Hahn“, ein notorischer Drogendealer, der selbst auf Drogen ist und für seine Umwelt eine tickende Zeitbombe darstellt.

Byron fühlt sich erklärtermaßen abgehängt“ von der Gesellschaft, hängt aber selbst dauernd nur ab mit seinen Freunden, die ihm bloß huldigen und ihm sogar dienen, da er ihnen gratis Drogen zur Verfügung stellt. Der Ausgegrenzte“ kennt keine Grenzen, wenn es darum geht, sich gegen die Gesellschaft und ihre Regeln zu wenden.

Was ihm jedoch alles bedeutet, ist sein Sohn, dem er kurz vor Ende des Stücks mit auf den Lebensweg gibt, er habe Zigeunerblut“ ein seltenes Blut“ und ab und zu spende er davon für gutes Geld… Und kurz danach lässt er alles in Flammen aufgehen, nachdem er eine Räumungsklage der Stadt abgewiesen hat und die Polizei anrückt.

Warum das Stück den Titel Jerusalem“ trägt, dürfte an der Szene liegen, in der Byron und die Mutter seines Sohnes das Wissensspiel Trivial Pursuitspielen und er alle Antworten kennt, bis auf eine: Wie heißt der Komponist der Jerusalem“-Hymne? Hier stockt er. Dem Publikum stockt der Verstand…

Wie immer man es dreht und wendet, es scheint, als ob diese Inszenierung in das Repertoire des Radu Stanca-Theaters aufgenommen worden ist, um den Hauptdarsteller am Ende sagen zu lassen: Verflucht sei der Stadtrat!“ Erschreckend dabei ist: Der Satz war noch nicht verklungen und das Publikum erhob sich schon zum Stehapplaus…

Beatrice UNGAR

 

 

 

 

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