Vorweihnachtliches Zeichen

Diebstahl mit ungewöhnlichem Ausgang an der theologischen Fakultät

Ausgabe Nr. 2606

Claudiu Riemer (links) und Andreas Guță mit dem wiedergefundenen Herd-Ofen.
Foto: Katharina BAUM

Im Gebäude der Protestantisch-Theologischen Fakultät (Schewisgasse 40) war es in den frühen Morgenstunden des 29. November 2018 zu einem Einbruch gekommen. Der Dieb entwendete sowohl den Herd-Ofen, einen Brotbackautomaten als auch diverse Lebensmittel aus der Gemeinschaftsküche. Auf ungewöhnliche Weise gelang es Studenten letzte Woche, einen Teil des Diebesguts zurückzubekommen.

Wie jeden Tag tranken Andreas Guţă und Claudiu Riemer am 10. Dezember 2018 nach dem Mittagessen noch einen Kaffee nahe der Kantine der Lucian-Blaga-Universität. Als Guţă aus dem Fenster blickte, sah er einen Obdachlosen auf einer Bank sitzen. „Wir hatten uns das Video von der Überwachungskamera mehrmals angesehen, und der Kerl trug die gleiche Jacke und die gleiche Mütze und ich wusste sofort: Das ist er“, erklärt Guţă. Um sich ganz sicher zu sein, warteten die beiden Studenten darauf, dass der Mann aufstünde, denn auf dem Überwachungsvideo war deutlich zu erkennen, dass der Dieb mit dem linken Bein humpelte. Als sich der Mann erhob, bestand kein Zweifel mehr: Es war derselbe Mann wie auf dem Video.

„Wir haben überlegt, ob wir die Polizei rufen sollen, denn wir hatten nach dem Diebstahl ja auch Anzeige erstattet. Aber dann haben wir beschlossen, erstmal mit ihm zu reden“, erzählt Claudiu Riemer. Als sie ihn ansprachen, gab sich der Obdachlose zunächst verwirrt und behauptete, nichts von dem Diebstahl zu wissen. „Auch, als wir ihm sagten, dass die Polizei ihn suche, gab er es noch nicht zu. Aber dann hatte Claudiu das schlagende Argument“, berichtet Andreas Guţă und grinst bei der Erinnerung. Riemer erzählt: „Ich sagte zu ihm, dass er von zukünftigen Pfarrern gestohlen habe. Nicht nur die Kamera, auch Gott war sein Zeuge.“

Der Obdachlose konnte den beiden daraufhin nicht mehr ins Gesicht sehen und entschuldigte sich, er habe kein Essen und hätte etwas kochen wollen. Er führte Riemer und Guţă zu seinem Unterschlupf unweit der theologischen Fakultät, wo sie tatsächlich den Herd-Ofen vorfanden und an sich nahmen. „Er musste uns versprechen, nicht mehr in die Nähe der Fakultät zu kommen“, so Guţă. Obwohl das übrige Diebesgut verschwunden bleibt, zog die Fakultät ihre Anzeige zurück, ein vorweihnachtliches Zeichen von Vergebung.

Für die theologische Fakultät kam die Rückgabe des Herd-Ofens gerade noch rechtzeitig: Noch am selben Tag sollte ein neues Gerät angeschafft werden, nachdem sich die im Gebäude wohnhaften Studenten zu Recht beschwert hatten, dass ihnen seit zwei Wochen nur eine Mikrowelle zum Kochen zur Verfügung gestanden hatte.

Katharina BAUM

 

 

 

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