Der Traum vom Frieden

Neues Theaterstück feierte am „Gong“-Theater in Hermannstadt Vorpremiere

Ausgabe Nr. 2600

Paul Bondane als Oldo und Alexandra Șerban als Nama träumen von einer neuen Welt ohne Krieg.                                        Foto: Dragoș DUMITRU

Wie fühlt es sich an, allein auf der Welt zu sein? Auf den Trümmern des eigenen, vom Krieg zerbombten Hauses unter freiem Himmel zu schlafen? Sich aus der Mülltonne von Essensresten zu ernähren? Wird der Krieg jemals enden? Oldo ist ein kleiner Junge, der genau das alles mitmacht. Er lebt im Land der Kriege und wartet darauf, dass sein Vater zurückkommt, der in die Staaten des Friedens geflüchtet ist.

Oldo ist der Hauptheld des Theaterstücks „Regulile jocului“ (Die Spielregeln) von Yann Verburgh, das am Samstagabend, dem 27. Oktober, im Kinder- und Jugendtheater „Gong“, Vorpremiere feierte.

 

Ein aus Jung und Alt gemischtes Publikum wartete im Saal im oberen Stockwerk des „Gong“-Theaters gespannt auf den Beginn der neuesten Inszenierung. Vor zwei Jahren hat der französische Dramaturg und Regisseur Yann Verburgh zum ersten Mal mit dem Schauspielerteam des „Gong“-Theaters zusammengearbeitet. Das Stück hieß „Alice“ und war ein Riesenerfolg.  Damals führte Eugen Jebeleanu Regie. Bei „Regulile jocului“ übernahm der Dramaturg selbst die Regieanweisungen. Kriegsbilder aus Syrien mit allein gebliebenen Kindern inmitten von zerbombten Trümmern dienten Verburgh zur Inspiration. Ein Thema, das niemals an Aktualität verlieren wird, das aber auch schwierig in Szene zu setzen ist, vor allem für ein junges Publikum, wie jenes, das im „Gong“-Theater zu Hause ist. Freigegeben wurde das Stück ab 10 Jahren, doch waren im Publikum wie jedes Mal auch kleinere Kinder anwesend. Anders als erwartet, war kaum Quengelei zu hören.

Oldo, gespielt von Paul Bondane, lernt Aman, interpretiert von Alexandra Șerban auf den Trümmern seines eigenen Hauses kennen. Aman ist, wie sich später herausstellt ein Mädchen, Nama, das sich zuerst als Junge ausgibt, damit es im Geschäft seines Onkels helfen kann. Die beiden Kinder haben den letzten Krieg überstanden und träumen gemeinsam von einer Welt ohne Krieg. Sie erfinden neue Spielregeln für ein perfektes Leben in einer Stadt mit einer Schule, die allen, Jungen und Mädchen, offen ist, mit einem riesigen Freibad mit großen Rutschen, mit Straßen auf denen alle spazieren gehen dürfen, einem Restaurant, das kostenlos Essen anbietet, einer Fabrik, die die Luft säubert und einem Krankenhaus, das jeden behandelt ohne Unterschiede zu machen. Ihre imaginäre Welt wird jedoch schnell zerstört und Nama flüchtet mit ihrer Familie in die Staaten des Friedens, während Oldo zurückbleibt. Die beiden treffen sich nach 5.000 Tagen wieder, sie ist erfolgreiche Architektin, er ist Soldat. Im vom Krieg traumatisierten und gehärteten Oldo findet Nama den kleinen, hoffnungsvollen Jungen für einen Moment wieder. Das Publikum ist zu Tränen gerührt, als sich die beiden Freunde am Ende in den Armen liegen. „Regulile jocului“ ist ein absolut sehenswertes Theaterstück über Krieg, Freundschaft und Phantasie, das Erwachsene, wie Kinder anspricht und berührt.

Cynthia PINTER

 

 

 

 

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