„Wenglor ist bereit für die Zukunft”

Eines der ältesten ausländischen Unternehmen hat die Produktionsstätte erweitert

Ausgabe Nr. 2581

Auf die Fragen der Bürgermeisterin Astrid Fodor (Bildmitte) antworteten Herbert Oprea (rechts) und Rafael Baur (links).    
Foto: Ruxandra STĂNESCU

Als das süddeutsche Familienunternehmen Wenglor2002 in Hermannstadt eine neue Produktionsstätte eröffnete, waren ausländische Investitionen hier so selten, dass viele der Angestellten von Freunden und Bekannten Respekt und Ansehen ernteten. Jetzt erweiterte das Unternehmen in Hermannstadt sowohl das Entwicklungszentrum, als auch die Produktionshalle. Auch die Anzahl der Mitarbeiter soll steigen, was inzwischen allerdings schwieriger ist. 

 

Mit einem Rundgang wurden die Gäste empfangen, bei der Einweihung waren Mitglieder der Familie Baur – die Wenglor-Inhaber -, die Bürgermeisterin Astrid Fodor und Mitarbeiter der Hermannstädter Produktionsstätte.

Rafael Baur, geschäftsführender Gesellschafter, der selber anderthalb Jahre in Hermannstadt gewohnt hat, begrüßte die Gäste: „Wenglorist fast 17 Jahren zu Hause in Hermannstadt, und Wenglorund auch ich haben uns schon immer sehr wohl gefühlt hier”, erklärte er gleich am Anfang, um danach die Firma kurz vorzustellen: „Der Hauptsitz ist in Deutschland, in Tettnang am Bodensee, wo es beinahe so schön ist wie in Hermannstadt”, witzelte er und erntete fleißiges Kopfnicken der Gäste. „Wenglorwurde vor 35 Jahren von meinem Vater gegründet, mittlerweile haben wir in 27 Ländern Niederlassungen. Unser Motto ist ,Wenglor, die innovative Familie‘, und wir haben weltweit über 800 Familienmitglieder. Wir stellen 4.000 verschiedene Produkte her, alles, was die Automatisierungsbranche braucht und haben 16.000 verschiedene Kunden. Wir sagen: Wenglormacht die Welt smarter, wir sind sehr aktiv im Bereich Smart Machines und im Bereich 4.0. Von allen Megatrends, die die Zukunft gestalten werden, besetzen wir Automatisierung,  Digitalisierung, Vernetzung und 3-D.”

Um an der Spitze bleiben zu können, muss man, so der Gesellschafter, sowohl in die Innovation, als auch in die Produktion investieren: „Die Produktionshalle ist so angelegt, dass wir ungefähr die dreifache Menge von 2017 hier produzieren können. Unsere Entwicklung haben wir mit einem hochmodernen Testator ausgestattet, haben neueste Ausstattung eingebaut und ein Viedeokonferenzsystem verbindet die Mitarbeiter in München, in Tettnang, in Russland und in Hermannstadt.  Wenglorist bereit für die Zukunft.“

Dabei ist allerdings eine Zusammenarbeit mit den hiesigen Politikern und Beamten unbedingt erforderlich, so Rafael Baur: „Wir können hier nur weiterhin investieren, wenn wir hier hoch ausgebildete Arbeitskräfte finden. Das wurde in den letzten Jahren immer schwieriger. Hier ist auch die Politik in der Pflicht, aus Hermannstadt einen lebenswerten Ort zu machen, mit bezahlbarem Wohnraum, und sich für weltweit wettbewerbsfähige Ausbildungsmöglichkeiten einzusetzen.”

Der Hermannstädter Generaldirektor Herbert Oprea übernahm das Wort und sprach über die hiesige Produktionsstätte, die zur Zeit über 300 Mitarbeiter zählt, davon wurde ein Drittel im Vorjahr angestellt: „Die Gesellschaft ist zusammen mit der Stadt Hermannstadt gewachsen und so wie die Stadt, wächst sie auch weiterhin. Wir haben einen Umsatz von knapp 20 Millionen Euro, dafür mussten wir etwa zwölf Millionen Sensoren herstellen, rund 250 Sensoren haben wir hier entwickelt und haben lokal über 400 Kunden.”

Das neue Gebäude ist über 4.000 m² groß, die Hälfte davon ist die Produktionsstätte,  über 1.000 m² sind für die Büros und Konferenzzentren gedacht, dazu kommen Räumlichkeiten wie Duschen, Küche und Garderoben, die den Komfort der Mitarbeiter steigern sollen.

Bürgermeisterin Astrid Fodor sagte in ihrer Ansprache: „Wir freuen uns zusammen mit Ihnen, denn wenn eine Firma wie Wenglorihre Produktionsstätte erweitert, ist das für uns ein Zeichen, dass sich die Gesellschaft in Hermannstadt gut fühlt. Als Familie Baur sich entschloss, hier in Hermannstadt eine Produktionsstätte zu eröffnen, wurde bisher hier nichts investiert, weder Arbeit, Energie und Geld, noch insbesondere Leidenschaft. Anfang 2000 kam aber an die Spitze der Stadt ein neuer Bürgermeister mit Vision und Familie Baur hat sich  Rechenschaft gegeben, dass sich hier in Hermannstadt etwas ändern wird. Und es hat sich radikal geändert, es kamen mehrere Investoren mit aus- und inländischen Geldern, die Tausende Arbeitsplätze geschaffen haben, so dass auch das Einkommen der Lokalbehörden gestiegen ist und Investitionen gemacht wurden, von der Infrastruktur und Gesundheit, bis zur Bildung, Kultur und Freizeitgestaltung.”

Nicht zuletzt antwortete die Bürgermeisterin auch Rafael Bauer: „Wir versichern Ihnen, dass der  Wohnungsbau in Hermannstadt sehr stark vorangeht, auch wenn wir die Preise nicht beeinflussen können. Was die Arbeitskraft betrifft, ist das nicht nur ein nationales, sondern auch ein europäisches Problem. Und solange der Lohnunterschied zwischen West- und Osteuropa so groß bleibt, werden unsere Arbeitskräfte nach Westen ziehen, auch in Ihr Heimatland. Wir werden allerdings unseren Job weiter machen und die Stadt immer attraktiver gestalten und entwickeln, so dass Arbeitskraft aus anderen Gegenden nach Hermannstadt kommt und diese Lücke füllt.”

Mit Gratulationen und einem Glas Sekt ging die Einweihungsfeier zu Ende.

Ruxandra STĂNESCU

 

 

 

 

 

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