„Die Entscheidung treffen die Eltern“

Konsul Tischler besuchte die duale Berufsausbildung im Independența-Lyzeum

Ausgabe Nr. 2569

Konsul Hans Erich Tischler und Swantje Kortemeyer im Gespräch mit Adam Crețu, Forstamtschef Rășinari, dem stellvertretenden Direktor Dan Ardelean und Direktorin Mirela Hanea (v. l. n. r.).       Foto: Werner FINK

Vor allem beim Heranziehen von Schülen soll es gegenwärtig noch Schwierigkeiten bei der dualen Berufsausbildung beim Independența-Lyzeum geben, stellte sich heraus im Rahmen des Besuchs des Konsuls der Bundesrepublik Deutschland Hans Erich Tischler und Swantje Kortemeyer, Leiterin des Wirtschaftsdienstes der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Bukarest. „Im ersten Jahr haben wir 2 Klassen mit je 30 Schülern gehabt. Dann ist das Interesse gesunken“, sagte Mirela Hanea, Direktorin des Independența-Lyzeums. Es besteht allerdings die Hoffnung, dass es dieses Jahr wieder einen Aufschwung gibt.

 

In der 2014 ins Leben gerufenen dualen Berufsausbildung im Independența-Lyzeum, wo die Schüler als CNC-Facharbeiter, Elektromechaniker oder als Werkzeugmechaniker ausgebildet werden, gibt es gegenwärtig zwei 10. Klassen und zwei 11. Klassen, jedoch nur eine einzige 9. Klasse.

Die Probleme sind scheinbar vielfältig. Das Interesse sei möglicherweise auch wegen des bis dahin gestellten Rahmen seitens der Unternehmen gesunken. Die Unternehmen hatten eine Selektion vorgenommen, infolge derer nicht mit allen Kandidaten Verträge abgeschlossen wurden, um das Praktikum bei diesen zu machen und um ein Stipendium zu erhalten. „Ich glaube, das hatte eine negative Wirkung auf die Entwicklung des dualen Ausbidungssystem“, meinte Hanea. Die Kandidaten, die nicht selektiert worden sind, seien enttäuscht gewesen und das Ganze soll sich in einer negativen Weise herumgesprochen haben. „Es wäre gut gewesen, wenn wenigstens am Anfang alle ein Stipendium bekommen hätten“, glaubt die Direktorin. Letztes Jahr hat der erste Jahrgang absolviert, wobei von den 38 Absolventen 21 Verträge für Stipendien mit den beteiligten Unternehmen hatten und von diesen 15 sofort angestellt wurden. Zu der Zeit soll es aber noch keine klaren Vorgaben für das duale Ausbildungssystem gegeben haben. Die Unternehmen, die eine gewisse Anzahl von Plätzen beantragen, seien nun laut der gegenwärtigen Gesetzgebung gezwungen, alle diese Schüler zu nehmen.

Ein Problem sei auch das niedrige Kenntnissniveau der Schüler. Die Schüler kommen meist vom Lande, wobei jeder einzelne von ihnen von einer eigenen Geschichte geprägt ist, und diese soll eher eine traurige sein. Es sei sogar vorgekommen, dass Schüler nicht alle Buchstaben des Alphabets kannten. Dies sei eine allgemeine Erscheinung, natürlich nicht an Eliteschulen, aber vor allem an technischen Schulen.

Es sei schwer, Schüler heranzuziehen, auch da diese die einfachsten Lösungen suchen, bemerkte Hanea. Nachdem sie diese Berufsschule absolvieren, wobei sie ein Stipendium von 200 Lei vom Unternehmen sowie 200 Lei vom Staat erhalten, müssen sie sich anstellen lassen. Vor allem ihre Eltern würden es aber vorziehen, es zu umgehen, dass ihre Kinder eine Zeitlang an ein gewisses Unternehmen gebunden werden.

Eine Lösung sieht Mirela Hanea vor allem darin, dass die Eltern direkt angesprochen werden, weil vor allem diese es seien, die im Endeffekt die Entscheidungen treffen. Sie hatte im vergangenen Jahr zwar die Direktoren der Allgemeinschulen angeschrieben mit der Bitte, sie zu kontaktieren, wenn Elternsitzungen stattfinden, um in deren Rahmen den Eltern die duale Berufsausbildung vorzustellen. Ihre Bitte stieß scheinbar nicht auf das gewünschte Gehör. Weiterhin könnten sogar die Arbeiter in den verschiedenen Unternehmen von diesen direkt angesprochen werden. Schließlich handele es sich womöglich auch um deren Kinder.

Ein weiteres Problem sei das aktuelle Schulprogramm, das beispielsweise in der zehnten Klasse nur insgesamt neun Wochen Blockpraktika vorsehe, und außerdem dann wöchentlich je einen Tag oder zwei. Es wurde auf den Wunsch der Unternehmen eingegangen und diese Einzeltage aneinandergereiht, so dass Blockpraktika von insgesamt 20 Wochen entstanden sind. „Meiner Meinung nach müsste man am meisten an den Lehrplänen arbeiten“, unterstrich Hanea. Nötig sei hier nun sogar ein lokal auf Hermannstadt zugeschnittener Lehrplan, der auch offiziell vom Bildungsministerium anerkannt wird. Außerdem müsse das Schulsystem umstrukturiert werden. Neben dem Independența-Lyzeum mit dem Profil Mechanik gebe es noch eine weiteres mit demselben Profil in Hermannstadt. Weder die einen noch die anderen könnten so die Klassen mit Schülern füllen und müssten eigentlich zusammengelegt werden. Weiterhin sei die Anzahl der Plätze bei den theoretischen Lyzeen im Verhältnis zur Anzahl der Absolventen sehr groß, meinte Hanea.

Lobesworte fand die Direktorin u. a. für die eigens für diesen Zweck bei Marquardt eingerichtete Werkstatt, wo die Schüler unter Betreuung eine Fräsmaschine angefertigt hatten und dabei höchst motiviert waren.

Es besteht allerdings Hoffnung, dass es in diesem Jahr besser gehen wird. Continental hat nun eine ganze Elektromechanikklasse mit 25 Plätzen beantragt und man sei im Gespräch, nun gemeinsam dafür zu werben. Bis jetzt soll die Schule größtenteils allein Werbung gemacht haben.                       Werner FINK

 

 

 

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