Das ist mein Traumberuf

Wie ich vom 11. Gebot zur Hermannstädter Zeitung gekommen bin

Ausgabe Nr. 2567

Die erste Ausgabe des „Schülerblatts des Lehrerseminars Hermannstadt“: „Das 11. Gebot. Du sollst Lehrer werden!“ im Jahr 1994.

„Wie kamst du eigentlich zur HZ?“, fragte mich neulich eine Bekannte, nachdem ich ihr erzählt hatte, dass die Hermannstädter Zeitung am 25. Februar ein halbes Jahrhundert alt wird. „Eigentlich sollte ich Lehrerin werden“, antwortete ich ernster als ich hatte klingen wollen. Jedenfalls war dieses das Motto der Schülerzeitung Das 11. Gebot, die in den 1990-er Jahren am Pädagogischen Lyzeum „Andrei Șaguna“ in Hermannstadt herausgegeben wurde, und in der ich die Chance hatte, regelmäßig Beiträge zu veröffentlichen. Nach dem Schulabschluss merkte ich bald, dass der Lehrerberuf nicht das Richtige für mich war.

 

Doch bis zur „Hazett“, wie die Hermannstädter Zeitung liebevoll von ihren Lesern genannt wird, lag noch ein langer Weg vor mir. Nach einem zweijährigen Germanistikstudium an der Freien Universität in Berlin, folgte das Studium der Germanistik und Anglistik an der Lucian Blaga-Universität Hermannstadt, wo ich von den wunderbaren Dozentinnen Dr. Sunhild Galter und Dr. Johanna Bottesch in die Geheimnisse der deutschen Sprache und Literatur eingeführt wurde. Schon während der Studienzeit konnte ich den deutschsprachigen Medien in Rumänien nicht fern bleiben.

Mein Glück war es, dass man 2003 bei der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien Mitarbeiter für die Hermannstädter Lokalredaktion suchte. Die dortige Redakteurin Hannelore Baier nahm mich unter ihre Fittiche und führte mich in die spannende Welt des Zeitungswesens ein, wofür ich ihr immer noch sehr dankbar bin. Ich kann mich noch heute an das erste Sachsentreffen in Birthälm erinnern, bei dem ich als Reporterin zugegen war. Es war überwältigend und zugleich unvergesslich. Damals bestätigte sich mir zum ersten Mal, dass ich in diesem Beruf auf meine Weise zum Erhalt der deutschen Minderheit in Rumänien beitragen kann.

Seit 2008 bin ich nun bei der Hermannstädter Zeitung und kann offen und ehrlich sagen: das ist mein Traumberuf. Ich gebe zu, als Mensch etwas schüchtern zu sein. Mich schriftlich auszudrücken, fällt mir sehr viel leichter.

Die Zeitung gibt mir die Gelegenheit, über Ereignisse in Hermannstadt zu berichten, die nicht nur für deutschsprachige Hermannstädter von Interesse sind, sondern auch für unsere Leserinnen und Leser außerhalb Rumäniens. Viele Siebenbürger Sachsen bleiben durch die Zeitung mit ihrer alten Heimat verbunden. Die Hermannstädter Zeitung nimmt heute mehr denn je eine Brückenfunktion wahr. Ich hoffe, zum Erhalt dieser Brücke etwas beitragen zu können.

Nichts gegen: Du sollst Lehrer werden! Aber mir persönlich passt der Journalistenberuf wie angegossen. Dürfte ich einem unentschlossenen Absolventen einen Rat geben, wäre es folgender: Du sollst Journalist werden!

Cynthia PINTER

 

 

 

 

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