„Privilegierte Künstler“

Ausstellung mit Fotos von Schönheitsoperationen
Ausgabe Nr. 2498
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Elf großformatige Aufnahmen aus OP-Sälen, begleitet von einem Kurzfilm und einem Tonstreifen bilden die Ausstellung „Gentle Violence – Faces of Change” (Sanfte Gewalt – Gesichter der Veränderung), die vergangene Woche eröffnet wurde und bis zum 9. Oktober in der Galerie für zeitgenössische Kunst des Brukenthalmuseums in der Quergasse/str. Tribunei zu sehen ist. Bei der Eröffnung dabei war u. a. die Fotografin, Cristina Bobe, die schon 2014 in Hermannstadt eine Ausstellung mit Fotos aus OP-Sälen gezeigt hatte. Diesmal sind dabei nur Aufnahmen aus Schönheitsoperationen.

 

Einen guten Magen muss man wohl haben, um den Menschen während einer Schönheits-OP quasi ins Gesicht zu schauen, auch wenn es vermutlich während einer Operation bestimmt auch dramatischere Momente gibt, denn die meisten Fotos zeigen eher die sanften Augenblicke. Das aufgetragene Desinfektionsmittel und die OP-Feld-Abdeckungen helfen ebenfalls dem Zuschauer, die harte Realität zu verdrängen. Eine enblößte Nase kann man trotzdem sehen und auch ein Moment bei einer Brustvergrößerung ist da verewigt, doch sowohl für die Fans, als auch für die Gegner solcher OPs kann die Ausstellung interessant sein. Auf jeden Fall interessant war das Ergebnis solcher Schönheits-OPs, denn bei einer jungen Dame aus dem Publikum konnte man vermuten, dass ein Chirurg ihr zum modischen vorschriftsmäßigen Schmollmund (und nicht nur) verholfen hat.

Bei der Eröffnung dabei waren sowohl die Fotografin, als auch Vertreter des Brukenthalmuseums und auch zwei Chirurgen, in deren OP-Sälen ein Teil der Aufnahmen gemacht wurden. Die von Cristina Bobe gemachten Fotos wurden zu einem Kurzfilm verarbeitet, von Paul Lupaşcu, Motion-Designer, aber auch mit Hilfe eines Computerprogramms vom Sound-Designer Sebastian Florea als Klang verarbeitet. Kuratorin ist die Museografin Laura Coltofean.

Dr. Adriana Radu und Dr. Horia Siclovan waren zwei der Ärzte, die der Fotografin während der OPs den Zutritt gewährten und sagten, dass es auch für sie sehr interessant sei, ihr Arbeitsumfeld einmal anders zu sehen, zum Beispiel nicht hell beleuchtet und mit viel Apparatur, sondern auf einfachem schwarzen Hintergrund. Als Schönheitschirurg sei man einfach ein privilegierter Künstler, erklärte Adriana Radu.

Cristina Bobe erklärte auch, dass diese Ausstellung eigentlich ein visuelles und psychologisches Experiment sei, in dem die Körper der Patienten in „Kunstobjekte und Metaphern verwandelt werden” und bei dem die Betrachter aufgefordert werden, ihre Wahrnehmung der eigenen Identität in Frage zu stellen.

Die Fotos werden nach der Finissage verkauft, der Erlös kommt einem Projekt zu Gute, weitere Aufnahmen der Künstlerin sind auf www.fotografieme dicala.ro zu sehen.

Ruxandra STĂNESCU

 

Blick in die Ausstellung bei der Vernissage.                   Foto: Fred NUSS

 

 

 

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