Ikarus und der dakische Wolf

Erste Auflage des Bildhauersymposiums im Freilichtmuseum
Ausgabe Nr. 2490
 
 

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12 Eichenstämme, 11 Bildhauer und die Idylle des Freilichtmuseums im Jungen Wald in Hermannstadt. Zwei Wochen lang hatten die Künstler Zeit, ihrer Inspiration freien Lauf zu lassen und Kunst aus Holz zu schaffen. Zum ersten Mal organisierte der Verein „Gesellenherberge Hermannstadt“ (Casa Calfelor Sibiu) im Rahmen des Projekts „Erbe –Tradition – Moderne. Europäischer Kultur- und Wissenstransfer durch Wandergesellen“ im Zeitraum 4. bis 17. Juli ein Bildhauersymposium zum Thema „Siebenbürgische Ornamentik“.

 

Daran teilgenommen haben fünf Wandergesellen aus Deutschland und der Schweiz, sowie sechs Bildhauer aus Rumänien. Gefördert wurde das Symposium von der Deutschen Gesellschaft e.V., dem Auswärtigen Amt, der Allianz Kulturstiftung, der Stadt Hermannstadt und dem Kreisrat Hermannstadt. Das ASTRA Museum stellte den Teilnehmern die Unterkunft und den Arbeitsplatz zur Verfügung.

„Das Symposium entstand als Idee schon letztes Jahr. Wir wollten eine Zusammenarbeit zwischen Wandergesellen und Bildhauern aus Rumänien ermöglichen. Und das ist durch das Bildhauersymposium gut gelungen“, so Anda Ghazawi, Projektkoordonatorin des Vereins „Casa Calfelor“ Hermannstadt. Eine gemeinsame Arbeitsplattform für junge Künstler, die aus verschiedenen Ländern Europas stammen und Erfahrungen im Rahmen eines pluriethnischen Treffens sammeln sowie Fachkenntnisse austauschen, war das Ziel des Symposiums.

Am 4. Juli war es dann soweit, das Arbeitslager wurde aufgebaut und die Künstler machten sich an die Arbeit. Jeder bekam einen Holzstamm und durfte den nach Lust und Laune bearbeiten und zu Kunst schnitzen. Einzige Bedingung war, die Skulptur sollte einen Bezug zu Rumänien und Siebenbürgen haben. Loris Hochstrasser aus der Schweiz fiel beim Gedanken Rumänien sofort der dakische Wolf ein. „Ich hatte noch nie einen Wolf geschnitzt und da dachte ich, es wäre eine gute Idee. Ich will ihn nicht fein schleifen, sondern etwas gröber lassen,“ erklärte der Wandergeselle, der seit vier Jahren auf der Walz ist.

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Gar nicht grob geschnitzt war dagegen Ileana Oanceas „Ikarus“. Sehr markant an der Skulptur der ausgebildeten Bildhauerin aus Bukarest sind die Füße, die aus einem rechteckigen Holzblock herausragen. Der Kopf ist am unteren Teil der Skulptur zu sehen. „Es ist ein sich im Fall befindender Ikarus, dessen Flügel schon geschmolzen sind. Die Sonne ist in der siebenbürgischen Ornamentik sehr oft vorhanden,“ erklärt Ileana Oancea ihr Werk. Unterhalb der Füße des fallenden Ikarus ist am Saum seiner Kleidung das Sonnenmotiv so zu sehen, wie in der traditionellen rumänischen Kunst. Das Sonnenmotiv wurde in das Holz eingebrannt. „Die Technik heißt Pyrographie. Mein Mann, der sowohl Bildhauer als auch Schmied ist, hat mir dabei geholfen und das Eisenmodell geschmiedet,“ fährt die Künstlerin fort. Cătălin Oancea ist ebenfalls ein Teilnehmer beim Symposium und hat zwei Brottröge mitsamt Brotlaiben darin geschnitzt. Naheliegend beim Thema Transsilvanien war eine Fledermaus zu schnitzen. Diese Aufgabe übernahm Aron Schulze, der versprach, dass sich die Fledermaus sicher nicht in einen Vampir verwandeln würde.

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Die Vernissage des Bildhauersymposiums fand am Freitagabend, dem 22. Juli, im Freilichtmuseum statt. Dabei waren die Künstler, Projektleiterin Anda Ghazawi, sowie der Direktor des ASTRA Museums, Ștefan Ciprian Anghel. Letzterer versprach auch nächstes Jahr den Platz für das Symposium zur Verfügung zu stellen. Die Kunstwerke können im Rahmen der Schauwerkstatt der Wandergesellen, die gestern offiziell am Huetplatz eröffnet wurde, bis zum 28. August ebenda bewundert werden.

Cynthia PINTER

 

Foto 1: Ileana Oancea und ihr Werk Ikarus“.        

 

Foto 2: Der Wandergeselle Aron Schulze arbeitet an seiner Fledermaus“.

 

Foto 3: Gruppenbild der Bildhauer und Wandergesellen mit Ștefan Ciprian Anghel

(links außen), dem Generaldirektor des Astra-Museums bei der Vernissage am Freitag im Freilichtmuseum im Jungen Wald.

Fotos: Cynthia PINTER

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