„Das Image Rumäniens aufpolieren“

Ausgabe Nr. 2468
 

Erinnerungsfahrt an den rumänischen Sieg bei der Monte Carlo-Rallye 1936

 

„Fahrer und Beifahrer wärmten sich mit Cognac- und Weinflaschen" erzählte Ionel Zamfirescu in den 1980-er Jahren von der abenteuerlichen Fahrt mit einem Ford V8 Baujahr 1935 von Athen nach Monte Carlo. Zamfirescu hatte Ende Januar 1936 gemeinsam mit dem berühmten Rallyefahrer Petre G. Cristea und dem Mechaniker Gogu Constantinescu die Monte Carlo Rallye gewonnen. Es war der erste Sieg für ein rumänisches Team und sollte auch der einzige für Rumänien bleiben. Zugleich war es der erste Sieg für den Automobilproduzenten Ford, der 1936 die Produktion in Rumänien aufgenommen hatte.

80 Jahre danach konnte von Alkoholkonsum am Steuer keine Rede sein und bis auf einen Schneesturm in Slowenien spielte der Winter bei der Erinnerungsfahrt von Bukarest nach Monte Carlo und zurück auch keine bedeutende Rolle.

 

Die Hauptrolle hatte der Ford Modell 48 V8 Roadster DeLuxe, Baujahr 1935 inne, den der Oldtimer-Liebhaber Gabriel Bălan (Jahrgang 1963) aus Konstanza im vergangenen Jahr gekauft hatte, um an dieses Ereignis vor 80 Jahren zu erinnern. Bălan hat schon 2015 für Schlagzeilen gesorgt, als er mit einem Oldsmobile an dem berühmten London-Brighton-Oldtimer-Rennen teilgenommen hat. Bălan wollte damit das Image Rumäniens aufpolieren, und aus diesem Grund organisierte er auch die am Montag in Bukarest abgeschlossene Erinnerungsfahrt. Nebenbei gesagt, hatten er und sein Kopilot und Mechaniker Costel Racu ihren Spaß dabei. Ein Begleitfahrzeug mit vier Mann fuhr auch mit.

Anders als bei der Rallye 1936, als die drei auf sich selbst gestellt waren. 1936 bewältigten diese vom 25. bis 30. Januar die Strecke Athen – Monte Carlo ohne Strafpunkte und gingen mit 49 Sekunden Vorsprung bei der Geschicklichkeitsprüfung als Sieger hervor. 1956 enthüllte Petre Cristea (1909-1995) das „Geheimnis": Sein selbst aufgebauter Ford V8 sei mit einem starren Hinterachsenantrieb ohne Differential ausgerüstet gewesen, und so habe er die enge und kurvenreiche Strecke in Monte Carlo ohne durchdrehende Räder und folglich mit stärkerer Beschleunigung fahren können  als seine Gegner.

Auch 2016 erwies sich die gleiche Strecke, die heute Monte Carlo mit der Autobahn nach Venedig verbindet, als Herausforderung. Der Höhenunterschied und die zahlreichen Haarnadelkurven machten sowohl dem Fahrer des Begleitfahrzeugs als auch den beiden Fahrern des Oldtimers gehörig zu schaffen, erzählte Gabriel Bălan bei seiner Ankunft in Hermannstadt am Sonntag. Bălan wählte die Strecke über Hermannstadt, um hier einen seiner früheren Professoren von der Hermannstädter Offiziersschule, Dan Nica, zu treffen.

Am Tag darauf ging es morgens um 8 Uhr weiter bis Bukarest, Endstation war vor dem Rumänischen Athenäum. Hier gab es Fototermine und anschließend fuhren alle zurück nach Konstanza, wo Bălan ein Unternehmen für subaquatische Dienstleistungen leitet, das er gegründet hat, nachdem er aus dem aktiven Militärdienst ausgetreten ist.

Beatrice UNGAR

 

Foto 1: Erinnerungsfahrt: 80 Jahre nach dem ersten und einzigen rumänischen Sieg bei der Monte Carlo Rallye begab sich am 6. Februar ein Team aus Rumänien auf die 4.200 km lange Fahrt von Bukarest nach Monte Carlo. Unser Bild: Gabriel Bălan (rechts) und Costel Racu mit ihrem Ford Modell 48 V8 Roadster DeLuxe, Baujahr 1935, am Sonntagabend vor dem Ramada-Hotel in Hermannstadt.    

Foto: Beatrice UNGAR

Foto 2: Petre Cristea am Steuer seines Ford V8, Kopilot Ionel Zamfirescu (links) und der Mechaniker Gogu Constantinescu freuen sich 1936 über den Sieg bei der Monte Carlo -Rallye, die sie dank einer technischen Finesse gewonnen hatten.

 

 

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