„Die Orgel ruft zur Demut“

Ausgabe Nr. 2343
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Wiedereinweihung der Orgel und Kirche in Deutschkreuz im Haferland

 

Die Orgel ruft zur Demut" stellte Peter Maffay am Sonntag in seiner Ansprache beim gemeinsamen Mittagessen in der Kirchenburg in Deutsch-Kreuz/Criț nach dem Einweihungsgottesdienst für die restaurierte Orgel und die Kirche fest. Die im gleichen Jahr wie die neue Kirche, also 1813, vor genau 200 Jahren, eingeweihte Orgel ist ein Werk des Orgelbauer Johann Thois und thront" auf einer Empore über dem Altar. Diese Position will zeigen, dass Gott in Wort und Klang gelobt werden soll.

 Dem Stellenwert dieser Königin der Instrumente gemäß stand die von der Honigberger Orgelbauwerkstatt restaurierte Orgel auch im Mittelpunkt der Feierlichkeiten bei dem Einweihungsfest am Sonntag, das im Rahmen der Haferland-Kulturwoche 2013 stattfand und zu dem rund 500 Gäste von nah und fern strömten.

In der bis auf den letzten Platz besetzten Kirche begrüßte zunächst Ortspfarrer Siegmar Schmidt die Anwesenden und gab seiner Freude Ausdruck über den Abschluss der Sanierungsarbeiten, die im Rahmen des EU-Kirchenburgenprojekts  durchgeführt worden ist. Während der Sanierungsarbeiten habe man die Hausgottesdienste „wiederentdeckt". Schmidt sagte, es sei eine „gute Erfahrung" gewesen, um den Küchentisch in einem Privathaus versammelt Gottesdienst zu feiern. Es sei ein Privileg, betonte Schmidt, zugleich mit der Kirche auch die Orgel wieder einzuweihen: „Wir wissen, dass Gott uns wohlgesonnen ist. Nun können wir wieder mit Wort und Klang  und auch Gesang Gott in dieser Kirche loben".  Überhaupt könnte als Motto des Tages gelten: „Lobet den Herren!" Mit diesem Lied, das ohne Orgel gesungen wurde, begann der Gottesdienst. Danach weihten  Bischof Reinhart Guib und die Pfarrer Siegmar Schmidt und Kurt Boltres Orgel und Kirche wieder ein. Dann ließ Ursula Philippi die Orgel erklingen und alle sangen „Großer Gott, wir loben Dich". Vor der Predigt ließen Mitglieder des Hermannstädter und des Kronstädter Bachchores gemeinsam mit dem Kammerorchester, Ursula Philippi und der Sopranistin Melinda Samson die Motette für Sopran, Chor, konzertante Orgel und Orchester von Philipp Caudella (1771-1826) „Zeige mir Herr, deine Wege und lehre mich deine Steige" erklingen.

In  seiner Predigt zu dem Psalm 25 aus dem der Text der Motette stammt sagte denn auch Bischof Reinhart Guib: „Caudellas Motette stammt aus der Bauzeit der Kirche in Deutsch-Kreuz und nimmt uns mit auf Gottes Wege."  Bischof Guib bezeichnete diesen Sonntag als „ersten Höhepunkt der Kulturwoche Haferland", die er als „geniale Idee" lobte. Er stellte fest, dass Deutsch-Kreuz, wo vor dem Zweiten Weltkrieg 750 Evangelische lebten, heute wieder auflebt, wenn die Siebenbürger Sachsen von überall wieder zur Gemeinde finden. Vor vier Jahren hätte hier ein Projektchor ein Laudate-Konzert geboten, dann habe die Michael Schmidt Stiftung das Pfarrhaus gekauft und schließlich sei die Kirchenburg im Rahmen des EU-Projekts saniert und restauriert worden. Als Zugabe sei die Restaurierung der Orgel zu betrachten. Die Restaurierung der Kirche und der Orgel könne man als Weichenstellungen ansehen, die aus der Gemeinde einen Ort der Begegnung machen könnten. Das Pfarrhaus werde auch wieder aufgebaut, die Kulturwoche verhelfe dem Haferland zu mehr Sichtbarkeit und „es wäre schade, jetzt aufzuhören. Lassen wir uns in Gottvertrauen auf neue Wege ein. Kommen wir der nächsten Krise zuvor, indem wir nach Seinen Wegen fragen."

Nach dem Einweihungsgottesdienst waren alle Anwesenden zu einem Festesssen eingeladen, bei dem sie feststellen konnten, wie viel Platz es in der Kirchenburg für solche Veragstaltungen gibt. Den Grußworten war Freude zu entnehmen und auch noch vorhandener Tatendrang. Vor allem Kurator Karl Hellwig gab seiner  Zuversicht Ausdruck und dankte Stefan und Dietmar Depner sowie der Familie Moga in Deutsch-Kreuz und dem früheren HOG-Vorsitzenden Johann Imrich und dem aktuellen, Johann Hellwig.  Die Sanierung der Kirchenburg sei in Kooperation mit dem Bezirkskonsistorium Kronstadt, dem Mihai Eminescu Trust, der Elena Mureşan-Stiftung, dem Landeskonsistorium durchgeführt worden. Hellwig dankte auch allen Kritikern: „Sie haben uns veranlasst, die Arbeiten vorsichtiger durchzuführen und termingerecht abzuschließen."

Der nach Orgel und Kirchenburg meist fotografierte Star des Tages war der schon eingangs erwähnte Peter Maffay, dessen Stiftung gemeinsam mit der Michael Schmidt Stiftung die Initiative hatte, eine Kulturwoche im „Haferland" genannten Winkel von Siebenbürgen zu veranstalten, zu dem die Orte Bodendorf/Buneşti, Deutsch-Kreuz, Deutsch-Weißkirch/Viscri, Meschendorf und Radeln gehören. Der für diese Orte zuständige Pfarrer und auch der Kurator kommen aus Reps, also wurde auch Reps in die Veranstaltungsreihe eingebunden, die unter der Schirmherrschaft von Frau Dr. h. c. Susanne Kastner, Vorsitzende der Deutsch-Rumänischen Parlamentariergruppe des Deutschen Bundestages stand. Mitveranstalter waren der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, der in Deutsch-Kreuz von dem Bundesvorsitzenden Dr. Bernd Fabritius vertreten war, die Heimatortsgemeinschaften von Deutsch-Kreuz und Meschendorf, der Mihai Eminescu Trust und nicht zuletzt das Bürgermeisteramt von Bodendorf, das alle genannten Ortschaften verwaltet.

Die Krönung des Tages aber war das Konzert, das ein Projektchor, ein Kammerorchester und die Solisten Melinda Samson (Sopran) und Wilhelm Schmidts (Bass) unter der Leitung von Kurt Philippi am Nachmittag boten. Unter dem Titel „Ein Fest für die Orgel" gab es einige musikalische Leckerbissen zu hören. Zunächst aber stellte der Schweizer Orgelbaumeister Ferdinand Stemmer die Orgel als „Großfamilie" anschaulich vor, mit Steffen Schlandt an der Orgel. Stemmer dankte der Leiterin der Orgelbauwerkstatt, Barbara Dutli, und allen Mitarbeitern, denen es zu verdanken ist, dass „die Orgel jetzt wie vor 200 Jahren erklingt". Anschließend führte Kurt Philippi wie immer kurzweilig durch das abwechslungsreiche Programm des Konzertes, das er auch dirigierte. Hervorzuheben wäre Johann Kuhnaus „Der Streit zwischen David und Goliath" bei dem Wilhelm Schmidts an der Orgel und Kurt Philippi als Erzähler auftraten.

Beatrice UNGAR

 

Foto 1: Ein Fest für Ohren und Augen: Orgelbaumeister Ferdinand Stemmer stellte die Johann Thois-Orgel vor, die über dem Altar thront".

Foto 2: Peter Maffay eröffnete die Reihe der Grußworte beim gemeinsamen Festessen in der Kirchenburg.                                      

Fotos: Beatrice UNGAR

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