Zwei Klangsprachen

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Zwei Konzerte des Rumänischen Kulturinstituts Wien

Ausgabe Nr. 2983

Das MINDTHEGAP Trio in Aktion (v. l. n. r.): Ștefan Ormenișan, Alex Cioată und Tamás Iszlai am Schlagzeug.                                     Foto: RKI Wien

Zwei Konzertabende des Rumänischen Kulturinstituts, anzusiedeln zwischen Mozarts Geist und jazzigen Klangabenteuern, zeigten, wie reizvoll musikalische Tradition und zeitgenössische Experimentierfreude in Wien aufeinandertreffen. Wien und Musik – das ist eine Liebesgeschichte mit vielen Kapiteln. Dass darin längst nicht nur die großen Namen der Vergangenheit mitspielen, bewiesen die beiden Konzertabende im Oktober. Zwischen feiner Liedkunst und elektrisierenden Jazzklängen entfaltete sich ein musikalisches Panorama, das unterschiedlicher kaum sein könnte – und gerade deshalb faszinierte.

Besonders reizvoll war der Auftakt am 6. Oktober im Bösendorfer-Saal des Mozarthaus Vienna. Mitten in der Domgasse, an einem der geschichtsträchtigsten Orte der Wiener Musiklandschaft, traf die Aura vergangener Jahrhunderte auf lebendige Interpretationskunst. Hier, wo Wolfgang Amadeus Mozart einst wohnte und komponierte, bekam das Konzert „Das Lächeln der Musik“ eine zusätzliche Dimension: Musikgeschichte war nicht bloß Kulisse, sondern beinahe greifbare Gesprächspartnerin.

Die Sopranistin Teodora Gheorghiu, vier Jahre lang Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, und die Pianistin Diana Ionescu begaben sich auf eine Reise durch das europäische Liedrepertoire. Von Caccini und Duparc über Delibes bis zu Enescu und weiteren rumänischen Komponisten reichte der musikalische Bogen. Unterschiedliche Sprachen, Klangwelten und Ausdrucksformen begegneten einander in einem Programm, das zugleich das internationale Projekt „Tourneen die Geschichten erzählen“ eröffnete. Wien bildete den Anfang einer Konzertreise, die auch Berlin, London und Rom miteinander verbindet. Ein passender Ort für diesen Auftakt? Kaum ein anderer als das Mozarthaus, wo sich Vergangenheit und Gegenwart auf so natürliche Weise begegnen.

Am 14. Oktober wurde es dann deutlich experimenteller. Im Rumänischen Kulturinstitut trat das MINDTHEGAP Trio auf und zeigte, wie frisch und unberechenbar die rumänische Jazzszene klingt. Ștefan Ormenișan an den Tasten, Alex Cioată am Bass und Tamás Iszlai am Schlagzeug verbinden zeitgenössischen Jazz mit Fusion, Nu-Jazz und progressivem Rock. Komplexe Rhythmen, freie Improvisationen und abrupte Stimmungswechsel prägen ihren Sound. Stücke aus den Alben Distant Signals und Motherland gaben Einblick in die musikalische Handschrift des Trios, das bereits bei bedeutenden rumänischen Festivals auf sich aufmerksam gemacht hat.

Was bleibt, ist das Bild einer Musiklandschaft ohne Scheuklappen: hier die intime Magie des Liedes an einem Ort voller Geschichte, dort die Neugier einer jungen Band, die Grenzen lustvoll verschiebt. Zwei Abende, zwei Klangsprachen – und ein gemeinsamer Nenner: Rumänische Musik hat in Wien vieles zu erzählen.

Ingrid WEISS

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Musik.