Ansprache von Botschafterin Ulla Krauss-Nussbaumer
Ausgabe Nr. 2983

Der Österreichische Nationalfeiertag wurde auch in Hermannstadt gefeiert, mit einem Empfang, zu dem I. E. Botschafterin Ulla Krauss-Nussbaumer und Honorarkonsul Andreas Huber eingeladen hatten. Im Vorfeld hatte die Botschafterin die österreichische Firma Englmayer Romania und den PRODUAL-Campus für duale Ausbildung der Lucian Blaga Universität besucht. Unser Bild: Beim Empfang begrüßten Mag. Christoph Grabmayr, Wirtschaftsdelegierter an der Österreichischen Botschaft in Bukarest, die Österreichische Vizehonorarkonsulin in Hermannstadt RA Cristina Huber, I. E. Botschafterin Ulla Krauss-Nussbaumer, Hermannstadts Bürgermeisterin Astrid Fodor und der Österreichische Honorarkonsul Andreas Huber die Gäste (v. l. n. r.).
Foto: Werner FINK
Am österreichischen Nationalfeiertag, dem 26. Oktober, erinnern wir uns an die Entscheidung Österreichs für die immerwährende Neutralität. Sie bedeutet militärische Neutralität – aber niemals politische Gleichgültigkeit. Denn Österreich steht für das Völkerrecht, für Menschenrechte und für die Stärke des Rechts statt des Rechts des Stärkeren ein.
Aus diesem Verantwortungsbewusstsein heraus haben wir uns um einen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen beworben, und wir freuen uns sehr, für die nächsten zwei Jahre gewählt worden zu sein.
Verlässlichkeit bedeutet für uns, Regeln einzuhalten. Verlässlichkeit heißt, mit allen zu sprechen, gerade mit jenen, mit denen wir nicht immer einer Meinung sind. Verlässlichkeit bedeutet, für unsere Prinzipien einzustehen, gerade dann, wenn sie unter Druck geraten. Das Völkerrecht muss für alle gleich gelten. Für kleine wie große Staaten. Für stärkere und schwächere. Im Sicherheitsrat werden wir uns daher für jene einsetzen, die am meisten Schutz brauchen: für Zivilpersonen in bewaffneten Konflikten, besonders für Kinder, und für die Rolle von Frauen in Friedensprozessen.
Österreich wird im Sicherheitsrat ein verlässlicher Partner und eine starke Stimme für den Multilateralismus sein. Wir brauchen ein neues Vertrauen in internationale Regeln und die Handlungsfähigkeit der Vereinten Nationen.
Seit mehr als zwei Jahren habe ich nun schon die große Ehre, als österreichische Botschafterin in Rumänien unsere hervorragenden bilateralen Beziehungen noch weiter zu vertiefen und ich konnte die enge Verbindung unserer Länder auf vielfältige Weise erleben – in Politik, Wirtschaft und Kultur. Besonders schätze ich die zahlreichen Begegnungen mit all den Menschen, die Rumänien und Österreich noch näher zusammenbringen und sich für unser gemeinsames Europa engagieren.
Zahlreiche bilaterale Besuche auf Minister- und Parlamentsebene haben unsere Beziehungen im vergangenen Jahr weiter gestärkt. Neben politischen und wirtschaftlichen Themen stand auch der Beitritt Rumäniens zur OECD – den Österreich von Anfang an unterstützt hat – im Mittelpunkt der Gespräche.
Es war Teil des europäischen Traums, Wohlstand zu schaffen. Unter anderem durch die Vertiefung des Binnenmarkts und die Erweiterung des Kreises der Mitgliedstaaten der Europäischen Union.

Vierhändig spielten zwei Klavierschüler von Kálmán Emese, Andrei Călin Dănuleț und Luca Capuzzo, ein Werk von Mozart. Foto. Beatrice UNGAR
Die europäische Perspektive ist daher auch für die Länder des Westbalkans von zentraler Bedeutung; für die Sicherheit und den Wohlstand der gesamten Region. Denn Stabilität in der Region bedeutet Stabilität für ganz Europa.
Durch die Vertiefung des Binnenmarktes sichern wir gemeinsam den Wohlstand. Bereits seit Anfang der 1990er Jahre begannen österreichische Unternehmen in Rumänien zu investieren. Heute gibt es fast 4.000 österreichische Unternehmen in Rumänien. Österreich ist mit 16,6 Mrd. Euro der zweitgrößte Investor in Rumänien, am zweiten Platz hinter Deutschland und es wurden mehr als 100.000 Arbeitsplätze geschaffen. Es freut mich besonders, dass Österreichs Direktinvestitionen in den letzten beiden Jahren noch weiter gestiegen sind und damit einen neuen Höchststand erreicht haben.
Die überwiegende Mehrheit der Führungspositionen in diesen Unternehmen wird von Rumänen besetzt, und rumänische Mitarbeiter übernehmen zunehmend Führungspositionen in den österreichischen Unternehmenszentralen. Damit gehören sie zur großen Gruppe der Rumänen in Österreich; der zweitgrößten Gruppe von Ausländern – direkt nach den Deutschen.
Es ist eine große Freude zu sehen, dass rumänische Unternehmen zunehmend Österreich als Investitionsstandort für sich entdecken. Erst letzte Woche konnten wir gemeinsam mit dem neu eröffneten „Romania Connect“-Büro in Wien eine Networking-Veranstaltung organisieren, die, so hoffe ich, diesen wirtschaftlichen Austausch weiter ankurbeln wird.
Ich möchte mich ganz herzlich bei allen bedanken, die zu diesem engen und vertrauensvollen Austausch zwischen Österreich und Rumänien beitragen: bei unseren rumänischen Partnern, den österreichischen Unternehmen sowie den Vertretern der deutschsprachigen Minderheit in Rumänien, die eine besonders wichtige Brücke zwischen Rumänien und Österreich darstellt.
Zu guter Letzt möchte ich dem österreichischen Honorarkonsul Andreas Huber und seinem Team ganz herzlich für seine Unterstützung und seine Arbeit aber auch für das Ausrichten des heutigen Abends danken.
Ich freue mich auf viele weitere Begegnungen im kommenden Jahr, sei es hier in Hermannstadt oder an anderen der zahlreichen schönen Orten und Regionen dieses Landes.
Es lebe die Freundschaft zwischen Österreich und Rumänien!