„Was würde Brukenthal dazu sagen?“

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Streiflichter von der ersten Auflage des Barockfestivals im Brukenthalmuseum

Ausgabe Nr. 2969

Besucherinnen und Besucher konnten sich beim Malen eines gemeinsamen Werkes regelrecht austoben. So schrieb ein Bukarester Student, dessen Hobby die Kalligraphie ist, den Namen des Geehrten auf die Leinwand.

„Was würde Baron Samuel von Brukenthal dazu sagen, wenn er jetzt hier sein könnte?“ Diese Frage stellte Dr. Raluca Teodorescu, die Managerin des Brukenthalmuseums, ihrem Grußwort zur Eröffnung des ersten Barockfestivals voran. Das Festival war am 25. und 26. Juli dem Geburtstag des Namensgebers dieser Einrichtung gewidmet, der am 26. Juli 1721 in Leschkirch das Licht der Welt erblickt hatte. Brukenthal ist aber nicht bloß der Namensgeber des Museums, das seine Tore 1817 offiziell fürs Publikum geöffnet hat, sondern auch sein Gründer.

Er würde sich wohl darüber freuen, dass sein Palais tatsächlich als Museum dient, lieferte Teodorescu eine erste Antwort, und forderte die Anwesenden auf, diese Frage mitzunehmen an den beiden Festivaltagen zu den verschiedenen Programmpunkten. Im Angebot standen drei Vernissagen, Führungen durch das Palais und das Museum für zeitgenössische Kunst in der Quergasse, eine Schatzsuche in den Räumen des Museums, Konzerte.

Camelia Lupu und Dorel Popa verkörperten das Brukenthal-Ehepaar.

Zurück zur Eröffnung, die am Samstag, den 25. Juli, im zweiten Innenhof des Brukenthalpalais stattgefunden hat. Neben der Museumsmanagerin kamen auch weitere aktuelle und ehemalige Museumsmitarbeiterinnen und Vertreter von Partnern der Veranstaltung zu Wort.

Zunächst war das die neue Leiterin der Hermannstädter Filiale des Staatsarchivs, Mariana Țăranu, die ihre Begeisterung über die Leistung von Brukenthal äußerte. Diese Persönlichkeit verdiene eine entsprechende Würdigung, man könne hier in Hermannstadt mit diesen kulturellen Pfunden regelrecht wuchern. Țăranu kommt aus Chișinău und sagte der Hermannstädter Zeitung im Gespräch, sie entdecke in Sachen Brukenthal wohl Amerika, aber sie würde sich freuen, wenn ihre Begeisterung auch auf die junge Forschergeneration überspringen würde, denn im Staatsarchiv befinde sich ein Schatz an Dokumenten, der noch lange nicht gehoben worden sei. Dies hatte auch die langjährige Mitarbeiterin des Museums, die Kunsthistorikerin Dr. Gudrun Ittu, gesagt, die zum Abschluss der Eröffnung von Teodorescu um ein Grußwort gebeten worden war. Ittu hat viel zu Brukenthal und seinem Leben und Wirken geforscht und veröffentlicht und beglückwünschte die Veranstalter für die Initiative, anhand eines Festivals auf das Brukenthalmuseum und seine Schätze aufmerksam zu machen. Seitens der Partner dankte Sebastian Gheorghiu vom IconArts-Festival für die Gelegenheit, mit dem Konzert des Romanian Guitar Quartet, einen Beitrag zum musikalischen Teil leisten zu können. Das Quartett vom Verein Kitharalogos, das übrigens auch im Rahmen des Festivals Konzerte auf dem Dach (Concerte pe acoperiș, siehe Seite 8) auftreten wird, brachte am Sonntagnachmittag im Museum für zeitgenössische Kunst eine eigene Adaption von Vivaldis „Die Jahreszeiten“ zu Gehör.

Bei der offiziellen Eröffnung sprachen die beiden Kuratorinnen Alexandra Runcan und Raluca Frîncu, die Managerin des Brukenthalmuseums Raluca Teodorescu, die Kunsthistorikerin Gudrun Ittu, der Manager des IconArts-Festivals Sebastian Gheorghiu und die Leiterin der Hermannstädter Zweigstelle des Staatsarchivs Mariana Țăranu (v. l. n. r.).

Die Hermannstädter Staatsphilharmonie, die dieses Konzert vermittelt hatte, schickte ein schriftliches Grußwort seitens ihres Managers Cristian Lupeș, das Museumsleiterin Raluca Teodorescu verlas. Seitens der Philharmonie bot das Intermezzo-Quartett das Abschlusskonzert am Sonntagnachmittag im ehemaligen Landkartenkabinett des Brukenthalpalais, wo bis zum 30. August eine Sonderausstellung mit Orientteppichen zu sehen ist.

Museologin Alexandra Runcan hatte die Idee, den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit zu geben, sich am Malen eines gemeinsamen Werkes zu beteiligen. Es wurden dann zwei Werke.

Seitens der Ausstellungskuratoren präsentierten Alexandra Runcan und Raluca Frîncu die drei Sonderausstellungen, die am Samstag eröffnet wurden. In den Räumen für Sonderausstellungen im zweiten Innenhof   des Brukenthalpalais präsentieren Dana Roxana Hrib und Raluca Frîncu die Ausstellung „Das Brukenthalpalais – Die Anfänge. Rückblick auf die Geschichte eines architektonischen Juwels Hermannstadts“. Auf den Schautafeln sind Bilder und Informationen über die Häuser zu finden, die auf dem jetzigen Standort des Palais existierten, dazu Pläne für das Palais, einschließlich den Details wie z. B. Fassadenschmuck, Öfen, Stuckarbeiten, Möbel oder Fenstereinfassungen, Namen der Baumeister. Die beiden Kuratorinnen haben neben Archivmaterial auch Graphiken, Fotografien aus dem 19. Jahrhundert und aus diesem Jahr ausgestellt, um zu zeigen, welche Bereiche bis heute noch die Stimmung des 18. Jahrhunderts bewahren. Zu besichtigen ist sie bis Ende August.

Blick in die Ausstellung „Im Zeichen des Barocks – Samuel von Brukenthal“ im Stichekabinett des Brukenthalpalais, in der auch Exponate aus den Beständen des Staatsarchivs zu sehen sind.  Fotos: die Verfasserin

Nur bis zum 16. August zu besichtigen ist im Stichekabinett die dem Leben und Wirken des Barons gewidmete Ausstellung „Im Zeichen des Barocks – Samuel von Brukenthal“, kuratiert von Raluca Teodorescu und Raluca Frîncu. Laut den Kuratorinnen veranschaulicht sie „die Welt eines Menschen, der Kultur gesammelt, erforscht und in all ihren Formen unterstützt hat. Angefangen mit seiner beeindruckenden Bibliothek und seiner Gemäldesammlung bis hin zu seiner Beschäftigung mit Münzkunde, Mineralogie und Landwirtschaft erweist sich Samuel von Brukenthal als Visionär seiner Zeit.“ Die Ausstellung sei „eine Reise in die Welt eines Sammlers, für den Wissen, Schönheit und Kulturerbe zur Berufung geworden sind. Diese Persönlichkeit hat ein herausragendes und bedeutendes Erbe hinterlassen und damit Hermannstadt auf die Karte des europäischen Kulturerbes gesetzt.“

Beim kulturellen Matineé am Sonntagvormittag führte Kuratorin Alexandra Runcan im Beisein einiger der ausstellenden Künstlerinenn und Künstler durch die Ausstellung im Museum für zeitgenössische Kunst.
Foto: Adrian Luca

Alexandra Runcan präsentierte die von ihr kuratierte Sonderausstellung Reply to Baroque, die bis zum 23. August im ersten Stock im Museum für zeitgenössische Kunst des Brukenthalmuseums in der Quergasse zu besichtigen ist. Runcan sagte: Der Barock überschreitet die Grenzen einer historischen Epoche. Unsere Ausstellung geht von der Feststellung aus, dass der Barock nicht nur ein Stil aus der Vergangenheit ist, sondern Themen und visuelle Mechanismen auf den Plan gebracht hat, die auch heute die künstlerischen Bemühungen und Praktiken prägen. Illusion, Theatralität, Kontraste, Exzesse und die Spannung zwischen Schein und Sein tauchen heute in neuen Formen wieder auf und werden zu Instrumenten, derer sich die Künstler bedienen, um damit zu versuchen, die Komplexität der Probleme der Gegenwart zu bewältigen. Bei den 13 Künstlerinnen und Künstlern handelt es sich um Darin Zsolt Berszán, István Betuker, Claudiu Ciobanu, Lavinia Crețu, Ștefan Radu Crețu, Constantin Fîntînă, Theodor Hrib, Alex Mirutziu, Patricia Teodorescu, Alexandru Trifu, Ștefan Ungureanu, Casandra Vidrighin und Csaba Zemlényi.

Eine Führung gab es hier am Sonntagvormittag. Weitere Führungen wurden im Brukenthalpalais angeboten und auch von zahlreichen Besucherinnen und Besuchern angenommen. Außer den von Museumsmitarbeitern angebotenen gab es eine besondere Führung mit der Reiseleiterin Adela Dadu. Diese fand am Sonntag am frühen Nachmittag statt und begann 30 Minuten später. Das Warten hat sich aber gelohnt. Die Führung zum Thema Das Leben am Hofe des Barons Brukenthal war spannend, wobei das Freimauertum Brukenthals und die Schicksalsschläge, die der Baron einstecken musste im Mittelpunkt standen. Allerdings wies Dadu auch auf die Glücksmomente hin, vor allem auf die Heirat mit Sophia von Klocknern, der Bürgermeistertochter, die ihm stets zur Seite stand und ihn in allem unterstützte.

Beatrice UNGAR

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Geschichte, Kultur.