Fahrer und Pfarrer auf dem Sattel

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Erste Aktion der Initiative „Riders for Hope“ wurde auf dem Kleinen Ring präsentiert

Ausgabe Nr. 2969

Motorradfahren für die Hoffnung: Die erste Aktion der Initiative „Riders for Hope“ hat am Samstag, den 25. Juli, mehr als 170 Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer auf dem Kleinen Ring versammelt (unser Bild).                       Fotos: Beatrice UNGAR

„Wir bringen mentale Gesundheit in den öffentlichen Raum – mit dem ersten Riders-for-Hope-Konvoi in Rumänien. Wir sind Menschen mit Motorrädern, Herz und der Überzeugung, dass man über mentale Gesundheit lauter sprechen muss. Nicht theoretisch. Nicht versteckt. Nicht irgendwann. Wir fahren, weil ein Motorrad-Konvoi sichtbar ist. Weil Motoren Aufmerksamkeit schaffen. Und weil genau diese Aufmerksamkeit helfen kann, ein Thema aus der Ecke zu holen, in der es viel zu lange gestanden hat: Depression, Angst, Einsamkeit und seelische Krisen.“ So stellten die Initiatoren die Aktion vor, an der ca. 200 Motoradfahrerinnen und -fahrer am 25. Juli in Hermannstadt teilgenommen haben. Sie waren aus allen Ecken Rumäniens und aus Deutschland angefahren, um unter dem Motto „We ride. We talk. We care.“ auf die Problematik der Depression aufmerksam zu machen.

Christian Bonfert, ein gebürtiger Hermannstädter, der heute in Würzburg lebt, sagte über die Initiative Riders for Hope: Wir lassen uns von ‚Fellows Ride‘ (Deutschland) und ‚Black Dog Ride‘ (Australien) inspirieren – zwei Bewegungen, die genauso angefangen haben, aus einer kleinen Gruppe, und das Thema Depression in den öffentlichen Raum getragen haben. Diesen Weg wollen wir hier gehen, von null. ‚Black Dog‘ — der schwarze Hund – ist Churchills Metapher für die Depression. Für uns ist es das Zeichen, dass niemand diesen Weg allein gehen muss.

Pfarrer Klaus Martin Untch (2. v. l.) mit einer Gruppe Teilnehmenden.

Die Rider verasammelten sich Samstagmittag nach und nach auf dem Kleinen Ring, wo außer den drei Initiatoren Christian Bonfert, Peter Grethler und Arthur Iridon, Valentina Sârbu von Hoinari Motorcycle Family als Partner, Andrei Buciuță, Psychologe aus Klausenburg, Elena Bouleanu, Psychologin aus Hermannstadt, Dana Sitaru – Psychologin und Koordinatorin des Projekts Clubul de psihologie Mindset, Andy Fazekas als Vertreter von Uniunea Motocicliștilor din Sibiu und Martin Freinademetz, Vertreter von Red Bull Romaniacs Grußworte sprachen.

Auf der Homepage der Initiative ist beispielsweise die Botschaft von Andy Fazekas zu lesen: „Du kannst fast niemals in eine so schwierige Situation geraten, aus der eine andere Person keinen Ausweg gefunden hätte. Suche Menschen auf, höre den Erfahrungen anderer zu und finde so gemeinsam mit der Hilfe deines eigenen Geistes den Weg zur Heilung.“ Pfarrer Klaus Martin Untch schreibt: Sich um die eigene geistige Gesundheit zu kümmern, ist der erste Schritt, um auch für andere da sein zu können!

Gruppenbild mit einigen Ridern vor dem Schatzkästlein.                                 Fotos: die Verfasserin

Depression betrifft Millionen Menschen weltweit. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden etwa 7 Prozent der Bevölkerung an einer Depression, und in Rumänien sagt jeder Zweite unter den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, in den letzten Monaten mit Depression oder Angst konfrontiert gewesen zu sein. Diese Zahlen zeigen: Mentale Gesundheit ist nicht das Problem der anderen – sie betrifft alle. Und darüber wird noch immer nicht gesprochen. Wir wollen das ändern – und beginnen aus dem Sattel eines Motorrads.

Die Hermannstädter Band „Doomsday Astronaut“ eröffnete die Party im Hof der Evangelischen Akademie Siebenbürgen.   Foto: Ștefan TRIHENEA

Die Initiative wolle dazu beitragen, diese Realität zu verändern – durch Information, Solidarität und bürgerschaftliches Engagement: Wir glauben, dass jedes Gespräch ein Leben retten kann, jede unterstützende Geste zählt und wir gemeinsam eine Gesellschaft aufbauen können, in der Menschen ohne Angst und ohne Scham um Hilfe bitten und Hilfe bekommen. Wir wollen in Rumänien eine Gemeinschaft aus Motorradfahrern und Menschen aufbauen, die überzeugt sind: Schweigen fordert mehr Opfer als die Straße. Der Erlös der ersten Aktion geht an Diakoniewerk Rumänien und an Mindset.

Vom Kleinen Ring fuhr der Konvoi Richtung Tagungshaus der Evangelischen Akademie Siebenbürgen in Neppendorf. Hier wurde bei Konzerten von Doomsday Astronaut und Spitalul de Urgență zünftig gefeiert.

Mehr dazu unter https://mind-riders.com

Beatrice UNGAR

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Soziales.