Wertvolle Zeit miteinander verbracht

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Fortbildungsreise für Mediascher Kirchenführerinnen und Kirchenführer

Ausgabe Nr. 2964

Gruppenbild mit Kurator Andreas Schertzer (links außen) in der evangelischen Kirche in Birk.                                                                                 Foto: Privat

Die jugendlichen Kirchenführerinnen und -führer der Evangelischen Kirchengemeinde A. B. Mediasch sind zugleich Schüler und Schülerinnen der Klassen 9-11 des Mediascher „Roth-Oberth“-Gymnasiums. Dabei spielt es keine Rolle, welcher Konfession man angehört – wichtig ist, lernbegierig zu sein, bereit für Gespräche in verschiedenen Sprachen mit Menschen aus aller Welt und aus ganz unterschiedlichen Kulturen, nicht zuletzt sich als guter Gastgeber zu verhalten. Dieses lernen die Jugendlichen von Pfarrerin Hildegard Servatius-Depner und den hauptamtlichen Kirchenführerinnen Christa Moldovan und Naomi Marian. Lesen Sie im Folgenden den Bericht der Kirchengemeinde von der diesjährigen Fortbildungsreise durch Nordsiebenbürgen:

Die Jugendlichen beginnen ihre jährliche Fortbildung bereits im Frühjahr, ihr Dienst beginnt praktisch mit dem Ferienbeginn. Eine Anzahl von 25-30 Jugendliche melden sich dafür an. Die Unterrichtseinheiten werden von Pfrn. Hildegard Servatius-Depner verantwortet, zum Abschluss finden kleine Prüfungen statt. Viele Touristen aus dem In- und vor allem aus dem Ausland besuchen täglich das Kirchenkastell in Mediasch und unsere einladende Margarethenkirche, die auch viele Konzerte im Rahmen des Orgelsommers anbietet, meistens am Montagabend aber manchmal sogar drei Konzerte in einer einzigen Woche. Eine der bewährten Methoden für die Fortbildung der Kirchenführer ist „learning by doing“. Damit ist gemeint, dass sie sich einfach vor Menschen aus aller Welt stellen und Führungen auf Deutsch, Rumänisch oder Englisch anbieten. Sie erfahren bald, während des Gesprächs, das sich oft vom Monolog zum Dialog entwickelt, wo die Interessen des Gegenübers liegen, aber auch wo sich eigene Wissenslücken befinden. Eine weitere bewährte Methode des Lernens ist, sich selbst in die Position des Besuchers zu stellen, dabei zu lernen, was gut oder nicht so gut ankommt, was eben bei einer Kirchenführung nicht so vorteilhaft ist.

So ist mit dem Kursbeginn jedes Jahr auch eine Fortbildungsreise zu verschiedenen sakralen Sehenswürdigkeiten verbunden. Letztes Jahr führte die Reise ins Burzenland, nach Honigberg/Hărman, Kronstadt/Braşov, Zeiden/Codlea und nach Kleinschenk/Cincşor. Die Jugendlichen lernen dabei die geschichtlichen Zusammenhänge, über die Entstehung der Kirchen und den Kirchenburgen, aber auch über die Geschichte der jeweiligen Region und ihrer Menschen. Sie erleben das durch den Vortrag und die Begegnungen mit verschiedenen kirchlich engagierten Personen, das sind Kirchenführer, Pfarrer, Kuratoren oder Kirchendiener, also differenzierte Herangehens- und Sichtweisen. Die Fortbildungsreise soll zuallererst ausbilden, aber auch Freude für den freiwilligen Dienst als Kirchenführer bereiten. Sie soll den Horizont der Jugendlichen erweitern und die Gewissheit schenken, dass es sich lohnt, Siebenbürgen als Tourist zu besuchen und es als Touristenführer zu erleben. Auch ist gewünscht, bei den Jugendlichen die Neugier für die Geschichte zu wecken. Selbstverständlich sollen sie auch die Möglichkeit erhalten, andere Kirchenführer kennenzulernen, in anderen Kontexten, und durch eigene Fragen mehr zu lernen.

Die Fortbildungsreise führte uns in diesem Jahr am 16. Juni zuerst nach Bistritz/Bistriţa, danach nach Mönchsdorf/Herina, anschließend nach Sächsisch-Regen/Reghin und zuletzt nach Birk/Petelea. Die Kirchenführerin Petra Ghionea schrieb dazu: „Eine sehr schöne und interessante Reise durften wir in diesem Jahr wieder unternehmen! Am Morgen sind wir mit einem großen Bus der Mediascher Firma MTM losgefahren, in Bistritz wurden wir von Kuratorin Katharina Borsos, der Sekretärin Ana Lungu und Pfarrer Andreas Hartig sehr herzlich empfangen. Wir besuchten dann die große wunderschön renovierte Stadtpfarrkirche. Von Pfarrer Hartig haben wir bereits im Pfarrhof viel über die Geschichte der Stadt und der Kirche erfahren und was diesen Bau so besonders macht: sie besitzt den höchsten Kirchturm in Siebenbürgen, die Zunftfahnen, die Teppiche, die Grabsteine… Wir bewunderten die schön restaurierte Orgel (Johannes Prause, 1794) u. v. a. m. Wir konnten dabei Ähnlichkeiten und auch Unterschiede zu unserer Margarethenkirche in Mediasch entdecken. Einer der schönsten Momente war, als wir mit dem (einzigartigen!) Aufzug hinauf in den Turm gefahren sind. Von oben hatten wir einen wunderschönen Blick auf die Stadt, es wurden viele Fotos gemacht. Danach haben wir in einem Restaurant zu Mittag sehr gut gegessen, wir sprachen davor ein Gebet und hatten eine sehr gute Gemeinschaft. Die Freizeit in der Altstadt war kurz, aber schön. Einige schlenderten einfach durch die Gassen, wir – ein paar Mädchen – gingen in ein hübsches Café, wo wir ein Getränk genossen und uns ein wenig unterhalten haben.

Als wir wieder beim Bus waren, lachten wir viel und hatten sehr viel Spaß auf dem Weg zur nächsten Station: die kleine Dorfkirche in Mönchsdorf, sehr malerisch auf einem Hügel gelegen. Dort hat uns die Kirchenführerin Brigitte Budăcan empfangen und uns die Geschichte der Kirche erzählt (sie stammt vom Anfang des 13. Jhs.!), dann stiegen wir auch da zur Orgel hinauf, leider funktionierte sie nicht. In Mönchsdorf wird die Kirche hauptsächlich als Museum benutzt (vom Stadtmuseum in Bistritz aus verwaltet), und äußerst selten für Gottesdienste. Wir saßen anschließend draußen auf dem Gras, in der Sonne, aßen leckere Kirschen von einem Baum in der Nähe und genossen einfach das wunderschöne Wetter. Natürlich haben wir da auch ein Gruppenfoto gemacht. Weiter fuhren wir nach Sächsisch-Regen, wo uns Pfarrer Johann Zey mit seiner Frau Martina Zey, dazu Kurator Ernst Bachmann und Kirchendienerin Erika Bencze sehr herzlich und mit einer reich gedeckten Tafel empfangen haben. Wir besichtigten auch da die Kirche, Pfarrer Zey erzählte uns viel über die Vergangenheit des Ortes und über die Menschen, die dort gelebt haben. Wir erfuhren dabei über die Evakuierung im September 1944, als sehr viele Siebenbürger Sachsen aus dieser Region sich in Richtung Ungarn und Österreich aufmachen mussten. Auch in Sächsisch-Regen erfuhren wir also viel Neues – da ist sogar die älteste erhaltene Majuskel-Inschrift zu bewundern, die belegt, dass die Kirche 1330 gebaut wurde. Auch da stiegen wir zur Orgel hinauf und weiter auf den Turm. Es folgte dann der reichhaltige Imbiss, mit belegten Broten, Kuchen, Saft u. a. Die Leute in Sächsisch-Regen waren sehr gastfreundlich.

Auf dem Heimweg haben wir auch in Birk Halt gemacht. Da sind wir zwar nicht lange geblieben, weil es bereits spät war und viele von uns schon recht müde waren. Dennoch hörten wir uns die Geschichte der Kirche an und die bewegende persönliche Erzählungen von Kurator Andreas Schertzer, über die schwere Zeit in den Jahren 1944-1945. Zum Schluss sangen wir ein paar Lieder und sprachen vor der Abreise ein Gebet. Pfarrer Zey segnete unsere Gruppe und wir stiegen danach in den Bus. Wir waren am Ende des Tages müde, aber glücklich wieder in Mediasch.

Es war ein sehr gelungener Ausflug, bei dem wir sehr schöne Orte gesehen, Neues gelernt und wertvolle Zeit miteinander verbracht haben. Diese Reise wird uns allen sicherlich in sehr guter Erinnerung bleiben.“

Nun bleibt nur noch einen ganz großen Dank auszusprechen: der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg für die erneut großzügige finanzielle Unterstützung dieses Vorhabens, der Kirchengemeinde Mediasch und allen Organisatoren und Gastgeberinnen bzw. Gastgebern dieses ganz besonderen Tages. Wir sind gespannt, wohin uns nächstes Jahr die Fortbildungsreise führen wird…

Veröffentlicht in Jugend, Aktuelle Ausgabe.