Buch über die Nachbarschaften im Mediascher Stuhl
Ausgabe Nr. 2964

Prof. Dr. Zeno-Karl Pinter, Dr. Simona Maria Malearov, Dr. Ciprian Ștefan, Martin Bottesch und Moderator Benjamin Józsa sprachen bei der Buchvorstellung im Spiegelsaal (v. l. n. r.). Foto: die Verfasserin
Um eine „fast verschwundene Welt“ gehe es in ihrer neuesten Veröffentlichung, sagte die Volkskundlerin Simona Maria Malearov bei der im Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt erfolgten Vorstellung ihres Buches „Sub semnul rânduielii săsești. Vecinătăți rurale din Scaunul Mediaș“ (Im Zeichen der sächsischen Ordnung. Dörfliche Nachbarschaften im Mediascher Stuhl), das vor kurzem erschienen ist. Dabei handelt es sich um ihre in Buchform gegossene Dissertation aus dem Jahr 2023.
Als langjährige Mitarbeiterin des ASTRA-Museums beschäftigt sich Simona Maria Malearov eingehend mit den Bräuchen und der Lebensweise der Siebenbürger Sachsen. Dabei sei sie auf die Tatsache gestoßen, dass es sehr wenig Dokumentation über die Nachbarschaften im Mediascher Stuhl gibt. So richtete sie ihr Augenmerk darauf und hatte vor allem in der Heimatgemeinschaft Baassen und insbesondere in Michael Hermann eine wichtige Gewährsperson. Desgleichen habe sie das Glück gehabt, den inzwischen verstorbenen rührigen Kurator der Reichesdorfer evangelischen Kirchengemeinde, Johann Schaas, interviewen zu können. Eine Aufnahme dieses Gesprächs wurde zum Abschluss der Buchvorstellung gezeigt.
Das Buch selbst ist ein Ergebnis ihrer Dissertation. Doktorvater Prof. Dr. Zeno-Karl Pinter, der auch das Vorwort verfasst hat, sagte, er sei hoch erfreut, diese Doktorandin betreut zu haben und damit sei auch einer seiner Träume in Erfüllung gegangen, nämlich die Lebensordnung der Siebenbürger Sachsen einmal rein wissenschaftlich zu beleuchten. In diesem Forschungsbereich sei „noch viel Luft nach oben“ vorhanden. Insofern betrachte er die Arbeit von Malearov als Leitmotiv einer zukünftigen Veröffentlichung.

Simona Maria Malearov: Sub semnul rânduielii săsești. Vecinătăți rurale din Scaunul Mediaș. Editura Muzeului Național Brukenthal/Editura ASTRA Museum 2025, Hermannstadt, 358 Seiten, ISBN 978-630-6520-94-7/ISBN 978-606-733-395-4.
Erfreut über dieses Buch zeigte sich auch der Generaldirektor des ASTRA-Museums Ciprian Ștefan. Er selbst habe zum ersten Mal mit der Ordnung der Siebenbürger Sachsen im Hof der Familie Malearov Bekanntschaft gemacht. Damals habe er verstanden, was mit dem Spruch „rânduială ca la sași“ (Ordnung wie bei den Sachsen) gemeint ist. Ștefan lobte auch seine Kollegin, die zu dem professionellen Team des Museums gehört: „Die Menschen sind die wichtigsten Ressourcen in einer Institution und deshalb sind wir in Rumänien die besten. Wir stehen dazu: Kultur bedeutet Entwicklung und Fortschritt.“
An seinen Erinnerungen an die Zeiten, als es noch Nachbarschaften in der Landlergemeinde Großpold gegeben hat, ließ der frühere Vorsitzende des Kreisrats Hermannstadt und des Siebenbürgenforums Martin Bottesch das Publikum teilhaben. Die Nachbarschaft habe zu seinem Leben gehört, sagte er und erzählte, er sei dabei gewesen, als sich die Neugässer Nachbarschaft daselbst aufgelöst hat. Er habe damals das Protokoll geschrieben. Jetzt gäbe es die Nachbarschaften nur noch in Büchern und es sei sehr gut, dass jetzt eine Studie zu einer gewissen Region veröffentlicht worden sei.
Die Autorin des Buches sagte, es sei für sie eine wunderbare Fügung, dass sie ihre persönliche Erfahrung mit ihrer beruflichen Laufbahn verbinden konnte. Das Buch schließe eine Lücke, was die Informationen zum Thema Nachbarschaften in der Mediascher Gegend betrifft.
Michael Hermann dankte Malearov und erwähnte, dass er und mehrere HOG-Mitglieder einen zweiwöchigen Arbeitseinsatz in ihrem Heimatort hatten.
Das Buch wurde aus Mitteln des Departements für interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der Rumänischen Regierung durch das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien und das Demokratische Forum der Deutschen in Hermannstadt gedruckt.
Beatrice UNGAR