Leichtes Wachstum, große Aufgaben

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Die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien zieht Bilanz und blickt auf neue Projekte

Ausgabe Nr. 2953

Die Pressekonferenz der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien fand in Räumlichkeiten der Heltauer Kirchenburg statt. Unser Bild (v. l. n. r. ): Bischof Reinhart Guib, Cristian Cismaru und Stadtpfarrer László-Zorán Kézdi.

„Herzlich willkommen in der Heltauer Kirchenburg“, begrüßte Stadtpfarrer László-Zorán Kézdi die anwesenden Journalistinnen und Journalisten und verwies auf die besondere Atmosphäre des Ortes. Die dicken Mauern und der weite Innenhof standen am Dienstag, dem 24. März, nicht nur für Geschichte, sondern auch für Gegenwart und Zukunft der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien (EKR). Anlass war eine Pressekonferenz, bei der die Kirchenleitung ihr jährliches Update gab und zugleich einen Ausblick auf geplante Projekte im Jahr 2026 präsentierte.

Durch das Programm führte Pressesprecher Hans Königes. Gastgeber Kézdi gab zu Beginn einen Einblick in die Geschichte und die heutige Nutzung der Kirchenburg. Die Heltauer Gemeinde zählt rund 250 Mitglieder und ist damit, nach Hermannstadt, die größte evangelische Gemeinde des Kreises. Die Kirchenburg sei dabei weit mehr als ein historisches Bauwerk: „Sie ist ein Ort des Glaubens, aber auch der Begegnung“, betonte Kézdi. Neben der Bewahrung des kulturellen Erbes, etwa durch Restaurierungsarbeiten an Kirche, Orgeln und Fresken, spiele die Gemeindearbeit eine zentrale Rolle. „Wir wollen hier nicht nur erhalten, sondern auch lebendig bleiben.“

Im Anschluss richtete sich der Blick auf die Gesamtkirche. Bischof Reinhart Guib stellte aktuelle Zahlen und Entwicklungen vor. Derzeit zählt die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien 10.885 Mitglieder, ein leichter Zuwachs von 93 Personen im Vergleich zum Vorjahr. Bereits im Jahr zuvor habe es erstmals seit Jahrzehnten wieder ein kleines Wachstum gegeben. Angesichts eines langfristigen Rückgangs, von rund einer halben Million Mitgliedern im Jahr 1939, sei das bemerkenswert. „Dass wir heute wieder ein Plus verzeichnen, ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt Guib. Gründe dafür seien unter anderem Rückkehrer aus Deutschland sowie die Möglichkeit der Zweitmitgliedschaft.

Andreea Mănăstirean (stehend links) stellte den anwesenden Journalistinnen und Journalisten und Hans Königes (sitzend rechts) ihr Vorhaben der „Ateliers” vor, die dieses Jahr in Heltau und Großschenk stattfinden und lokale Handarbeitstechniken vermitteln sollen.        
Fotos: Alisa SCHWARZ

Gleichzeitig sprach der Bischof offen über die strukturellen Herausforderungen. Viele Gemeinden seien heute sehr klein, manche bestünden nur noch aus wenigen Mitgliedern. „Wir müssen neue Formen finden, Kirche zu leben und zu organisieren“, betonte er. Ein zentraler Schwerpunkt werde daher die Frage nach den „Zukunftsformen der Kirche“ sein, die im Jahr 2026 verstärkt in den Fokus rücken soll. Dabei gehe es insbesondere um Kooperationen und Zusammenschlüsse von Gemeinden, um langfristig handlungsfähig zu bleiben.

Auch die Stiftung Kirchenburgen nutzte die Pressekonferenz, um über ihre Arbeit und kommende Projekte zu informieren. Geschäftsführer Cristian Cismaru hebt die wachsende Bedeutung des Tourismus hervor. „Die Kirchenburgen sind nicht nur kulturelles Erbe, sondern auch eine Chance für die Zukunft“, sagte er. Im vergangenen Jahr wurden rund eine Million Besucher gezählt, etwa 60 Prozent davon aus dem Inland. Auch diese Zahlen steigen.

Zu den zentralen Initiativen zählt weiterhin das Programm „FortiVacation“, das Aufenthalte in Kirchenburgen mit kulturellen und gastronomischen Angeboten verbindet. Ebenso werden die „Transylvanian Brunches“ fortgeführt, die in diesem Jahr in diversen Kirchenburgen stattfinden sollen, wo es sie davor noch nicht gegeben hat. Dabei gehe es nicht nur um touristische Attraktivität, sondern auch um die Einbindung lokaler Gemeinschaften und die Förderung regionaler Produkte.

Foto: Stefan Kézdi

Mit Blick auf 2026 kündigte Cismaru zudem verstärkte Digitalisierungsmaßnahmen an. Geplant sind übersichtlichere Öffnungszeiten, Online-Tickets sowie langfristig auch digitale Angebote wie Routenplaner oder Besucherpässe. „Wir wollen den Zugang zu unseren Kirchenburgen einfacher und zeitgemäßer gestalten“, erklärt er.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bildungsarbeit. Andreea Mănăstirean, Verantwortliche für Bildungsprojekte in der Stiftung Kirchenburgen, stellte Projekte wie die „Schule in der Kirchenburg“ vor, bei denen Kinder und Jugendliche die Anlagen erkunden und zugleich Einblicke in traditionelles Handwerk erhalten. Ziel sei es, das Bewusstsein für das kulturelle Erbe früh zu fördern und die Kirchenburgen als Lernorte zu stärken.

Zum Abschluss der Pressekonferenz führte Ortspfarrer Kézdi die Gäste durch die imposante Anlage der Heltauer Kirchenburg. Dabei verwies er auch auf die in den vergangenen Jahren freigelegten und teilweise restaurierten mittelalterlichen Fresken im Innenraum der ursprünglich der Heiligen Walburga geweihten Kirche. Sie stehen sinnbildlich für das Anliegen der Veranstaltung: das Bewahren des Bestehenden und zugleich das Weiterdenken an die Zukunft.

Tobias JARITZ

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kirche.