Haushalt, Berichte, Probleme

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Die Vertreterversammlung des DFDR tagte im Georg-Daniel-Teutsch-Saal

Ausgabe Nr. 2953


Christel Ungar-Țopescu (links) nahm die Goldene Ehrennadel und das dazugehörende Ehrendiplom von dem DFDR-Landesvorsitzenden Dr. Paul -Jürgen Porr entgegen. Foto: Laura MICU

Die Vertreterversammlung des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR) trat am Freitagnachmittag, dem 27. März, zu einer ordentlichen Tagung im Georg-Daniel-Teutsch-Saal im Bischofspalais in Hermannstadt zusammen. Die Sitzung wurde vom DFDR-Vorsitzenden Dr. Paul-Jürgen Porr geleitet, an ihr nahmen Vertreter aller fünf Regionalforen, Geschäftsführer der DFDR-Stiftungen und die ADJ-Vorsitzende Corina Stănese, der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganț sowie der Unterstaatssekretär im Departement für interethnische Beziehungen (DRI) Thomas Șindilariu teil. Im Anschluss an die Sitzung wurde Christel Ungar-Țopescu die Goldene Ehrennadel des DFDR verliehen. 

 

Ebenda hatte zuvor der Vorstand des DFDR getagt. Die Vertreterversammlung wurde mit einer Minute stillen Gedenkens an Antonia Maria Gheorghiu, die ehemalige Vorsitzende des Regionalforums Buchenland, begonnen.

Der wichtigste Tagesordnungspunkt war der Haushaltsvoranschlag für das laufende Jahr. Dank zahlreicher politischer Gespräche des DFDR-Abgeordneten Ovidiu Ganț u. a. mit Premierminister Ilie Bolojan anlässlich dessen Besuch in der Bundesrepublik Deutschland sowie der Fürsprache von CDU/CSU-Politikern ist für die deutsche Minderheit im diesjährigen rumänischen Staatshaushalt dieselbe Summe vorgesehen, die sie 2025 erhalten hat (ca. 21 Millionen Lei). Die ursprünglich mitgeteilte Kürzung konnte demnach verhindert werden. Sowohl Dr. Porr als auch MP Ganț appellierten jedoch an die Foren, umsichtig zu planen, keine unnötigen Ausgaben zu tätigen oder Reisen zu veranstalten, weil es durchaus möglich ist, dass wegen Nichteinhaltung des geplanten Haushaltsdefizits bei der Umschichtung im Sommer auch den Minderheitenorganisationen Mittel gekürzt werden. Nach eingehenden Erläuterungen von Geschäftsführer Benjamin Józsa befürwortete der Vorstand den Haushaltsvoranschlag, der in der Vertreterversammlung einstimmig angenommen wurde.

Berichte vorgestellt oder vorgelegt haben vor den Vertretern des Deutschen Forums der Vorsitzende, der Abgeordnete sowie die Kommissionsvorsitzenden und Repräsentanten im Rat der nationalen Minderheiten. Dr. Porr erwähnte als wichtigsten Punkt die Tagung der deutsch-rumänischen Regierungskommission im November l. J. in Bukarest und zählte sodann die zahlreichen Gespräche mit Vertretern deutscher Einrichtungen in Rumänien sowie Teilnahmen an Veranstaltungen auf. MP Ganț berichtete über seine Bemühungen, die eine Mittelkürzung zu vermeiden und teilte mit, dass auch seine drei eingereichten Haushalts-Zusatzanträge über 800.000 Lei für die Sanierung von Gebäuden von Kultusgemeinschaften (500.000 Lei für das Bischofspalais in Hermannstadt, 250.000 Lei für die Katharinenkirche in Temeswarsowie 58.000 Lei für die Synagoge der Temeswarer Innenstadt) angenommen worden sind. Er erläuterte die äußerst komplizierte Lage innerhalb der Regierungskoalition und die Schwierigkeiten der Fraktion der nationalen Minderheiten sich als solche zu positionieren, weil jedes Problem politisch gelöst wird. Er berichtete über die Absicht des Schulleiters in Deva, für die deutschsprachige 9. Klasse nur eine halbe Klasse vorzusehen, wogegen die Eltern protestiert haben und was dank seinem Vorsprechen beim Unterrichtsminister verhindert werden konnte. Abwenden konnte er ferner die Absicht der TVR-Generaldirektorin, die Redaktion der deutschen Sendung abzuschaffen. Im Vorstand hatte MP Ganț seine Unzufriedenheit mit der ADZ-Chefredaktion geäußert und motiviert. Nach eingehender Debatte wurde beschlossen, diese zu einem Gespräch in die nächste Vorstandssitzung einzuladen.

Unterstaatssekretär Thomas Șindilariu berichtete über seine Teilnahme an der bayerisch-rumänischen Regierungskonferenz und teilte mit, dass dem Departement für Interethnische Beziehungen (DRI) trotz schwieriger finanzieller Lage Mittel für Projekte zur Verfügung stehen, die Anträge müssen jedoch den vorgeschriebenen Kriterien entsprechen.

Monika Hay fasste den in der Mappe aufliegenden Bericht der Schulkommission zusammen und ging auf die Anzahl der Schüler und Kindergartenkinder, die Übersetzung der Schulbücher, die Deutsches-Sprachdiplom-Prüfung sowie die Förderung von heuer 1001 deutschsprachigen Erziehern durch die Saxonia-Stiftung aus Mitteln des Deutschen Bundestages ein. Der Bericht von Dr. Christian Chioncel der Wirtschaftskommission lag in der Mappe vor. Christian Töpfer berichtete, dass sich die Kulturkommission des Rats der nationalen Minderheiten an dem diesen gewidmeten Tag (18. Dezember) getroffen hat.

Besprochen wurde in beiden Gremien die Situation im Regionalforum Buchenland, wo nach dem Tod von Antonia Gheorghiu niemand den Vorsitz übernommen hat. Zugegen waren in der Vertreterversammlung Repräsentanten der Ortsforen Suczawa/Suceava, Dorna-Watra/Vatra Dornei und Kimpolung/Câmpulung sowie Otto Exner, der Vorsitzende der Bukowina-Stiftung. Letzterer bot sich an und wurde diesbezüglich dann beauftragt, nach Ostern eine Sitzung mit den Vertretern der dem Regionalforum zugehörenden Ortsforen anzuberaumen, zu der auch der Landesvorsitzende und Geschäftsführer sowie Carmen Cobliș, die Geschäftsführerin des Regionalforums Altreich, die seit 2021 auch die Geschäftsführung dieses Regionalforums sichert, eingeladen werden sollen.

DFDR

 

Die dreifache Christel

Laudatio auf Christel Ungar-Țopescu / Von Benjamin JÓZSA

 

Wir sind heute zusammengekommen, um eine ganz besondere Persönlichkeit unserer rumäniendeutschen Gemeinschaft zu ehren, deswegen habe ich mir erlaubt, Erich Kästner etwas paraphrasierend die Laudatio „Die dreifache Christel“ zu nennen.

Die erste Christel kennen wir alle aus dem Fernsehen, als Moderatorin, als Leiterin der deutschen Sendung Akzente und natürlich als Filmemacherin. Bereits kurz nach der Wende, im Jahre 1990 wurde Christel Ungar TV-Redakteurin beim öffentlich-rechtlichen Fernsehsender TVR, von 2003 bis 2016 hielt sie die Stelle als Chefredakteurin inne. Zwischen 2016 und 2017 bzw. 2018 bis 2025 war sie Mitglied des Verwaltungsrates der TVR.

Als Filmemacherin wurde sie mehrfach preisgekrönt:

– 1991 erhielt sie den MGR-Preis für das Porträt des Hermannstädter Malers Hans Hermann

– 2004 den Preis des CNA für die „Beste Sendung in der Sprache einer nationalen Minderheit“

– 2016 den Preis der APTR für das Interview mit der weltbekannten Violinistin Anne-Sophie Mutter

Nicht zuletzt kennen und schätzen wir die erste Christel als Moderatorin und Organisatorin der runden Geburtstage des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien.

Die zweite Christel, die Poetin, ist im Gegensatz zur ersten Christel etwas öffentlichkeitsscheu. Sie teilt sich mit durch das verknappte Wort, durch bewusst karge Metaphern, durch exakte Beobachtung der liebenden Seelen. Ihre Verse, gesammelt in den Bänden: So blau, erschienen bei Global Media 2001; Wenn wir jetzt, erschienen beim Honterus Verlag 2021; Rot, erschienen beim Honterus-Verlag 2016; Du bist mein Kreuz, erschienen beim Honterus-Verlag 2020 suchen, umkreisen, finden, lassen los, kehren zurück und zerfallen manchmal zu Gefühlen, die ratlos zurücklassen. Die condition humaine scheut die Eindeutigkeit, sucht das Licht und findet Schatten, der mehr betont als es jeder noch so starke Lichtstrahl es vermöchte. Die zweite Christel kultiviert die Stille und die Liebe, ohne die die erste Christel nicht möglich wäre.

Die dritte Christel schließlich ist die Jazzsängerin, die Vokalakrobatin, die bühnenfüllende Künstlerin, die sich ohne Rücksicht auf sich selber vergibt. Wer Christels Interpretationen gehört, vergisst sie nicht, wer einen ihrer Jazzauftritte erleben durfte, weiß, dass die Muse nicht nur ein blutleeres Wort ist.

Wir sind heute zusammengekommen, um die Filmemacherin, die Moderatorin, die Dichterin und die Sängerin Christel Ungar zu ehren. Vor allen Dingen aber, ehren wir den Menschen, ohne den man sich unsere deutsche Gemeinschaft nicht vorstellen kann, den Menschen, der Zeit seines Lebens nicht nur gewusst hat, welches sein Platz ist, sondern diesen auch jedes Mal exemplarisch ausgefüllt hat und – das ist wichtig! – auch weiter ausfüllen wird. Der Vorstand des DFDR hätte keine bessere Wahl treffen können. Herzlichen Glückwunsch!

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Persönlichkeiten, Politik.