Vom langen 18. Jahrhundert

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Zwei Bücher zur Geschichte Südeuropas von Harald Heppner vorgestellt

Ausgabe Nr. 2951

Prof. Harald Heppner in der Bibliothek des Forschungsinstituts für Geisteswissenschaften der Rumänischen Akademie in Hermannstadt mit seinem Buch „Neuzeit mit Verspätung“.                           Foto: Alisa SCHWARZ

Der Historiker Harald Heppner stellte am 6. März gleich zwei Bücher im Forschungsinstitut für Geisteswissenschaften der Rumänischen Akademie in Hermannstadt auf Rumänisch, Deutsch und Englisch vor. Es handelte sich um „Yearbook of the Society for 18th Century Studies on South Eastern Europe. Secularisation between the Adriatic and the Carpathians/Säkularisierung zwischen Adria und Karpatenbogen”, Band 8/2025 und „Neuzeit mit Verspätung. Die Anfänge der Transition in Europas Südosten (1683-1821)”.

Zwischen alten und neuen Büchern der hauseigenen Bibliothek des Instituts fanden sich Interessierte ein und lauschten zu Beginn der Einführung des Institutsleiters Prof. univ. Dr. Rudolf Gräf.

Als Gräf das Wort an Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Harald Heppner von der Karl-Franzens-Universität Graz übergab, wurde es still und Heppner tauchte sofort tief in das europäische 18. Jahrhundert ein. Das Projekt rund um „Yearbook of the Society“ wurde 2016 an der Universität Graz von der „Gesellschaft zur Erforschung des 18. Jahrhunderts im südöstlichen Europa“ gegründet. Das Magazin stellt eine Plattform für wissenschaftliche Arbeiten über das 18. Jahrhundert dar und bietet angehenden und etablierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit mitzuarbeiten und ihre Beiträge in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung zu stellen. Die Open-Access-Zeitschrift ist online frei zugänglich und strebt an, die „Forschung zum südosteuropäischen Raum im ‚langen’ 18. Jahrhundert zu fördern und die zentrale Bedeutung dieser Übergangszeit für die spätere Entwicklung der Region hervorzuheben.“

Nach einigen Fragen aus dem Publikum wendete sich die Aufmerksamkeit auf das zweite Buch des Abends. „Neuzeit mit Verspätung“ erschien am Tag der Buchvorstellung, also am 6. März 2026 und wurde folglich in Hermannstadt erstmals öffentlich präsentiert. Dass das Buch hier in Hermannstadt zuerst vorgestellt wurde, ist ein Zufall, erklärte Heppner im Interview, aber dennoch gibt es einen mentalen Grund. Er erklärt: Ich habe mit Rumänien und somit auch mit Siebenbürgen seit Jahrzehnten sehr viele enge Beziehungen – fachlicher und persönlicher Art – weshalb es eigentlich sinnvoll ist, ein Buch, das sich auf diesen Raum bezieht, in diesem Raum zuerst zu präsentieren.“

Harald Heppner: Neuzeit mit Verspätung. Die Anfänge der Transition in Europas Südosten (1683-1821), Nomos Verlags GmbH Baden-Baden 2026, 202 Seiten, ISBN 978-3-7560-3567-0, 54 Euro.

In seinem Buch klärt der Historiker über weite Veränderungen in Südosteuropa im 18. Jahrhundert auf. Er untersucht, wie Entwicklungen der Neuzeit, die im Westen bereits etabliert waren, Südosteuropa erst später erreichten und dort tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen auslösten. Denn während sich im sogenannten „Occident“ bereits seit dem 15. Jahrhundert etwa mit der Renaissance, Reformation, Kolonialisierung oder dem aufkommenden Kapitalismus eine neue gesellschaftliche Ordnung herausbildete, sind viele Regionen in Südosteuropa lange von spätmittelalterlichen Strukturen geprägt. Auch Siebenbürgen sowie die rumänischen Fürstentümer Moldau und Walachei entwickelten sich anders als viele Regionen Westeuropas. Erst im 18. Jahrhundert setzte laut Heppner ein Prozess tiefgreifender Veränderungen ein, durch den der Südosten des Kontinents zunehmend in westeuropäische politische und wirtschaftliche Entwicklungen eingebunden wurde: „Das macht nun den Südosten des Kontinents zum europäischen Südosten”, erklärte Heppner. Als wichtigen historischen Wendepunkt nannte der Historiker die Ereignisse rund um die Osmanische Belagerung Wiens im Jahr 1683. Die darauffolgenden militärischen Konflikte führten zu einer neuen Machtkonstellation in Europa. Diese Entwicklungen markierten den Beginn eines langfristigen Transformationsprozesses in Südosteuropa, dessen Auswirkungen bis in die Gegenwart reichen.

Heppner denkt bereits seit etwa einem Jahrzehnt über die Themen seines Buches nach, hatte aber lange keine Zeit, sich ihnen intensiv zu widmen. Im Vortrag verriet er, eine Kollegin, die heute bei der Präsentation im Publikum war, hätte ihm einen Anstoß gegeben, das Buch zu schreiben: „Das war nicht der einzige Auslöser, aber jedenfalls ein Motiv, nun endlich anzufangen. Und das habe ich von November 2023 bis September 2025 gemacht. Und jetzt ist es da. In gewisser Weise kann man sagen, hat Hermannstadt ein bisschen Mitverantwortung, dass es so weit kam.“

Alisa SCHWARZ

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Bücher.