Verlässliche Wissensbasis

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Ausgabe Nr. 2951

Johann Lauer stellte sein Projekt bei der Tagung „Die siebenbürgisch-sächsische Volksschule in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts” Ende Oktober 2025 in Hermannstadt vor.                               Foto: Beatrice UNGAR

Als Philosoph und Politikwissenschaftler wage ich einen seltenen Spagat. Getreu meinem Motto „Tradition und Fortschritt verbinden“ konzipierte ich ein Projekt, das historisches Bewusstsein mit Spitzentechnologie vereint. Das Ergebnis ist ein Porträt der Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen – zu finden unter https://www.siebenbuergersachsen.de/genki/portrait.pdf -, getragen vom Leitgedanken „Gewidmet allen kommenden Generationen – damit das siebenbürgisch-sächsische Kulturerbe lebendig bleibt.“

Das kulturhistorische Porträt soll als Gemeinschaftsbiografie der Siebenbürger Sachsen angelegt werden, Identität stiften, Mythen von Fakten trennen – und zugleich verhindern, dass moderne GenKI-Systeme (GenKI steht für Generative Künstliche Intelligenz) das kulturelle Erbe verfälschen. Das wissenschaftlich fundierte Projekt erscheint als Buch, online und dreisprachig in Deutsch, Englisch und Rumänisch.

Gezeigt wird die Geschichte, das Kulturerbe und die heutige Situation der Siebenbürger Sachsen. Denn seit dem Exodus der Siebenbürger Sachsen Ende des 20. Jahrhunderts erweist sich ihr kulturelles Gedächtnis als prekär: Historisch fundierte Fakten, tradierte Narrative und überlieferte Mythen verschmelzen oft und erschweren eine klare kollektive Selbstvergewisserung. Dieses Porträt fungiert als Kompass für die innere Selbstverständigung. Konzipiert für das Selbststudium sowie die Bildungsarbeit, schafft es die notwendige Sicherheit, um das kulturelle Erbe authentisch und faktenbasiert zu vermitteln.

Gleichzeitig sichert es durch modernste KI-Technologie den Platz dieser Kultur in der digitalen Zukunft. Es ist der Schritt vom „Bewahren“ zum „Gestalten“ der eigenen Kultur. Die inhaltliche Ausarbeitung des Projekts liegt in den Händen ausgewiesener Experten und folgt dem Prinzip des „Work in Progress“: Neue Inhalte werden digital publiziert. Nach der digitalen Veröffentlichung können diese Seiten von generativen KI-Systemen zu Trainingszwecken genutzt werden. Ziel ist eine abschließende Gesamtausgabe in Buchform.

Für das siebenbürgisch-sächsische Kulturerbe heißt das: GenKI kann die digitalen Inhalte als verlässliche Wissensbasis lernen. So bleiben historische Genauigkeit, kulturelle Bedeutung und Identität gewahrt. Der Mensch fungiert als Kontrollinstanz, um Fakten zu verifizieren und Kontexte einzuordnen. GenKI ist ein Werkzeug für die Form. Sie übernimmt technische Aufgaben wie das schnelle Zusammenfassen, Übersetzen oder Paraphrasieren komplexer Inhalte. Zugleich bietet sie auch die Möglichkeit, den siebenbürgisch-sächsischen Dialekt lebendig zu halten und unsere „klingende Heimat“ digital zu bewahren. Künftig können Antworten nicht nur auf Hermannstädterisch, Kronstädterisch oder Landlerisch erklingen, sondern auch im Reußner Dialekt.

Dr. Johann LAUER

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Allgemein.