Neue Pfarrerin für Agnetheln und Gemeindeverband Agnetheln eingesetzt
Ausgabe Nr. 2949

Dann wurde es emotional: Sie habe nicht gedacht, dass es sie so sehr beeindrucken würde, gab Kuratorin Andrea Schiau Gull (rechts) zu, als sie der neuen Pfarrerin Bettina Kenst (links) im Beisein von Landes- und Bezirkskirchenkuratorin Carmen Schuster (2. v. l.) und Dechant Dietrich Galter (3. v. l.) den Schlüssel der Agnethler evangelischen Kirche übergab. Fotos: Beatrice UNGAR
Zwei Zahlen bestimmten die Einsetzung von Bettina Kenst als Pfarrerin für Agnetheln und den Gemeindeverband Agnetheln der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien am 28. Februar: 50 und 19. Wie Pfarrerin Kenst in ihrer Dankesrede im Festgottesdienst erklärte, habe ihr Vater, Gerhard Kenst, am 1. August 1975 sein Vikariat begonnen. Auf den Tag genau, 50 Jahre später, stand sie hier im Pfarrhaus und unterschrieb 2025 den Vertrag, für ihren geistlichen Dienst in Agnetheln und Umgebung. Das bedeutete, sie verantwortet für 19 Gemeinden, so viele Inseln zählt der Archipel Galapagos. In gewisser Weise handelt es sich also bei dem Zuständigkeitsbereich der neuen Seelsorgerin um einen Archipel mit 19 Inseln im Harbachtal.
„Von Alzen im unteren Harbachtal bis hinauf nach Henndorf, von Abtsdorf bis nach Zied, erstreckt sich der Gemeindeverband Agnetheln. Seinerzeit unter Pfarrer Reinhardt Boltres gegründet, entstand der Verband aus einer Notsituation heraus. Viele der 19 Gemeinden waren in der Diasporasituation nicht mehr in der Lage, sich selbst zu verwalten. Einige Gemeinden waren und sind bis heute ohne Gemeindemitglieder nur noch Verwaltungspunkte, andere sind Kleinstgemeinden mit ein bis zehn Mitgliedern. (…)Der Zusammenschluss dieser Gemeinden hat zu einer neuen Einheit geführt, in der man miteinander und füreinander arbeiten, beten und feiern will. Es gilt, Einzelne, sowie Gemeinden weiterhin zu stärken und die Seelsorge zu verbessern”. Dies schrieb Pfarrerin Bettina Kenst auf dem Januar-Blatt des Kalenders der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien (EKR) für das Jahr 2026 über den Gemeindeverband Agnetheln.

Die aus EU-Mitteln in der Zeitspanne 2021-2022 komplett sanierte Kirchenburg zieht immer mehr Touristen an.
Am Sonntag wurde sie nun als Pfarrerin für diesen „Archipel” eingesetzt. Im Vorfeld des Festgottesdienstes fand im Gemeinderaum im Pfarrhaus unter dem Vorsitz des Dechanten des Hermannstädter Kirchenbezirks der EKR, Pfarrer Dietrich Galter, eine Sitzung des Presbyteriums des Gemeindeverbands Agnetheln statt, bei der alle Anwesenden – es handelte sich um Kuratorinnen und Kuratoren von Kirchengemeinden aus diesem Verband – für diese Einsetzung stimmten. Während sich beim Glockenläuten die Gemeinde sich vor der Kirche versammelte, stellten sich die Pfarrerinnen und Pfarrer, das Presbyterium sowie die Ehrengäste auf dem Pfarrhof auf und begaben sich in geordnetem Zug zu der schmuck renovierten Kirche in der malerischen Kirchenburg. Vor der verschlossenen Kirche fand dann die feierliche Übergabe des Schlüssels durch die Agnethler Gemeindekuratorin Andrea Schiau-Gull an die eben im Amt bestätigte neue Pfarrerin statt. Diese schloss die Kirche auf und der Einzug konnte stattfinden, musikalisch begleitet von dem Harbachtalchor unter der Leitung von Cornelia Hemmann, und Musikwart Jürg Leutert an der Orgel, die den gesamten Gottesdienst mit frohen Klängen ausschmückten.

Bei der Sitzung des Presbyteriums mit Dechant Dietrich Galter (links) und Pfarrerin Bettina Kenst (am anderen Tischende). Foto: die Verfasserin
Begrüßt wurden alle von Dechant Galter, der in seiner Predigt zu Hebräer 10,23-25 daran erinnerte, dass der frühere Pfarrer Reinhardt Boltres im Juni 2020 tödlich verunglückt war und nun nach einer langen Vakanz endlich eine neue Pfarrerin eingesetzt werden kann. Desgleichen plädierte er erneut für den Gemeindeverband als Organisationsform für die EKR, als Modell für den Zusammenhalt.
Nach der Einführung der Pfarrerin durch Dechant Galter, Dechantstellvertreter Michael Reger und Pfarrer Ulf Ziegler gab es Grußworte. Pfarrer Ziegler sprach im Namen des Kirchenbezirks Mediasch, wo Pfarrerin Kenst von 2005 bis 2020 als Pfarrerin und Religionslehrerin gedient hatte und wies darauf hin, wie bereichernd ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen gewesen sei. Der Abschied sei ihnen in Mediasch nicht leicht gefallen, sagte Ziegler, aber „das heutige Fest bringt einen neuen Anfang und lädt ein zu Freude und Hoffnung”. Als Zeichen der Hoffnung bezeichnete auch Pfarrer Reger, der die Amtskollegin im Hermannstädter Kirchenbezirk begrüßte, diesen Tag. Michael Konnerth, der das Grußwort der Regionalgruppe Hermannstadt-Harbachtal im Verband der Heimatortsgemeinschaften und des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland überbrachte, pflichtete dieser Einschätzung bei. Seitens der Gäste aus anderen christlichen Konfessionen aus Agnetheln begrüßten Dechant Florin Țânț von der orthodoxen Kirchengemeinde, Pfarrer Tibor Babota von der römisch-katholischen Kirchengemeinde, Pfarrer Kozma Endre von der reformierten Kirchengemeinde und Pastor Nicolae Oltean von der Pfingstlergemeinde die neue Amtskollegin aufs Herzlichste und sprachen ihr ihre Unterstützung zu.
Die Gemeindekuratorin Schiau-Gull verlas die Grußworte der HOG Hundertbücheln und der HOG Agnetheln und dankte ihrerseits allen, die den Festgottesdienst mitgestaltet haben. Zuletzt bedankte sich Pfarrerin Kenst ebenfalls bei allen und sagte u. a.: „Ich komme als jemand, der mit Ihnen Kirche gestalten möchte. Mir ist wichtig, dass wir eine Gemeinde sind, die nahe bei den Menschen ist, ein offenes Ohr hat und in der die Freude am Glauben spürbar wird, am Glaubensleben auch im ökumenischen Sinne und Geist der Stadtgemeinde. Ich freue mich auf das Miteinander, auf Ideen, Gespräche und auch darauf, gemeinsam Neuland zu betreten.”
Beatrice UNGAR