Trendsport Axtwerfen macht Spaß

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Im neu eröffnetem Axe Throwing Club in Hermannstadt gelten strikte Regeln

Ausgabe Nr. 2945

Cosmin Stoenică (links) und sein Sohn Andrei greifen den Kunden unter die Arme, damit sie Spaß beim Axtwerfen haben.

„Axt in die dominante Hand nehmen, Arm nach hinten ausstrecken, Arm nach vorne schnellen, Axt mit einem Ruck loslassen. Die Axt dreht sich ein Mal und sticht genau in die Holzplatte”. Als Anfänger hat man tatsächlich die Erwartung, dass es direkt beim ersten Versuch auch klappt, doch meistens kommt dann eine bittere Enttäuschung. Die gute Nachricht ist, dass man im neu eröffneten Axtwerfen-Raum Platz genug hat, um zu üben, bis es klappt.

Eröffnet wurde einer der ersten Axtwerfen-Räume in Rumänien von Cosmin Stoenică, sein Sohn Andrei ist der Manager. Für diese Sportart – Axe Throwing – aus den USA und Kanada, die immer mehr Fuß in Europa fasst, hat er ein historisches Haus in der Schmiedgasse/Faurului Nr. 19 renoviert, das in den letzten Jahren vernachlässigt wurde, doch vielen Hermannstädtern als Restaurant, Kino oder zuletzt als Sportsaal bekannt war. Cosmin Stoenică: „Ein Dokument, das in der Wand eines Zimmers im Obergeschoss gefunden wurde, weist auf das Alter des Hauses im Jahr 1628 hin und gibt an, dass sich hier der Sitz einer Zunft befand.”

Dem Haus mit der Nummer 19 widmet auch Marian Bozdoc im zweiten Band seines Werkes „Istoria clădirilor comerciale ale Sibiului 1790-1990/Orașul de Jos” (Die Geschichte der Handelsgebäude in Hermannstadt 1790–1990/Unterstadt) mehrere Seiten, denn das Haus blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Untergebracht waren hier im Laufe der Jahrhunderte u. a. Huf- und Wagenschmiede, Fleischhauer, Weinhändler, Bäcker und Kurzwarenhändler. Bekannt war hier das Restaurant „Thomas-Diele”, dass am 31. Januar 1926 eröffnet wurde und über einen Speisesaal, eine Bodega und einen Tanzsaal für 1.000 Personen verfügte. 1928 kam sogar eine Kegelbahn hinzu. „Kino Modern” wurde 1929 im ehemaligen Tanzsaal des Restaurants eröffnet, mit dem deutschen Film „Wenn der weiße Flieder blüht”. 1933 wurde es in „Kino Roxy” und 1938 in „Kino Rio” umbenannt. In den 1950-er Jahren, nach der Verstaatlichung, gingen sowohl das Gebäude als auch das Kino in den Besitz des Staates über. Das Kino wurde in „Cinema Arta” umbenannt, hatte 420 Plätze, ein Büffet am Eingang und wurde mit dem indischen Film „Awara – Der Vagabund von Bombay” eröffnet. Wegen Sicherheitsmängeln wurde das Kino in den 1960er Jahren geschlossen und als Lagerraum der Lederwarenfabrik „13 Decembrie” und ab den 1980er Jahren als Sporthalle benutzt.

In der kleinen Ausstellung präsentiert der Inhaber einige Stücke aus seiner Sammlung.                                          Fotos: Ruxandra STĂNESCU

In den letzten 17 Jahren war hier ein Spielplatz für Kinder, das Gebäude befand sich allerdings in einem schlechten Zustand, so dass Cosmin Stoenică zunächst einmal renovieren musste. Das Büffet mit dem 1990er-Jahre-Vibe im ersten Raum blieb unverändert, denn hier soll ein Bistro eingerichtet werden. Auch sollen Ausstellungen organisiert werden, verspricht der Inhaber, denn der lange Flur bietet reichlich Platz dafür.

Cosmin Stoenică hat seine Leidenschaft in ein Familienunternehmen umgewandelt: „Ich habe 27 Jahre in der Schweiz gearbeitet und als ich zurückgekommen bin, hatte ich die Gelegenheit, diesen Club zu eröffnet. Mir hat es schon als Kind gefallen, die Axt – damals auf Baumstämme – zu werfen. Meine erste Axt hatte ich mit 14 und konnte irgendwann ein Zündholz aus acht Metern Entfernung spalten. In der Schweiz habe ich an Wettkämpfen teilgenommen und auch entdeckt, dass das eine Sportart mit einem eigenen Verband ist, wo ich auch Mitglied geworden bin.”

An Kunden fehlt es dem Klub nicht, denn beim Testlauf probierten von Künstlern und Studenten bis Ärzten und Geschäftsleuten aus allen Altersgruppen, sowohl Männer als auch Frauen, schon viele ihre Kräfte. 83 Jahre war der älteste Kunde bisher, erzählt der Inhaber: „Ein ganz sympathischer Herr, der die Axt schon beim ersten Versuch ins Ziel rammte und es 20 Mal danach immer wieder schaffte.”

Das ist allerdings eher selten, dass ein Anfänger es schon beim ersten Versuch schafft, nicht nur das Ziel zu treffen, sondern dass die Axt – die übrigens zwischen 600 und 850 Gramm wiegt – auch im speziellen Holzziel eingerammt bleibt. Die vielen Dellen in der Wand darunter – trotz der großzügigen Holzplatte unter der Scheibe – zeugen davon.

Die Sportart ist noch sehr neu: „In Rumänien sind wir die einzigen, die auf internationalem Verbandsniveau arbeiten. Der Raum ist Millimeter genau nach den Verbandsregeln gebaut. Ich arbeite zusammen mit Freunden, die Mitglieder des Verbandes sind, und sie wollen in der Zukunft – bereits im März 2027 – hier internationale Wettkämpfe organisieren.”

Organisiert werden hier auch lokale Wettkämpfe, bei denen die Kunden das Werfen üben können: „Wir haben fünf Trakte, wo zwei Personen gegeneinander antreten können. Das Wichtigste dabei ist die Sicherheit, die Regeln müssen streng eingehalten werden – auch wenn man nur zur Entspannung da ist.”

Damit die Entspannungszeit komplett ist, sollen passende Gerichte im Vikinger-Stil – also eher Fleischgerichte – angeboten werden, sobald die Genehmigungen da sind. Auch einige Rezepte aus Zypern stehen auf dem Plan, ein Menü für Vegetarier und ein Dessert. „Wir werden etwa fünf Gerichte um die 50 Portionen vorbereiten, weniger aber gut. Es ist besser, dass man sich anmeldet, dann kommt man nicht umsonst. Das genaue Programm und auch die Preise sollen demnächst auf unserer Facebook-Seite (Axe Throwing Club Sibiu) veröffentlicht werden”, so der Inhaber.

„Das Axtwerfen macht besonders viel Spaß, wenn man mit Freunden kommt”, sagt Cosmin Stoenică. „Man muss nicht stark werfen, da ist Feingefühl gefragt. Wir hatten Frauengruppen, die nicht mehr wegwollten, so viel Spaß hatten sie dabei.”

Nicht nur Äxte – die übrigens zum Teil bunte Schneiden haben – kann man hier werfen, sondern auch spezielle Messer, was überraschender Weise viel schwieriger ist. Im hinteren Teil soll auch eine Darts-Scheibe angebracht werden, damit der Spaß in diesem Bereich komplett ist – Hauptziel des Inhabers und seines Sohnes. Dabei gilt aber weiterhin die strenge Einhaltung der Regeln, auf die Cosmin Stoenică immer wieder zurückkommt, „für die vollkommene Sicherheit der Teilnehmer.”

Ruxandra STĂNESCU

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Allgemein.