Die leise Autorität der Musik

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15. Januar 2026 – Tag der Rumänischen Kultur in Wien

Ausgabe Nr. 2943

Veranstalterinnen und Musikerin (v. l. n. r.): Dr. Andrea Amza-András, Geschäftsträgerin a. i. der Botschaft von Rumänien in der Republik Österreich, die Pianistin Adela Liculescu und Mag. Andreea Dincă, Direktorin des Rumänischen Kulturinstituts Wien.                              Foto: Heinz WEISS

Das Klavierkonzert von Adela Liculescu im ORF RadioKulturhaus in Wien am 15. Januar d. J. war mehr als ein „Beitrag“ zum Tag der Rumänischen Kultur. Es entwickelte sich zu einem stillen, eindringlichen Plädoyer für die Bedeutung von Kunst in einer Zeit gesellschaftlicher Verunsicherung – präzise, unaufdringlich und von bemerkenswerter innerer Stringenz.

Die aus Rumänien stammende Pianistin zählt zu den profiliertesten Künstlerinnen ihrer Generation. Sie schloss ihr Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien mit Auszeichnung ab und promovierte 2024 an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz mit einer Forschungsarbeit über die Virtuosität bei Liszt, für die sie 2025 den Staatspreis der Republik Österreich erhielt. Seit 2024 unterrichtet sie Klavier an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien und ist seit 2018 offizielle Bösendorfer-Künstlerin.

Somit verbindet Adela Liculescu internationale Anerkennung mit einer klaren künstlerischen Haltung. Ihr Spiel bestach durch Präzision, strukturelle Klarheit und eine bemerkenswerte emotionale Tiefe, die nie ins Pathetische kippte, sondern stets aus der Musik selbst erwuchs.

Im Zentrum des Abends stand die rumänische Klaviermusik in ihrer stilistischen Vielfalt. George Enescu, dessen Wiener Ausbildung seine musikalische Sprache nachhaltig prägte, bildete den programmatischen Kern. Ergänzt wurde er durch Werke von Carl Filtsch, Paul Constantinescu, Nicolae Kirculescu und Tudor Dumitrescu. Der Künstlerin gelang es, diese unterschiedlichen kompositorischen Handschriften zu einem schlüssigen Ganzen zu verbinden und dem Publikum einen unmittelbaren Zugang zu einem reichen kulturellen Erbe zu eröffnen.

Besondere Bedeutung kam dem Umstand zu, dass dieser Abend durch das gemeinsame Engagement von Dr. Andrea Amza-András, Geschäftsträgerin a.i. der Botschaft von Rumänien in der Republik Österreich und Mag. Andreea Dincă, Direktorin des Rumänischen Kulturinstituts Wien ermöglicht wurde. Anlässlich des Rumänischen Tages der Kultur entstand so ein Raum, in dem kulturelle Diplomatie und künstlerische Substanz einander auf überzeugende Weise ergänzten.

Dieses Konzert war kein bloßes Ereignis, sondern ein stilles, kraftvolles Bekenntnis zur verbindenden Macht der Kultur – ein Abend von seltener künstlerischer Dichte.

Ingrid WEISS

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Musik.