Nachlese zum 53. Hermannstädter Internationalen Jazzfestival
Ausgabe Nr. 2936

Das Bluesette Duo mit Gastgitarristen bestritt das letzte Konzert mit freiem Eintritt im Spiegelsaal (v. l. n. r.): Alex Man, Raluca Stoica und Alex Tomaselli. Foto: Laura MICU
Jazz für die Seele gab es beim Festivalauftakt in der Synagoge von Hermannstadt. Mit einem besonderen Konzert unter dem Titel „Jazz für die Seele“ eröffnete das diesjährige Hermannstädter Internationale Jazzfestival „Sibiu Jazz Festival“ am Mittwochabend, dem 5. November, seine 53. Ausgabe. Der Veranstaltungsort, die Große Synagoge von Hermannstadt, bot dafür einen eindrucksvollen Rahmen. Trotz der herbstlichen Kälte war der Saal nahezu bis auf den letzten Platz gefüllt, viele Besucherinnen und Besucher nahmen auch auf den Emporen Platz.
Im Mittelpunkt des Geschehens standen Alexandru Pribeagu (Schauspiel) und Mădălina Petre (Gitarre / Gesang). Das Programm verband gesprochene Texte und musikalische Darbietungen zu einem atmosphärischen Gesamtbild, das die Nähe zwischen Wort und Klang aufzeigte.
Die Auswahl der Texte und Musikstücke waren thematisch aufeinander abgestimmt. Die musikalischen Beiträge umfassten Lieder in mehreren Sprachen und zeichneten sich durch stilistische Vielfalt aus. Von ruhigen, meditativen Passagen bis hin zu rhythmisch bewegten Abschnitten spannte sich ein weiter Bogen, der eine Bandbreite des Jazz zur Geltung brachte.

Das aus Serbien angereiste Eyot-Quartett Dejan Ilijić (Klavier), Slađan Milenović (Gitarre), Miloš Vojvodić (Schlagzeug), Marko Stojiljkovic (Bassgitarre) erntete für sein Konzert am letzten Festivalstag im Thaliasaal minutenlangen Stehapplaus. Foto: Beatrice UNGAR
Das Zusammenspiel von Schauspiel und Musik sorgte für eine besondere Intensität: Während Pribeagu mit seiner Stimme die emotionale Tiefe der Texte hervorhob, schuf Mădălina Petre anschließend mit Gitarre und Gesang den klanglichen Raum, in dem die Worte weiterklingen konnten.
Die Eröffnung des Festivals im jüdischen Gotteshaus verlieh dem Abend eine zusätzliche symbolische Bedeutung. Der Ort, der nur noch für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird, wurde durch die Musik und das Publikum wieder zum lebendigen Teil des Stadtlebens.

Jazz für die Seele boten Mădălina Petre (sitzend mit Gitarre) und Alexandru Pribeagu (im Hintergrund) in der bis auf den letzten Platz besetzten Synagoge. Foto: Eduard RESCHKE
Mit „Jazz für die Seele“ begann also das „Sibiu Jazz Festival 2025“ seine Konzertreihe in besonderer Atmosphäre. Ebenfalls bei freiem Eintritt konzertierte am nächsten Abend im Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt (DFDH) das Robert Patai Trio mit Robert Patai (Gesang), Alex Borșan (Klavier) und Vlady Săteanu (Kontrabass).
Das letzte Konzert mit freiem Eintritt bot ebenfalls im Spiegelsaal des DFDH das Bluesette Duo mit Gastgitarristen Alex Man am Freitagabend, den 7. November. Die drei verwandelten den Saal regelrecht zu einem Treffpunkt für Jazz- und Bluesliebhaber. Das Konzert des Bluesette Duo, bestehend aus Raluca Stoica (Gesang, Percussion) und Alex Tomaselli (Gesang, Gitarre), mit Alex Man als festem Begleiter an der Gitarre, lockte so viele Besucherinnen und Besucher an, dass zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten, um allen Gästen Platz zu bieten.

Jazz made in Kuba brachten Rolando Luna ( Klavier) und Carlos Sarduy (Trompete und Bongos) am ersten Konzertabend im Thaliasaal zu Gehör.
Foto: Beatrice UNGAR
Das Trio bot ein vielseitiges Programm, das von gefühlvollen Balladen bis zu rhythmisch geprägten Titeln reichte. Eine ganze Bandbreite, in der für jeden Geschmack etwas dabei war. Neben bekannten Jazzliedern erklang auch das französische Stück „Jardin d’hiver“, das für einen besonderen Moment im Repertoire sorgte.
Ein Höhepunkt des Abends war die Interpretation des Klassikers „Bei mir bist du schön“, dessen englischsprachige Fassung mit der bekannten Zeile „I‘ve tried to explain, bei mir bist du schön“ zum internationalen Erfolg wurde.
Die Darbietung verband Charme und Leichtigkeit und fügte sich harmonisch in den abwechslungsreichen Programmablauf ein.
Das Trio präsentierte Stücke aus unterschiedlichen Epochen des Jazz. Die Kombination aus zwei Stimmen, Gitarre und Percussion verlieh dem Auftritt einen intimen Charakter, bei dem jede Nuance des Zusammenspiels zur Geltung kam.

Stets begeistert und begeisternd: Die Hauptorganisatorin und Festivalsleiterin Simona Maxim.
Mit dem Auftritt des Bluesette Duo und Alex Man setzte das „Sibiu Jazz Festival“ seine Reihe erfolgreich fort und zeigte erneut, wie vielfältig Jazz in seinen unterschiedlichen Ausdrucksformen sein kann.
Das Jazzfestival in diesem Jahr war aber auch überschattet von dem Verlust eines wichtigen Jazzmusikers, dem Pianisten und Komponisten Mircea Tiberian (1955-2025), dem übrigens die serbische Band Eyot sicher gefallen hätte, die als erste am Sonntag, dem letzten Festivalstag auf der Bühne des Thaliasaals auftrat und Stehapplaus einheimste. Dejan Ilijić (Klavier), Slađan Milenović (Gitarre), Miloš Vojvodić (Schlagzeug), Marko Stojiljkovic (Bassgitarre) boten einen unverwechselbaren Sound gemixt aus Popmusik, Jazzrock, Free Jazz, Punk und klassischen Einschüben. Die Band tourt gerade zu ihrem 15. Jubiläum mit ihrem Doppel-Album „Quindecennial” durch Europa. Pianist Dejan Ilijić sagte, die Band habe immer schon davon geträumt, einmal auf der Bühne des Hermannstädter Jazzfestivals aufzutreten. Vielleicht durften sie deshalb auch eine Zugabe spielen.
Ihnen folgte die Kouyaté Legacy Band aus Guinea mit afrikanischen Rhythmen.
Kubanischen Jazz mit Rolando Luna (Klavier) und Carlos Sarduy (Trompete und Bongos) und Maloya-Blues mit Christine Salem (Gesang und Kayamba) von der Insel Réunion hatten die zahlreichen Jazzliebhaber am Samstagabend erleben dürfen.
Eduard RESCHKE
Beatrice UNGAR