Zwischen Gotthard und Siebenbürgenlied

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Symphonic Rock Orchestra aus Einsiedeln traf den Hermannstädter Bachchor

Ausgabe Nr. 2932

Das Orchester wurde mit Standing Ovations belohnt, das Publikum mit einer Zugabe.

Wenn ein Schweizer Orchester für eine Konzertreise nach Hermannstadt kommt, nennt man das… „A Transylvanian Journey”. Unter diesem Titel spielte das Orchester „Wood and Metal Connection – The Symphonic Rock Orchestra” unter der Stabführung von Susanne Theiler ein buntes Programm aus Film- und Volksmusik bis hin zu Rock am Samstagabend auf der Bühne des Thaliasaals. Mitglieder des Orchesters und ihre Begleitpersonen waren vor dem Konzert eine Woche zu Besuch in Hermannstadt. Über diese Zeit war Oboist Michael Schweyer, der gemeinsam mit Ana-Maria Daneș, der Leiterin des Deutschen Kulturzentrums Hermannstadt, durch den Konzertabend führte, voll des Lobes. Er dankte allen, die die Schweizer in dieser Woche aufgenommen hatten und die auch schon vorher tatkräftig an den Reisevorbereitungen mitgewirkt hatten. „Ohne euch wäre diese Reise nicht möglich gewesen.“

Das 50köpfige Symphonic Rock Orchestra ”Wood & Metal Connection”, Einsiedeln/Schweiz, weilte vom 4. bis 12. Oktober 2025 in Hermannstadt. Die Orchesterbesetzung besteht aus Violinen, Bratschen, Celli und Streichbässen, einer Bläsergruppe (Tuba, Trompeten, Posaunen, Waldhörnern, Oboen, Klarinetten, Fagotten, Saxophon und Flöten), E-Bass, E-Piano, Harfe und Percussion. Jeweils vormittags probten sie in der Astra-Bibliothek, nachmittags machten sie Ausflüge in die nähere oder weitere Umgebung.

Die Mitglieder des Hermannstädter Bachchors sangen von den bühnennahen Logen: Links nur die Frauen…

Zu den Beteiligten, bei denen Schweyer sich am Ende des Abends namentlich bedankte, gehören Musikwart Jürg Leutert und Stadtkantorin Brita Falch Leutert, die mit dem Hermannstädter Bachchor drei Lieder einstudierten, die im Konzert gemeinsam mit dem Orchester vorgetragen wurden. Das „Siebenbürgenlied”, für Chor und Orchester arrangiert von Jürg Leutert und Brita Falch-Leutert, erfreute sich dabei großer Beliebtheit.

… rechts sowohl Männer als auch Frauen…
Fotos: Beatrice UNGAR

Mit den zwei Schweizer Liedern unter den Titeln „La sera sper il lag” (auf Rätoromanisch, der kleinsten der vier Schweizer Landessprachen) und „Ds’Vreneli ab em Guggisbärg” brachten Chor und Orchester dem Publikum Schweizer Volksmusik näher.

Der Chor stand dabei auf den bühnennahen Logen, was das Publikum im Saal tief in die Stücke eintauchen ließ, da der Klang von drei Seiten kam. Besonders beim Schweizer Volkslied „Ds’Vreneli ab em Guggisbärg” entstand dadurch eine geradezu mystische Atmosphäre.

Das Orchester begeisterte in der ersten Hälfte des Konzerts mit Filmmusik-Suiten aus fernen Welten, von „First Knight” von Jerry Goldsmith über „Adventures on Earth” aus „E.T.” (John Williams) und „Interstellar” (Hans Zimmer) bis hin zu „Aladdin” (Alan Menken). Die fehlende Orgel bei „Interstellar” wurde durch das E-Piano und den breiten Bläsersatz kompensiert. Besonders bei den „Adventures on Earth” konnte das gesamte Orchester zeigen, was es kann.


Den musikalischen Teil des Mittagsgebets mit Musik am Freitag in der evangelischen Stadtpfarrkirche bestritt ein Hornquintett, gebildet aus Mitgliedern des Symphonic Rock Orchestra – Andreas Theiler, Kathrin Siegrist, Noah Camenzind, Matteo Erni und David Solari (v. l. n. r.) – gemeinsam mit der Stadtkantorin Brita Falch-Leutert an der Sauerorgel.

Die zweite Hälfte des Konzerts war dann der Begegnung zweier Kulturen – der Schweizer und der Siebenbürgischen – gewidmet. Das Orchester führte mit Tänzen aus Siebenbürgen von Béla Bartók in das Thema ein, bevor es gemeinsam mit dem Chor die Volkslieder präsentierte. Zum Abschluss machte das Orchester seinem Namen „The Symphonic Rock Orchestra“ alle Ehre mit einem Arrangement von zwei Songs der Schweizer Rockband „Gotthard“, die den gleichen Namen trägt wie der Tunnel durch die Alpen. Der Soundtrack des zweiteiligen Historienfilms, der 2016 diesem Tunnelbau gewidmet war, erklang ebenfalls.

Das Konzert wurde mit Standing Ovations belohnt, wofür sich das Orchester mit einer spannenden Zugabe aus einem Filmmusik-Medley von „Star Wars” bis „Titanic” bedankte – alle paar Takte konnte das Publikum mitraten, aus welchem Film die Musik jetzt stammte.

Im Lauf der Woche lud das Orchester die Beteiligten aus Hermannstadt – dazu gehörten auch Mitglieder des Sinfonieorchesters der Hermannstädter Staatsphilharmonie – dreimal zum Essen ein, um Dankbarkeit für die Reise auszudrücken und Kontakte zu knüpfen, die vielleicht auch über die Reise hinaus halten. Am Abend vor dem Konzert wurden im „Hermania”-Restaurant dabei Traditionen ausgetauscht: Der Chor präsentierte einige rumänische und siebenbürgisch-sächsische Lieder, das Orchester brachte Stücke für drei Alphörner sowie für fünf Waldhörner zu Gehör.

Das Highlight dieses und aller anderen gemeinsamen Abende war aber etwas anderes: Alle Beteiligten waren im Vorfeld gebeten worden, Fotos von sich einzuschicken. Einige Orchestermusiker gestalteten daraus ein Sammelheft, in das die Fotos als Sticker eingeklebt werden konnten. Wenn bei den Treffen weitere Sticker herausgegeben wurden, entbrannte danach ein regelrechtes Fieber: Bis in den späten Abend hinein wurde durch alle Gruppen hindurch um fehlende Sammelkarten gefeilscht.

Katharina HENSEL

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Musik.