Zweite Auflage des dem Choreografen Hugo Wolff gewidmeten Studententanzfestivals
Ausgabe Nr. 2932

Szenenfoto aus „Ritual und rote Äpfel oder was eine griechische Tragödie hätte sein können“ (Choreografie Alexandru Wolff).
Foto: Werner FINK
Die 22. Auflage des Studententanzfestivals fand am Donnerstag und Freitag der Vorwoche im „Ion Besoiu”-Kulturzentrum statt. Bis 2023 war es als „Sibiu Dans Festival“ bekannt und seit vergangenem Jahr trägt es nun den Namen „Hugo Wolff“. Eröffnet wurde das Festival am Donnerstagabend mit der Tanztheater-Vorstellung „Ritual und rote Äpfel oder was eine griechische Tragödie hätte sein können“ in der Choreografie von Alexandru Wolff. Aufgeführt wurde sie von der 1993 von Hugo Wolff gegründeten Kompanie Microbis. Laut Moderator Cosmin Chelcea ist Alex ein Neffe des verstorbenen Hugo Wolff (1970-2023). Nach der Vorstellung wurde im Foyer die Fotoausstellung von Dan Kamner eröffnet und anschließend der Hommage-Dokumentarfilm über Hugo Wolff gezeigt.
Der Saal war übrigens am ersten Abend voll. Es war eine Vorstellung, wie man sie von „Microbis” auch schon aus der Vergangenheit kannte: toll. Die Tänzer hatten bestimmt auch dieses Mal viel geübt um das Publikum zu berühren, um Emotionen durch Mimik, Gestik und Bewegung, durch zeitgenössischen Tanz auszudrücken. Wie es auch aus einem Interview im Dokumentarfilm hervorgeht, soll Hugo Wolff selber gesagt haben: wichtiger als richtige Schritte sei, was der Körper ausdrückt. Worum es in der letzten zeitgenössischen Tanztheater-Vorstellung ging? Gesellschaftlicher Drang. Sünde. Äpfel. „Du sündigst nicht, weil du es willst. Du sündigst, weil man dir gesagt hat, dass es so sein muss. Weil du es bei anderen so gesehen hast. Denn in einer Gesellschaft, die Bestätigung mit Tugend verwechselt, wird die Weigerung zur höchsten Sünde”, heißt es in der Beschreibung. „Die Gesellschaft drängt dich nicht – sie reicht dir nur einen Apfel, mit dem sanften Lächeln derer, die bereits davon gekostet haben.” Zu erwähnen ist, dass dieses Mal die Besetzung auch durch Tänzer des Studentenfolkloreensembles „Ardealul” ergänzt wurde.

Nach der Vorstellung ging es im Foyer weiter mit einer Vernissage der Fotoausstellung „Rituale“ von Dan Kamner, seit 2015 Ehrenmitglied des Hermannstädter Fotoclubs Orizont. Die Ausstellung wurde von dem Fotografen Radu Stănese vorgestellt. Auf der einen Seite waren bunte Porträtfotos zu sehen, auf der anderen Seite Bühnenfotos in schwarz-weiß, die mit langer Belichtungszeit aufgenommen wurden. Kamner soll übrigens lange Zeit in Deutschland gelebt haben.
Anschließend wurde der „work in progress” Hommagefilm von Oscar Iustin Mărgărintoni über Hugo Wolff gezeigt, der Generationen durch seine Leidenschaft inspirierte. Gezeigt werden Interviews mit Personen, die Hugo Wolff kannten oder mit ihm zusammengearbeitet haben. „Hugo war ein Sachse”, meint Florin Oros im Film. Alles sei sehr präzise gewesen. Trotz seiner etwas eigentümlichen Art, sollen ihn scheinbar alle gemocht haben. „Um 1997, ungefähr zu jener Zeit begann er, große Stücke zu inszenieren”, erinnerte sich Liliana Popescu, Direktorin des Studentenkulturhauses Hermannstadt im Film. Ich habe sie nach seinem Tod wieder auf die Bühne gebracht, mit einigen Änderungen je nach der aktuellen Besetzung der Gruppe. Und ich sage euch: Viele Choreografen aus dem ganzen Land, die als Zuschauer dabei waren, haben gesagt: ‘Wow, so dachte Hugo vor 25 Jahren?’” Sehr viele der alten Stücke, sollen Elemente enthalten haben, die womöglich erst der zeitgenössischen Welt, der heutigen Jugendlichen, verständlich und akzeptabel seien.

Am zweiten Festivaltag standen im Rampenlicht Tanzensembles aus den großen Universitätszentren wie Klausenburg, Jassy, Temeswar, Kronstadt, Ploiești oder Hermannstadt. Eines der Ensembles war „Atlantis” aus Ploiești, das seit 2015 unter der Leitung von Ioana Năstase und Alexandru Simion Tanzshows zeigt, darunter auch jüdische, vor allem da einige Mitglieder der jüdischen Minderheit angehören. Dieses Mal wurde eine Adaption des Musicals „Fiddler on the Roof” gezeigt, in dem der jüdische Milchmann Tewjem versucht, die Tradition seiner Familie in einer Welt des Wandels zu wahren.
Das Hugo-Wolff-Tanzfestival wurde von dem Studentenkulturhaus Hermannstadt organisiert und vom Ministerium für Arbeit, Familie, Jugend und Chancengleichheit, dem Kreisrat Hermannstadt sowie dem Hermannstädter Bürgermeisteramt mitfinanziert. Alles in allem: auch dieses Mal hatten alle Teilnehmenden einen Riesenspaß am Festival.
Werner FINK