,,Wie ein besonderes Glück“

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Rede von Konsulin Wiebke Oeser beim Empfang zum Tag der Deutschen Einheit

Ausgabe Nr. 2931

Tag der Deutschen Einheit: Zum 35. Mal wurde am Donnerstag der Vorwoche der Tag der Deutschen Einheit in Hermannstadt gefeiert. Im Hilton-Hotel kamen zahlreiche Gäste aus den 11 Landkreisen des Einzugsgebiets des Konsulats der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt zu diesem Anlass im Ball-Saal zusammen. Unser Bild: Konsulin Wiebke Oeser (rechts) bei ihrer Rede, deren rumänische Übersetzung Pressereferentin Ioana Deac vortrug.             Foto: Ruxandra STĂNESCU

Beim diesjährigen Empfang zum Tag der Deutschen Einheit, zu dem am 2. Oktober d. J. Konsulin Wiebke Oeser in den Ball-Saal des Hilton-Hotels eingeladen hatte, gab es gleich zwei Premieren: Es war der erste offizielle Auftritt der neuen Konsulin des Konsulats der Bundesrepublik Deutschland in Hermannstadt und dazu konzertierte zum ersten Mal die Lehrer-Band „The Teachers” öffentlich. Lesen Sie im Folgenden im Wortlaut die Rede von Konsulin Wiebke Oeser:

35 Jahre ist es her, dass die deutsche Wiedervereinigung Realität wurde. Durch die friedliche Revolution in der ehemaligen DDR – die damaligen Rahmenbedingungen ließen dies zu. In der Rückschau wirkt dies auf mich jedes Jahr immer mehr wie ein besonderes Glück.

Die Fernsehbilder des Mauerfalls im November 1989 hatten auf mich eine enorme Anziehungskraft: Silvester 89/90 reiste ich von Bonn nach Berlin und feierte mit!

Dass die Revolution in Rumänien und auch hier in Hermannstadt leider nicht friedlich verlief, sah ich mit Schrecken in den Fernsehbildern aus Bukarest, die sich seitdem in mein Gedächtnis eingeprägt haben.

In diesem Jahr, 2025, liegt auch das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa genau 80 Jahre zurück. Eine tiefe Zäsur, die auch über Generationen noch nachwirkt, gerade hier in Siebenbürgen, wo zehntausende Bürgerinnen und Bürger in die Sowjetunion deportiert wurden.

Die Band „The Teachers” (v. l. n. r.): Anca Mînca, Vlad Mînca, Tiberiu Tioc, Irina Milea, Bogdan Pătru, Dan Kondort.          
Foto: Ruxandra STĂNESCU

Anfang Mai dieses Jahres reiste ich zum allerersten Mal nach Rumänien. In Deutschland formierte sich gerade nach dem Bruch der sogenannten „Ampelkoalition“ eine neue Bundesregierung, hier in Rumänien wurde landesweit nach annullierten Wahlen erneut gewählt. Der Angriffskrieg im Nachbarland ging in das vierte Jahr.

2025 würde – das war intensiv zu spüren – kein leichtes Jahr, weder für Deutschland noch für Rumänien, noch für Europa.

Und in den letzten Wochen steht insbesondere die Sicherheitslage an der östlichen Außengrenze Europas immer mehr im Fokus.

Es ist deshalb wichtig, denke ich, den Zusammenhalt zu suchen. Und es sind die vielen guten und gemeinsamen Momente zwischen Deutschland und Rumänien in diesem Jahr, die es zu feiern gilt, und auf die ich unseren Blick heute richten möchte:

Frischgewählt kam der rumänische Staatspräsident Nicușor Dan auf Staatsbesuch, nach Berlin, der ersten EU-Hauptstadt nach seinem Amtsantritt.

145 Jahre wurden in diesem Jahr die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien mit vielen Veranstaltungen gewürdigt. Und seit dem 1. Januar 2025 ist Rumänien Schengenvollmitglied!

Ganz wichtig scheinen mir vor allem aber Sie, deren tägliche Arbeit in den Dialog und Austausch so lebendig macht: Sie, die jungen Freiwilligen aus Deutschland einen Platz in Ihrer Gemeinschaft und Verantwortung geben, oder Sie, die Studierenden Bildung in deutscher Sprache nahebringen und Deutschlehrkräfte fortbilden.

Sie, die Ihre Zeit und Energie in die Jugendarbeit investieren und damit den interkulturellen Austausch stärken, oder Sie, die sich als Entscheidungsträger auf Kreis- und Stadtebene für deutsch-rumänische Projekte einsetzen, oder dies als Ehrenamtliche tun, und Sie, die in Kirche und Ökumene Verantwortung übernehmen und Verständigung vorleben.

Sie, die sich um das kulturelle Erbe Siebenbürgens, seine stete Pflege und die Erinnerungsarbeit kümmern.

Sie, die gelebte Traditionen und Fertigkeiten im Handwerk weitergeben, und auch die Bräuche und das Kulturgut der Siebenbürger Sachsen immer wieder mit Leben füllen, und Sie, die Foren für Kreativität und künstlerischen Austausch bieten und Sie, die über all diese Themen in der Presse berichten, und Sie, die mit Sinn für Investitionen und der Dualen Ausbildung die Region und damit Europa stärken. Und Sie, die hier an den Karpaten für die Sicherheit Europas die Stellung halten.

Dieses – Ihr – Engagement in all diesen Bereichen, diese guten vertrauensvollen Beziehungen bilden ein starkes Fundament – hier in Siebenbürgen für die deutsch-rumänischen Freundschaftsbeziehungen.

Der Dank für diese Arbeit, verehrte Gäste, für dieses gemeinsame Fundament gilt Ihnen!

Das Motto der morgigen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit lautet „Zukunft durch Wandel“.

Dass sich gerade vieles in unserer Zeit und unserer Welt sehr schnell wandelt, spüren wir jeden Tag. In 35 Jahren Erreichtes steht heute unter Druck, vor allem die liberale Demokratie, Frieden und Freiheit in Europa.

Doch Wandel braucht ein starkes Fundament, nur so sind Gelassenheit und Mut zu Reformen möglich. Dass der Wandel kommt, ist keine Frage, nur ob und wie wir ihn gemeinsam gestalten!

Mit Freude über das in den letzten 35 Jahren zusammen Erreichte erheben Sie bitte mit mir das Glas auf 35 Jahre deutsche Einheit: Noroc și la mulți ani!

Ich freue mich sehr, dass uns heute Abend die Hermannstädter Band „The Teachers“ musikalisch begleitet – die Lehrerinnen und Lehrer üben seit eineinhalb Jahren im Wohnzimmer und feiern hier und heute ihren ersten öffentlichen Auftritt.

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Politik.