Rumäniendeutsche Themen im Band 39 der ,,Kärnten Dokumentation“
Ausgabe Nr. 2931

Im Namen der Herausgeber stellte der aus Klagenfurt zum Sachsentreffen angereiste Mag. Udo Peter Puschnig (links) vom Amt der Landesregierung Kärnten den Band 39 im Spiegelsaal des DFDH am 18. September vor. Die Buchvorstellung moderierte kurzweilig und mit viel Humor Stadtrat Prof. Dr. Zeno-Karl Pinter. Foto: Beatrice UNGAR
Der Band 39 der „Kärnten Dokumentation” bietet drei Beiträge zu rumäniendeutschen Themen, welche im Kontext des Volksgruppenkongresses 2023 angesprochen wurden. Bei den Referenten handelt es sich um Maria Junesch, Erwin-Josef Țigla und Frank-Thomas Ziegler.
Im Vordergrund des Beitrages von Maria Junesch, eine Studentin der darstellenden Kunst an der West-Universität Temeswar, steht die Zukunft der deutschen Sprache in Rumänien. Junesch lässt dabei am Ende ihres Beitrags auch Jugendliche zu Wort kommen, die ihre Überlegungen hierzu teilen. Auch wenn Junesch auf die noch gut bestehende didaktische Infrastruktur des Unterrichtswesens in deutscher Sprache hinweist, ist die Angst der Jugendlichen nicht unbegründet, dass zu konservative Maßnahmen seitens der Minderheit dem Bestehen der Sprache schaden könnten.
Gebiete mit „starker historischer Präsenz” deutscher Minderheiten sind diejenigen, die viele Schulen, Projekte, Kulturangebote und teilweise sogar Studiengänge auf Deutsch anbieten. Wichtig für Junesch ist also die dauerhafte unumstrittene Öffnung aller Angebote in deutscher Sprache für die pluriethnische Bevölkerung um das Überleben der Sprache zu sichern, was auch einige Jugendliche in ihren Blockzitaten anmerken.
Erwin Josef Țigla stellt der Leserschaft eine herausragende Persönlichkeit der Banater Berglanddeutschen vor, welche einen besonderen Platz in der Geschichte jener Volksgruppe einnimmt. Alexander Tietz war Schriftsteller und Lehrer in Reschitza. „Mit größter Hochachtung“ als Lehrkraft sollen ihm seine Schüler begegnet sein. Seine Interesse lag vor allem im Festhalten von kulturellen Schönheiten, wie Märchen und Sagen der Banater Berglanddeutschen. Tietz erkannte auch die Natur als sinnstiftende Kraft, welche in seinen Essays „Briefe von der Alm“ wiederzufinden ist. Das Essay thematisiert die Beziehung Mensch-Natur, Alltagsgeschichten aus dem ländlichen Milieu und Reflexionen über das Dasein. Țigla stellt in seinem Beitrag dar, wie über Jahre die deutsche Gemeinschaft in Reschitza es geschafft hat, ein historisches Bewusstsein um diese Persönlichkeit zu schaffen. Die Alexander Tietz-Bibliothek, eine Büste, ein Kulturzentrum aber auch die jährlichen Deutschen Literaturtage und der „Alexander Tietz“-Preises sind nur einige Beispiele für die Ehrungsversuche.

Peter Karpf, Werner Platzer, Wolfgang Platzer, Mirjam Polzer-Srieny, Udo Peter Puschnig (Hg.); Anja Markitz, Martina Janja Ogris, Franziska Suanjak (Redaktion): Kärnten Dokumentation Band 39. Dialog und Kultur. Beiträge zum Europäischen Volksgruppenkongress 2023 und Sonderthemen, Land Kärnten, Amt der Kärntner Landesregierung, Volksgruppenbüro, Klagenfurt am Wörthersee 2024, 163 Seiten, ISBN 3-901258-32-9
Der letzte Beitrag „Denkmal, Narrativ, Kontext – Kirche als Kulturmittlerin“ spricht über den Einfluss eines destruktiven Diskurses für den Erhalt der deutschen Kultur in Rumänien, welche oft in Form von (Wehr-)Kirchen materialisiert ist. Dieser Diskurs wurzelt für Frank-Thomas Ziegler, Kunsthistoriker und Pressesprecher der evangelischen Kirchengemeinde A. B. Kronstadt, im narrativen Erbe des kommunistischen Regimes. Dieser zentralistisch agierende Staat versuchte nämlich bis 1989 mit verschiedensten Methoden, die pluriethnische Kultur Rumäniens zu homogenisieren. Jenes passierte also nicht nur deutschen Ethnien.
Anhand von präzisen Beispielen stellt Ziegler dar, wie das Regime eine „Unterschlagung des Entstehungskontextes“ von nicht-rumänischem Kulturerbe erwirkte, wie es in neu verfassten Schriften die Bezeichnungen ethnischer Minderheiten ersetzte und wie historische Erfolge von Deutschen in Rumänien umgewidmet wurden, sodass alles bei einer Ethnie zusammenläuft. Auch in Museen wurden solche Änderungen vorgeschrieben. Leider hat dieser Diskurs bis heute Spuren hinterlassen. Es finden sich „sowohl in populären Überblickswerken als auch in der Reiseliteratur“ verfälschende Darstellungen historischer Ereignisse, die die Geschichte der deutschen Minderheit betreffen. Ein wesentlicher Faktor dafür ist, dass nach der Wende zahlreiche regimetreue Amtsträger weiterhin einflussreiche Positionen in Forschung und Lehre an den Hochschulen behielten. Umso wichtiger ist es für diese Minderheit, welche in geringer Menge noch vor Ort ist, die Kontroversen mitzugestalten. „Gemeinden, Bezirks- und Landeskonsistorium können sich ins Bewusstsein rufen, dass eine proaktive Öffentlichkeitsarbeit“ diese Halbwahrheiten überwinden kann. Die evangelische Kirche ist auch in der privilegierten Lage, mehrheitlich alle evangelischen sakralen Bauten zu besitzen. Eine Erfolgsgeschichte so einer rechtschaffenen Prägung ist die der Schwarzen Kirche in Kronstadt, auf die Ziegler in seinem Beitrag noch tiefer eingeht. Rechtlich sind Minderheiten in Rumänien ausreichend geschützt, dennoch steht für Ziegler fest, dass eine weitere Annäherung zwischen Kirchengemeinden und Staat notwendig ist, um langfristig einen pluralistischen Diskurs zu sichern.
Die drei Beiträge in der „Kärnten Dokumentation 2024” verdeutlichen, wie eng Sprache, Erinnerungskultur und Sakralbauten miteinander verflochten sind, wenn es um die Bewahrung der Identität der Deutschen in Rumänien geht. Ob es um die Zukunft der deutschen Sprache in Rumänien, um die Erinnerung an prägende Persönlichkeiten wie Alexander Tietz oder um den kritischen Umgang mit geschichtspolitischen Narrativen geht – stets zeigt sich, dass lebendige Kulturarbeit nur dort gelingt, wo Offenheit, Dialogbereitschaft und institutionelle Unterstützung zusammentreffen.
Der Ausblick richtet sich somit auf die Frage, wie diese Ansätze nachhaltig fortgeführt werden können: durch eine aktive Beteiligung der jüngeren Generation, durch die kontinuierliche Sichtbarmachung deutscher Kulturleistungen in Rumänien und durch die Schaffung von Räumen, in denen pluralistische Perspektiven selbstverständlich sind. Damit kann die deutsche Gemeinschaft nicht nur ihr eigenes kulturelles Erbe sichern, sondern auch einen wichtigen Beitrag zu einer vielfältigen europäischen Erinnerungskultur leisten.
Der nächste Volksgruppenkongress findet am 22. Oktober in Klagenfurt statt. Eine kleine Hermannstädter Delegation von der evangelischen Kirchengemeinde A. B. bzw. vom Demokratischen Forum der Deutschen ist dazu eingeladen.
Max GALTER