,,Es ist fünf vor zwölf!“

Teile diesen Artikel

Bildband über Schmetterlinge im Spiegelsaal vorgestellt

Ausgabe Nr. 2933

Bei der Buchvorstellung im Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt (v. l. n. r.): Klaus Fabritius, Benjamin Józsa und László Rákosy.                                                                         Foto: Laura MICU

„Nennen Sie mir eine Sache, die nichts mit Schmetterlingen zu tun hat”, forderte der Enthomologe Prof. Dr. László Rákosy das Publikum im Spiegelsaal des DFDH bei der Vorstellung des Buches „Schmetterlinge – reisende Seelen” auf. So klingen die ersten Sätze in dem Buch, das er gemeinsam mit dem Biologen Dr. Klaus Fabritius und Eduard Duldner herausgebracht hat: „Die schönsten Insekten sind die Schmetterlinge. Die Farbenvielfalt, die Flugweise, das Flattern, der Tagfalter beeindrucken jeden. Leider stellen wir fest, dass die Schmetterlinge, wie auch andere Insektenarten immer weniger werden. Einige Arten werden seltener, andere sterben für immer aus. Grund ist die menschliche Tätigkeit. Industrie, Landwirtschaft, Klimawandel verändern die Welt. Es ist Zeit etwas zu ändern, um diese Tendenz zu stoppen. Es ist fünf vor zwölf!”

Die gesamte Buchvorstellung war eigentlich ein Plädoyer für die Natur, ein Loblied auf Schmetterlinge und Falter, die bald aus der Landschaft verschwunden sein werden, wenn nichts unternommen wird. Dr. László Rákosy beklagte kaum das Verschwinden einiger Schmetterlingsarten in Europa, vor allem in Westeuropa, sondern schilderte alle Vorzüge dieser Insekten bilderreich und überzeugend. Besonders ging er auf den Großen Wiesenkopf-Ameisenbläuling hin, den Kuckuck unter den Schmetterlingen. Dieser lässt seine Räupchen von Ameisen in deren Nester tragen, wo diese Unmengen an Ameisenlarven verspeisen und wenn sie groß genug sind, flüchten sie aus dem Ameisenhaufen, bevor sie ertappt werden. Denn der Große Ameisenbläuling wendet einen Trick an, ist im Buch auf Seite 86 zu lesen: Wenn das Räupchen das Ei verlassen hat, frisst es erst einige Tage von der Futterpflanze, dann fällt es auf den Boden und wartet, bis eine bestimmte Ameisenart vorbeikommt. Ist die Ameise da, trommelt sie mit den Fühlern den Raupenkörper an. Bei dieser Gelegenheit sondert die Raupe ein flüssiges und für die Ameise schmackhaftes Tröpfchen ab. Nachdem die Ameise davon gekostet hat, trägt sie die Raupe sorgfältig in den Ameisenbau. Hier wird sie mit Freude empfangen und der Raupe werden optimale Lebensbedingungen geschaffen. Gepflegt und gut gefüttert wächst sie schnell und im Frühjahr verpuppt sie sich. Im Juli schlüpfen dann die wunderschönen Falter mit ihren blau-braunen Reflexen. Diesen in Rumänien und international geschützten Schmetterlingen gewidmet ist eine Mikroregion nicht weit von Klausenburg, der sich Gefilde des blauen Schmetterlings nennt (Ținutul fluturelui albastru). Darüber berichtete Dr. Rákósy eingehend und detailfreudig. Der Hauptort ist ein Dorf in der Gemeinde Bonțida, das den bedeutsamen Namen Răscruci/Válaszut trägt, was so viel bedeutet wie Wegkreuzungen oder Scheidewege. Denn hier hat man sich für den einzig richtigen Weg entschieden, hier wird für die Natur so gut gesorgt, dass sich diese Schmetterlingsart prächtig entwickelt. Junge Familien haben hier Häuser gekauft und saniert, es ist immer etwas los und auch die Bauern wurden überzeugt, das Heu dann zu machen, wenn die Schmetterlinge schon geschlüpft sind. Das ist die Kurzfassung. Ein Besuch sei empfehlenswert, so Rákósy.

László Rákosy, Klaus Fabritius, Eduard Duldner: Schmetterlinge – reisende Seelen/Fluturii – suflete călătoare, Honterus Verlag, Hermannstadt 2025, 144 Seiten, ISBN 978-606-008-194-4. Gedruckt mit der finanziellen Unterstützung des Departements für Interethnische Beziehungen und dem Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien – Regionalforum Altreich.

Weil man wie eingangs erwähnt nichts finden könne, was nicht mit Schmetterlingen zu tun hat, sei noch zitiert aus dem Buch Faltergestöber von Michael McCarthy (Matthes & Seitz Berlin, 2021): „Ich wurde nie müde, diese freien, umhergaukelnden Geschöpfe mit ihren bunten Flügeln zu beobachten, die von der Buddleia durch die unerfindliche Macht ihres Nektars so märchenhaft gezähmt zu sein schienen, dass sie nie zu anderen Blumen flogen (…) Mich elektrisierten sie. Sie füllten den Raum, in dem meine Gefühle hätten wohnen sollen. Und so zogen, als ich ein knochiges Kind in kurzen Hosen war, durch dieses einzigartige Fenster Schmetterlinge in meine Seele ein.

Beatrice UNGAR

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Umwelt.