Lesung mit Eginald Schlattner auf dem evangelischen Pfarrhof in Freck
Ausgabe Nr. 2926

Bei der Autogrammstunde neben dem Brunnen unter dem Nussbaum mit Blick auf die evangelische Kirche in Freck nahm sich Eginald Schlattner für jede und jeden der Anwesenden Zeit für ein kleines Gespräch.
Foto: Beatrice UNGAR
Irgendwann habe er auf die Frage, wo er zuhause sei, die Antwort gefunden: „Wo man die meisten Gräber hat”, sagte der Schriftsteller und Pfarrer Eginald Schlattner bei der Lesung am Samstag in Freck. Hier seien die meisten Gräber von Familienmitgliedern, hier habe er seine Kindheit verbracht und der Beginn seiner Pfarramtszeit liegt auch hier. Die äußerst gut besuchte Veranstaltung fand auf dem evangelischen Pfarrhof in Freck statt und war wie jede Begegnung mit Eginald Schlattner ein Erlebnis der besonderen Art.
Abenteuerlich war es schon, was sich die Mitglieder der „Nachbarschaft im Alten Land auf dem Pfarrhof Freck”, allen voran der Mieter des Pfarrhofs, Chris Roy, und die Germanistinnen Dr. Norá Tar und Dr. Andreea Dumitru-Iacob vorgenommen hatten. Schlattner feiert ja am 13. September d. J. seinen 92. Geburtstag und die Lesung war im Freien geplant bei 30 Grad im Schatten… Und noch dazu sollte der Autor neben dem Brunnen lesen, unter dem Nußbaum mit den ausladenden Ästen, der aber um 17 Uhr noch keinen richtigen Schatten spendete. Schließlich half man sich mit einem Campingschirm und es konnte beginnen. Die Moderatorin Dr. Andreea Dumitru-Iacob versprach einführend den zahlreichen Anwesenden, sie würden bestimmt „reicher an Erfahrungen und stärker in ihrem Gemeinschaftssinn” nach Hause gehen würden. Sie hat nicht zu viel versprochen.

Zu Besuch bei den Goldschmidt-Großtanten in Freck: Hinter der Bank die Eltern Gertrud und Felix Schlattner und auf der Bank (v. l. n. r.) Eginald Schlattner, Adele Goldschmidt, Kurtfelix Schlattner und Johanna Goldschmidt. Foto: privat
Die Lesung erfolgte aus dem Roman „Brunnentore”, der 2023 im Pop Verlag Ludwigsburg erschienen ist und in dem Freck eine wichtige Rolle spielt. Zunächst aber stellte in bewährter Weise Dr. Norá Tar dieses Werk von Eginald Schlattner vor. Sie habe bei Recherchen im Archiv der Familie Schlattner zwei Fotos gefunden, die in Freck entstanden sind und stellte sie kurz vor. Es handelt sich um ein Bild, das während eines Besuchs bei den Goldschmidt-Großtanten entstanden ist, sowie um ein Bild auf dem Eginald Schlattner und sein jüngerer Bruder Kurtfelix zu sehen sind. Dr. Tar wies auf die Merkmale des Romans hin und zitierte dabei mehrmals aus der Rezension von Gert Weissenkirchen, die unter dem Titel „Erinnern für die Zukunft” in der Hermannstädter Zeitung Nr. 2832 vom 8. September 2023 veröffentlicht wurde. Sie bezeichnete den Roman als „ein Stück Stimmungsprosa, das die Atmosphäre vergangener Zeiten evoziert”. Besonders sei vor allem die Schilderung der Kindheit in Szentkeresztbánya/Vlăhița/Karlshütte im Szeklerland zu erwähnen.

Beim Abschied von Freck, das übrigens lateinisch Affrica hieß, bot die evangelische Kirche einen schönen Anblick. Foto: Beatrice UNGAR
Gelesen hat Eginald Schlattner aber aus seinem Roman Szenen, die sich in Freck abgespielt haben. So die sommerlichen Besuche bei den Goldschmidt-Großtanten, die sich singend unterhielten, die Inszenierung eines Begräbnisses für eine Katze und andere Begebenheiten. Die Anwesenden mussten schließlich der Moderatorin der Veranstaltung beipflichten die eingangs behauptet hatte, Eginald Schlattner habe eine „romanreife Lebensgeschichte” vorzuweisen. Tatsache ist, dass der Autor und Pfarrer so eingehend vorlas, dass alle Anwesenden tapfer der Hitze trotzten und eigentlich nicht genug bekommen konnten.
Es gab danach keine Fragen aber eine ausgiebige Autogrammstunde. Und auch das war eine Bereicherung: Eginald Schlattner nahm sich Zeit für jede und jeden, der anstand, um ein Buch signieren zu lassen.
Zum Abschluss gab es einen Imbiss und gute Getränke, es wurde noch bis in die Abendstunden diskutiert.
Beatrice UNGAR