Zwischen Kirchenburgen und Kinderlachen

Teile diesen Artikel

Streiflichter von der 13. Auflage der Haferland-Kulturwoche

Ausgabe Nr. 2923

Vor imposanter Kulisse in Arkeden eröffnete die Jugendblaskapelle Kronstadt die 13. Haferland-Kulturwoche.                              Fotos: Tobias JARITZ

Mit festlichem Auftakt in Arkeden und einem vielfältigen Programm hat die 13. Haferland-Kulturwoche erneut Tausende begeistert. Vom 31. Juli bis 3. August verwandelte sich das Haferland in eine Bühne für Musik, Tanz, Handwerk und lebendige siebenbürgisch-sächsische Tradition. Ein besonderer Höhepunkt war die Wanderung zur imposanten Fluchtburg von Keisd.

Die 13. Haferland-Kulturwoche wurde in Arkeden am Donnerstag, den 31. Juli, bei angenehmem Wetter feierlich eröffnet. Die malerische Kirchenburg bildete dabei die perfekte Kulisse für den Auftakt eines Festivals, das in den kommenden vier Tagen Kultur, Geschichte und Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellte.

Mit traditioneller Musik wurden die Besucherinnen und Besucher von der Jugendblaskapelle Kronstadt empfangen, bevor Initiator und Hauptorganisator Michael Schmidt, Präsident der M&V Schmidt-Stiftung die Gäste herzlich begrüßte und auf die bevorstehenden vier Tage einstimmte. Weitere Ehrengäste, die dieses Festival der siebenbürgisch-sächsischen Kultur ermöglichten, taten es ihm gleich. Darunter Caroline Fernolend, Präsidentin des Mihai Eminescu Trust und Gheorghe Silian vom Verein Descoperă Archita.

Es folgte der Auftritt der Volkstanzgruppe des Hermannstädter Jugendforums, der frenetisch bejubelt wurde, bevor Benjamin Schaaser ins Innere der Kirchenburg einlud. Dort warteten, neben einer Andacht in der Kirche, viele Stationen für Kinder, die ihnen traditionelle Handwerke näherbrachten. Für die Kleinen wurde bei der Eröffnung viel geboten: Neben den Workshops gab es auch noch Zuckerwatte, Eiscreme, Stationen zum Schminken und ein Theaterstück, womit das Theater TACT aus Schäßburg für viel Spaß und Lachen sorgte. Als Stärkung für Klein und Groß lud man zu einem Brunch, bei dem es unter anderem Omelette und Krautwickel gab.

Die ersten Wanderer treffen nach steilem Aufstieg in der Bauernburg Keisd ein.

Ein Highlight für viele folgte am Freitag. Nach der Vorstellung des Orgelrestaurierungsprojekts und siebenbürgisch-sächsischen Tänzen von der Tanzgruppe Mühlbach in Keisd ging es für einige Hundert Motivierte auf die nahegelegene Fluchtburg. Die Wanderung am steilen Berghang war nicht nur landschaftlich beeindruckend, sondern verlangte den Teilnehmenden auch einiges ab. Nicht vorzustellen, wären die Temperaturen bis an die 40 Grad gegangen, wie in den Vorwochen.

Oben angekommen, eröffnete sich ein spektakulärer Blick auf das Umland. Die kürzlich restaurierte Burg, deren Ursprünge bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen, konnte man in Eigenregie erkunden. Es war ein Moment, in dem Geschichte greifbar wurde. Nicht weniger begeisternd war das riesige Picknick-Buffet, das von den Verantwortlichen auf der Burg vorbereitet wurde.

Der M&V Schmidt-Stiftung und ihren Partnern ist es wieder einmal gelungen, siebenbürgisch-sächsische Kultur und Geschichte im großen Kreis hochleben zu lassen. Vom 31. Juli bis 3. August lockte die Haferland-Kulturwoche über 8.000 Besucherinnen und Besucher in die Region zwischen Kronstadt, Schäßburg und Hermannstadt. Mit rund 50 Veranstaltungen an zehn historischen Orten zählt das Festival zu den bedeutendsten kulturellen Ereignissen für die Siebenbürger Sachsen und ganz Rumänien.

Das Festivalprogramm war bunt und vielfältig: Neben klassischen Konzerten, wie dem Orgelkonzert in der evangelischen Kirche von Meschendorf, begeisterten auch Theaterstücke, Handwerks- und Tanzworkshops sowie Führungen durch die einzigartigen Kirchenburgen. Auch für Kinder und Jugendliche wurde einiges geboten, von kreativen Workshops bis hin zu Mitmachaktionen.

Zu den Höhepunkten zählten der traditionelle Sachsenball mit dem Trio Saxones plus in Deutsch-Kreuz am Samstagabend sowie ein besonderes Novum: der Urzellauf aus Agnetheln, ein seltener historischer Brauch, der am Sonntag in Deutsch-Kreuz stattfand. Maskierte Gestalten mit Peitschen, die einst symbolisch böse Geister vertreiben sollten, zogen durch die Straßen. Ein Bild, das vor Jahrzehnten beinahe ganz aus Agnetheln verschwunden wäre, aber jetzt wieder neu auflebt.

Tobias JARITZ

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kultur.