Rettung in letzter Minute

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Prejbe-Hütte durch Einsatz der Denkmal-Ambulanz vor dem Verfall bewahrt

Ausgabe Nr. 2919

Winterliches Skilager der Brukenthalschule an der Prejbe-Hütte – ein Moment aus dem Januar 1978.                                         Foto: Friedrich PHILIPPI

Nach Jahrzehnten der Verwahrlosung durch Wind, Wetter und Vandalismus gibt es neue Hoffnung für die historische Prejbe-Hütte in den südlichen Karpaten: Die Denkmal-Ambulanz (Ambulanța pentru Monumente) hat mit ersten Sicherungsmaßnahmen begonnen. Im Rahmen eines Projekts zur Rettung historischer Berghütten haben rund 20 Freiwillige – vor allem Architekturstudenten – Seite an Seite mit erfahrenen Handwerkern an der Instandsetzung der stark beschädigten Hütte gearbeitet.

 

Unter der Leitung von Architekt Eugen Vaida, einem Absolventen des Brukenthal-Gymnasiums, wurde das marode Blechdach entfernt und durch ein traditionelles Schindeldach ersetzt. Außerdem wurde das Fundament gesichert und mit Restaurierungsarbeiten begonnen.

„Die Notsicherung hat eine spürbare Dynamik ausgelöst“, berichtet Eugen Vaida. Sowohl die Bürgermeister von Talmesch (Tălmaciu) und Sadu als auch das ASTRA-Museum in Hermannstadt haben ihre Unterstützung zugesagt.

Die freiwillige Aktion brachte nicht nur Material und Arbeitskraft in die Berge, sondern auch neue Energie und Aufmerksamkeit rund um die Hütte. Am vergangenen Sonntag versammelten sich rund 80 engagierte Menschen auf dem Gelände – ein starkes Zeichen für das wachsende Interesse an der Wiederbelebung der siebenbürgischen Bergkultur.

Die Organisation „Ambulanța pentru Monumente“ hat mit ersten Sicherungsmaßnahmen an der Prejbe-Hütte begonnen. Foto: Winfried ZIEGLER

Die 1923 erbaute Berghütte geht auf den Siebenbürgischen Karpatenverein (SKV) zurück, dessen Mitglieder sie nach einem Brand im Vorjahr mithilfe der Bevölkerung von Heltau und anderen engagierten Bergliebhabern wiedererrichteten. Über Jahrzehnte war sie beliebtes Ziel für Wanderer und Wintersportler – besonders für Schülergruppen aus Hermannstadt, Heltau und Umgebung.

„Viele erinnern sich noch lebhaft an die winterlichen Aufstiege in den 1970er und 1980er Jahren – schwer bepackt mit Proviant und Skiausrüstung“, erzählt ein ehemaliger Schüler des Brukenthal-Gymnasiums. „Und an die legendären Hüttenabende, die zu unvergesslichen Erinnerungen wurden.“

Besonders freut sich auch Friedrich Philippi, einer der engagierten Lehrer des Brukenthal-Gymnasiums, über die gelungene Rettungsaktion. Er war nicht nur einer der Organisatoren zahlreicher Skilager auf der Prejbe, sondern gilt als leidenschaftlicher Naturfreund, der Generationen von Schülerinnen und Schülern mit seiner Begeisterung für die Berge inspiriert hat.

Notsicherungmaßnahmen an der Prejbe-Hütte.   Foto: Winfried ZIEGLER

Friedrich Philippi sorgte für echtes Schatzjäger-Feeling: Mit historischen Dia-Aufnahmen von der Hütte aus der Zeit des Schindeldachs öffnete er ein Fenster in die Vergangenheit. (Seine Skilagerbilder sind online unter https://www.siebenbuerger.de/sws/html/sws/prejba/ zu finden). Diese visuellen Erinnerungen waren nicht nur faszinierend, sondern auch eine unschätzbare Hilfe für die Restaurierung im Sinne des Denkmalschutzes.

Die „Cabana Prejba“, unweit des Prejbe-Gipfels „Vârful Prejba“ (1.744 m) im Lotru-Gebirge gelegen, verkörpert nicht nur alpines Erbe, sondern auch das Herzblut freiwilligen Engagements. Ihre Rettung zeigt, wie viel durch freiwillige Initiative und Leidenschaft für das Kulturerbe bewirkt werden kann.

Ein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten, die sich mit großem Einsatz für den Erhalt dieser besonderen Berghütte einsetzen.

Zur Geschichte dieses historischen Juwels: Die Prejbe-Hütte (rumänisch Cabana Prejba) zählt zu den ältesten Schutzhütten der Region. Ursprünglich errichtet vom Siebenbürgischen Karpatenverein (SKV), entstand sie im Rahmen eines ambitionierten Infrastrukturprojektes zur touristischen Erschließung der Südkarpaten.

Bereits zwischen 1893 und 1895 wurde der erste Zugangsweg zur ursprünglichen Hütte in Gipfelnähe des Prejbe (ca. 1.744 m) angelegt – südwestlich von Heltau (Cisnădie) und Talmesch (Tălmaciu). Der Aufstieg erfolgte wahlweise über das Zoodt-Tal (Valea Sadului) oder das Lauterbachtal (Lotrioara). Heute erinnern lediglich Fundamentreste an die erste Hütte an diesem historischen Ort.

Im Jahr 1923 errichteten SKV-Mitglieder und andere Bergbegeisterte in unmittelbarer Nähe eine neue, größere Hütte – ganzjährig nutzbar: im Sommer für Wanderer, im Winter für Skifahrer. Bereits ab den 1890er-Jahren förderte der Verein gezielt den Wintersport, und ab 1911/1912 gehörte das Skifahren zur Grundausbildung der Hüttenwarte. Typisch war die Bauweise der Prejbe-Hütte: schlicht, funktional, modular erweiterbar – und vor allem robust. In der Zwischenkriegszeit entwickelte sie sich zu einem stark frequentierten Stützpunkt. Bis heute ist die Hütte nicht nur ein Erinnerungsort, sondern auch ein Symbol: für den Pioniergeist des SKV, für die lebendige siebenbürgische Bergsteigerkultur und für die tiefe Verbundenheit vieler Generationen mit der wilden Schönheit der Karpaten.

Robert SONNLEITNER

Winfried ZIEGLER

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Tourismus.